Industriekultur

Die 50 schönsten Zechensiedlungen im Ruhrgebiet

Eine der schönsten Siedlungen im Ruhrgebiet: die Margarethenhöhe im Essener Süden.

Eine der schönsten Siedlungen im Ruhrgebiet: die Margarethenhöhe im Essener Süden.

Foto: Ulrich von Born / WAZ FotoPool

Essen.  Im Ruhrgebiet gibt es zig Arbeitersiedlungen. Aber bei aller Revier-Romantik ist das Leben nicht immer leicht – auch wegen des Denkmalschutzes.

Die Zeiten, in denen den historischen Zechensiedlungen im Ruhrgebiet der Abriss drohte, sind zum Glück vorbei. In den 60er, 70er und 80er Jahren war das noch anders. Stellvertretend für den harten Kampf der Bewohner gegen den Abrissbagger stehen Siedlungen wie Eisenheim in Oberhausen oder Rheinpreußen in Duisburg. Auch die Siedlungen "Carl Funke" in Essen oder Vondern und Ripshorster Straße in Oberhausen standen auf der Kippe. Für "Schlägel und Eisen" in Gladbeck und die Max-Taut-Siedlung in Duisburg-Bruckhausen ist es leider zu spät.

Heute stehen die meisten Siedlungen unter Denkmalschutz. Aber auch das bringt Probleme: Bewohner und Denkmalbehörden liegen oft über Kreuz. Längst nicht alle Umbauten oder Sanierungen sind erlaubt – die Gestaltungssatzung gibt ein strenges Korsett vor.

Neue Bewohner wollen ihre Häuser selbst gestalten

Der Vorgarten als Stellplatz fürs Auto? Das lasse sich eben nicht mit dem Konzept der "Gartenstadt" vereinbaren, erklärt Raumplanungs-Professorin Christa Reicher von der TU Dortmund. Und statt Fensterläden dürfen die neuen Besitzer auch nicht einfach Rolladenkästen montieren. "Die Bewohner wollen ihr Eigenheim selbst gestalten und suchen dafür die preiswerteste Lösung", weiß Reicher. Und das treibe oft Blüten, die im Baumarkt-Schick enden.

Ungenehmigte Umbauten sieht das Denkmalamt eben nicht gern. Individuelle Lösungen, die das Gesamtbild stören, auch nicht. Die Dortmunder Siedlung Oberdorstfeld drohte deshalb sogar den Denkmalschutz zu verlieren – stattdessen soll eine neue Gestaltungssatzung her. Die Bewohner hatten zu viel Hand angelegt, ohne sich um den Denkmalschutz zu scheren. Dass sie Sanierungen im Sinne des Denkmalschutzes steuerlich besser absetzten können störte sie nicht.

Nord-Süd-Gefälle im Revier

Probleme gibt es vor allem dort, wo Siedlungen in weniger betuchten Gegenden liegen. "Es gibt im Ruhrgebiet ein Nord-Süd-Gefälle", weiß Reinhold Budde vom Regionalverband Ruhr (RVR). Er leitet das Projekt "Route der Industriekultur", bei der sich einer der 30 Themenrouten auch mit Arbeitersiedlungen befasst.

Als die Siedlungen noch in der Hand eines einzigen Besitzers waren (etwa einer Wohnungsgesellschaft) sei es einfacher gewesen, die Optik "aus einem Guss" zu erhalten. Aber mit der Privatisierung kamen die Probleme – und denen könne eine Stadt nur mit viel Geduld, Beratung und Überzeugungsarbeit begegnen. Die neuen Besitzer seien eben oft eine schwierige Klientel, so Budde. Viele Siedlungshäuser kamen bei der Privatisierung billig auf den Markt, und dementsprechend eng ist der Etat der neuen Bewohner.

Aber trotz aller Probleme: Arbeiter- und Zechensiedlungen gehören zum Ruhrgebiet wie die Zechen selbst. Und das wird auch so bleiben.

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