Der Brückenbauer in die Moderne

Bonn  . Es war ein Eklat, den der Schweizer Maler Ferdinand Hodler (1853-1918) im September 1914 in Deutschland auslöste. Zusammen mit 120 Künstlern unterschrieb er eine Protestnote gegen die Beschießung der Kathedrale von Reims. Deutsche Kollegen, Museumsleute und Kunsthändler reagierten empört. Damit war die Karriere des äußerst populären Malers in seinem wichtigsten Absatzmarkt Deutschland beendet. Seine Gemälde wanderten in die Museumskeller, Wandbilder verschwanden hinter Bretterwänden.

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. Es war ein Eklat, den der Schweizer Maler Ferdinand Hodler (1853-1918) im September 1914 in Deutschland auslöste. Zusammen mit 120 Künstlern unterschrieb er eine Protestnote gegen die Beschießung der Kathedrale von Reims. Deutsche Kollegen, Museumsleute und Kunsthändler reagierten empört. Damit war die Karriere des äußerst populären Malers in seinem wichtigsten Absatzmarkt Deutschland beendet. Seine Gemälde wanderten in die Museumskeller, Wandbilder verschwanden hinter Bretterwänden.

Auch wenn sich die Entrüstung bald wieder legte, geriet der einst in Deutschland sehr erfolgreiche Maler hierzulande im Laufe der Jahre etwas in Vergessenheit. Unter dem Titel „Ferdinand Hodler. Maler der frühen Moderne“ rückt die Bundeskunsthalle sein Werk nun wieder ins Scheinwerferlicht. „Hodler war ein wichtiger Maler, der die Moderne auf internationaler Ebene mit geöffnet hat“, erklärt der Leiter der Bundeskunsthalle, Rein Wolfs, das Interesse seines Hauses an dem Schweizer Maler. Zudem feierte Hodler einen Großteil seiner Erfolge in Deutschland.

Die Bundeskunsthalle präsentiert seit Freitag bis zum 28. Januar 2018 mit rund 100, zum Teil großformatigen Gemälden und rund 40 Zeichnungen eine umfassende Retrospektive, die zahlreiche Schlüsselbilder Hodlers umfasst.

Die Ausstellung startet mit einem Rückblick auf die Anfänge des in Bern geborenen Hodler, der aus bescheidenen Verhältnissen stammt und bereits mit 14 Jahren Vollwaise wird. Seine Karriere beginnt er mit einer Lehre bei Ferdinand Sommer in Thun. Dort lässt er sich im Malen von Veduten, also naturgetreuen Landschafts- oder Stadtansichten, ausbilden.

Hodler beginnt in den 1870er Jahren mit dunkel gehaltenen Landschaftsbildern der Schweizer Bergwelt, etwa Ansichten von Schloss Schadau oder den Berggipfeln von Eiger, Mönch oder Jungfrau. Mittellos, wie er ist, hat Hodler von Anfang an auch die Absatzmöglichkeiten für seine Bilder im Blick. Zunächst malt er Landschaften für Touristen. Zugleich nimmt er Porträtunterricht bei Barthélemy Menn in Genf. Mit Hilfe von Porträtaufträgen kann er dann 1878 einen mehrmonatigen Aufenthalt in Madrid finanzieren, wo er die Meister am Museo del Prado studiert.

Danach werden seine Bilder lichter. In der Landschaftsmalerei entwickelt Hodler seinen eigenen Stil mit einer klaren Abgrenzung von hellen und dunklen Farbflächen und betonten Umrisslinien. So wirkt sein „Blick auf den Thuner- und Brienzersee“ (1887/88) gestochen scharf. Im Laufe der Jahre löst sich Hodler zunehmend von der naturalistischen Darstellung. Im späten Gemälde „Genfersee von Caux aus“ (1917), das sich nur noch aus Farbflächen zusammensetzt, zeigt sich bereits die Moderne.

Hodler entwickelte sein eigenes Kompositionsprinzip

Zugleich entwickelt Hodler eine symbolistische Figurenmalerei. Er fasst seine Figuren als Träger von Empfindungen auf, die diese durch Mimik und Gestik ausdrücken. Mit dem „Parallelismus“ entwickelt er sein eigenes Kompositionsprinzip, das einen symmetrischen Aufbau des Bildes sowie die Wiederholung von Farben und Formen postuliert.

Ein prominentes Beispiel für diesen Stil sind „Die enttäuschten Seelen“ (1892). Das großformatige Gemälde zeigt fünf in schwarze Gewänder gekleidete, sitzende Männer, die durch Gesichtsausdruck oder Gestik Verzweiflung ausdrücken.

Hodler arbeitet von Anfang an systematisch an seiner Karriere, indem er sich an zahlreichen Wettbewerben beteiligt. In der Schweiz fühlt er sich jedoch lange Zeit nicht verstanden. „Ich werde nicht in der Schweiz bleiben, es wäre nutzlos, meinen Weg im eigenen Land zu machen“, erklärt er schon 1883.

Mit dem großformatigen Gemälde „Die Nacht“ (1889/1890), das Schlaf, Tod und Sexualität thematisiert, und nackte Paare zeigt, löst er in Genf einen Skandal aus. Das Bild, das aus einer Ausstellung im Musée Rath ausgeschlossen wird, verhilft ihm dennoch im Ausland zum Durchbruch. Bei der Pariser Weltausstellung erhält er 1900 sogar eine Goldmedaille für das Gemälde, das in der Bonner Ausstellung leider fehlt.

Das Kunstmuseum Bern, das für die Retrospektive mit der Bundeskunsthalle kooperierte, habe das Gemälde aus konservatorischen Gründen nicht ausleihen wollen, sagt Kuratorin Monika Brunner. Dafür gelang es jedoch, das Wandbild „Auszug der deutschen Studenten in den Freiheitskrieg von 1813“ (1908/09) nach Bonn zu holen.

Das im Auftrag der Friedrich-Schiller-Universität in Jena gemalte Bild hing im Treppenhaus. Nach Hodlers Protest gegen den Beschuss der Kathedrale von Reims verschwand es zunächst für einige Jahre hinter einer Bretterwand. Seit den 50er Jahren schmückte es die Aula der Hochschule. Nun wurde es laut Wolfs erstmals seit 65 Jahren von der Wand genommen, um nach Bonn zu reisen.

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