Kleinkinder

Die perfekte Windel fürs Baby: So finden Eltern die richtige

Trocken, sauber, zufrieden: Mit der richtigen Windel am Popo fühlen sich Babys wohl.

Trocken, sauber, zufrieden: Mit der richtigen Windel am Popo fühlen sich Babys wohl.

Foto: imago stock&people / imago/Westend61

Bochum.  Was frischgebackene Eltern über Windeln und das Wickeln wissen sollten– und warum sie unbedingt die Finger von Puder lassen sollten.

Bettina Meyer ist Kinderkrankenschwester, Stationsleiterin der „Pädiatrie 1“ des Katholischen Klinikums Bochums; dazu gehören die Kinder-Intensivstation und die für schwer Brandverletzte. Das Thema Windeln, meint man, ist hier nachrangig. Doch Schwester Bettina sieht das anders: „Der Popo ist sehr wichtig“, sagt sie, „für die Gesundheit aller Babys.“

Doch wie sieht sie aus, die perfekte Windel? Gut sitzen muss sie, das sei das Entscheidende, erklärt die 49-Jährige. Das heißt? „Geschmeidige Bündchen, dichter Abschluss an Bauch und Rücken, leicht verschließbar, auch mehrmals.“ Und natürlich müsse die „Saugkraft“ ordentlich sein. „Ob Bärchen oder sonst was drauf sind, ist nicht maßgebend. Es kommt allein auf die inneren Werte an.“

Aber auch auf die Größe. Für die ersten Tage mit dem Baby daheim empfiehlt Schwester Bettina zwei Größen bereit zu halten: die für Neugeborene und die nächstgroße, später würden Eltern schon merken, wenn es Zeit wird, zur nächsten Größe zu wechseln: Wird die Windel zu klein, reicht das Fassungsvermögen nicht mehr und/oder die Bündchen schneiden ein.

Und wie oft sollte die Windel gewechselt werden? Klare Ansage: Sechsmal am Tag! Also auch nachts, wenigstens im ersten Lebensjahr. „Die Älteren halten schon mal acht Stunden am Stück aus.“ Moderne Einwegwindeln haben im Übrigen sogar eine Art „Füllstandsanzeige“: Ist der „Superabsorber“ darin voll, verfärbt sie sich. Schnickschnack? Schwester Bettina hat’s getestet: „Man glaubt es nicht, aber das funktioniert verlässlich“, fand sie heraus.

Zwei, drei Jahre dauert es, bis das Kind trocken ist. Das macht an die 6000 Windeln pro Durchschnittsbaby. Eltern, die sich um Klima und Umwelt sorgen, stellt sich da die Frage: Tut es nicht auch eine mehrfach nutzbare Baumwollwindel? Auf Bettina Meyers Station werden sie aus Hygieneaspekten ausschließlich Einmalwindeln verwenden. Lediglich zum „Breitwickeln“ bei Kindern mit Hüftproblemen kommen Stoffwindeln zum Einsatz. „Verteufeln“ mag die Kinderkrankenschwester die wieder verwertbaren Windeln aber nicht. Diese hätten durchaus ihre „Daseinsberechtigung“. Doch als Hygienebeauftragte ihrer Klinik hat sie gesundheitliche Bedenken („die Kinder liegen ja im Nassen, werden schneller wund“).

Für die Kinderkrankenschwester ist der ökologische Vorteil von Stoff- gegenüber Wegwerfwindeln zudem längst nicht erwiesen. „Studien zeigen, dass sich beide, was die CO2-Emission angeht, kaum unterscheiden.“ Britische Forscher berechneten für Wegwerfwindeln tatsächlich einen Wert von 550 Kilo Kohlenstoffdioxid-Äquivalent und für wiederverwertbare Windeln einen von 570. Doch deren Studie ist nicht unumstritten und Befürworter der Stoffwindel (die heute neudeutsch auch All-in-Three heißen und aus Pant, Pouch und Soaker bestehen), betonen neben den Umweltaspekten deren weitere Vorteile (siehe Text unten): weil Stoffwindeln atmungsaktiver sind und weniger Chemie drin steckt, vertrügen Babys sie besser – allergische Reaktionen seien seltener; weil Babys mit Stoffwindel merkten, dass sie im Nassen liegen, würden sie schneller trocken; und kostengünstiger als Wegwerfwindeln seien die aus Stoff auch. Zumal man letztere ja noch fürs nächste Geschwisterchen nutzen oder verkaufen bzw. verschenken könne.

Schwester Bettina hält Stoffwindeln trotzdem für „nicht mehr up to date“. Sie bevorzugt Einmalwindeln („praktischer, bessere Passform, dichter, angenehmer fürs Kind“) – und zwar: wirklich „die Premium-Marke“, deren Namen sie nicht nennen mag. „Die teuren sind für die meisten die besten, ist unsere Erfahrung“, erklärt sie. Doch natürlich gebe es immer auch Babys, die mit dem billigeren Produkt aus dem Discounter besser zurecht kämen, am Ende sei die beste Windel fürs Kind nur durch Ausprobieren zu finden.

Ein Windel-Test von „Alles Beste“ (aktualisiert im Februar 2020 kürte übrigens die „Lupilu Soft & Dry“ von Lidl zur besten aller Windeln „für die meisten Babys“. Sie sei hautfreundlich, weich und dünn, nehme die größte Menge Flüssigkeit auf und verfüge über „einen sehr guten Auslaufschutz – auch fürs Babys Rücken“. Bei den Höschenwindeln hatte das Produkt des Marktführers Procter & Gamble die Nase vorn: Favorit der Tester waren die Pampers Baby Dry Pants.

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