Autobahnbau

Die umstrittene Autobahn DüBoDo ist eigentlich tot - oder doch nicht?

Auch wenn der Bau der A 44 in Richtung Ratingen juristisch noch umstritten ist, ist südlich von Heiligenhaus schon richtig viel Betrieb auf der Baustelle.

Auch wenn der Bau der A 44 in Richtung Ratingen juristisch noch umstritten ist, ist südlich von Heiligenhaus schon richtig viel Betrieb auf der Baustelle.

Foto: WAZ FotoPool

Ruhrgebiet.   Der Streit um die hoch umstrittene Autobahn, die Düsseldorf, Bochum und Dortmund verbinden soll, hat sich gelegt. Doch tatsächlich fehlen nicht mehr viele Kilometer.

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Falls es tatsächlich so etwas gibt wie eine kleine Großbaustelle, dann ist das hier eine: Eine neue Brücke steht einsam in der Landschaft, ein anderes, nicht weniger einsames Brückenwiderlager wenige hundert Meter entfernt am Straßenrand; ein Riesenbohrer stochert da in der Erde, und ein paar vermummte Bauarbeiter steuern seine Arbeit. „Neubau Querspange Bochum A 448“ steht auf dem Bauschild: 3,3 Kilometer mehr Autobahn. Ein frühnebelumwaberter Klacks. Wie es scheint.

Doch Kritiker befürchten, in Wahrheit zeigten sich in dem Nebel schon wieder die höchst umstrittenen Konturen der DüBoDo. Das war jene in den 1970er-Jahren geplante Autobahn, die als Teil der A 44 südlich der A 40 Düsseldorf, Essen, Bochum und Dortmund verbinden sollte. Sie scheiterte vor gut zehn Jahren am entschiedenen Widerstand derjenigen, die im Süden wohnen: Dann hätten sie nah einer Autobahn wohnen müssen.

Im Bundesverkehrswegeplan ist die Straße nicht mehr drin

„Es gibt zu viele, die sich darauf verlassen, dass die Autobahn ad acta gelegt ist. Die werden sich alle noch wundern“, sagt Martin Lensing. Der Mann ist kein Verschwörungstheoretiker, sondern er ist Gymnasiallehrer – freilich auch einer der Sprecher der „Bürgerinitiative Bochum gegen die DüBoDo“. Da muss er warnen. Andererseits: Im Bundesverkehrswegeplan (das ist die Wunschliste der Verkehrspolitik, was man mal so bauen könnte) ist die DüBoDo seit 2003 nicht mehr drin und in der städtischen Regionalplanung von 2010 auch nicht vorgesehen.

Doch schaut man von Westen nach Osten auf eine Karte des Großraums Ruhrgebiet, dann sieht man jedenfalls den einen oder anderen Lückenschluss auf der Trasse, die angeblich niemand will. Im Düsseldorfer Norden ist die A 44 längst fertig, die Flughafenautobahn; sie führt in Richtung Ruhrgebiet bis zur A 3. Von dort bis Heiligenhaus fehlen neun Kilometer, doch sie sind im Bau und sollen gegen 2020 fertig sein. Von Heiligenhaus an besteht die Autobahn bereits wieder bis in den Essener Südosten. So.

Straßen NRW: Spange gehört zur „Bochumer Lösung“

Und im Osten wird die aus Dortmund kommende A 44 gerade über jene Querspange an die Bochumer Stadtautobahn angebunden. Und erreicht damit den Bochumer Südwesten. Bleibt eine Lücke zwischen den beiden Enden in Bochum-Südwest und Essen-Südost von überschaubaren zwölf Kilometern Luftlinie.

Zwölf Kilometer, dann wäre die DüBoDo fertig. Da soll man nicht zum Verschwörungstheoretiker werden.

„Die DüBoDo? Der Zombie?“ Ahmed Karroum ist aufrichtig überrascht, wenn man ihn nach der Strecke fragt. Karroum ist beim Landesbetrieb „Straßen NRW“ Bauleiter für die Querspange und wüsste vermutlich, wenn er heimlich die DüBoDo baute. Die Spange gehöre vielmehr zur sogenannten „Bochumer Lösung“, den ganzen Verkehr auf die A 40 und den Bochumer Außenring zu führen. „Man kann nicht die A 40 sechsspurig ausbauen und dann feststellen: Das reicht ja wieder nicht.“ Aber natürlich kann Karroum nicht für die Zukunft in ihrer langwierigen Gesamtheit garantieren: „Autobahnplanung dauert Jahre und Jahrzehnte, ich weiß natürlich nicht, was irgendwann mal passieren wird.“

„Auf dem Bochumer Ring bekommen Sie den totalen Stau“

Also zurück nach Bochum, zurück zu Lehrer Lensing, dem Mann von der Initiative. Sein Szenario ist dieses: Sobald die recht nah beieinander liegenden A-44-Enden unter Verkehr sind, wird es voll da, und Druck entsteht. „Auf dem Bochumer Ring bekommen sie den totalen Stau, und dann wird schnell die Forderung kommen, durchzubauen.“ „Salamitaktik“ habe von Anfang an zur DüBoDo gehört.

Die Initiative begegnet dem mit juristischem Stellungskrieg, gegen die Querspange hängen noch immer Klagen an. Ein bisschen hinterfotzig ist allerdings der Vorschlag, jetzt, da Opel fort sei, könne man die nahe Spange doch einfach über das Werksgelände legen, statt offene Landschaft zuzubauen.

Was fast plausibel klingt, hat in den Augen der Straßenbauer einen entscheidenden Nachteil: Darüber vergingen weitere -zig Planungs- und Genehmigungsjahre. So lange dauert nun schon die ganze DüBoDo-Debatte, dass die geistesverwandte Bürgerinitiative „Hattingen/Essen gegen die DüBoDo“ sich aufgelöst hat. Was es noch gibt, ist ihre Internet-Seite mit einem durchlaufenden Banner. Dort steht ein bisschen düster: „Die DüBoDo ist nicht gestorben, nur diese Bürgerinitiative.“

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