Von Rhein und Ruhr

Handel: Der Baumarkt für Binnenschiffer sitzt in Duisburg

Die Crew der Vespucci setzt das Beiboot auf Land, um die Waren einzuladen.

Die Crew der Vespucci setzt das Beiboot auf Land, um die Waren einzuladen.

Foto: Pascal Conrads / NRZ

Die Firma Wittig ist erster Ansprechpartner für Reedereien. Sie handelt nicht nur Spezialware, sondern auch Haushaltssachen wie Toilettenpapier.

Es ist einer der heißesten Tage des Sommers. Städte überbieten sich fast stündlich mit neuen Hitzerekorden. Für Maurice Guttmann ist es ein schwitzender Tag im Lieferwagen.

Der Duisburger arbeitet bei dem Schiffsausrüster Wittig eigentlich als Groß- und Außenhandelskaufmann im Verkauf – das bedeutet Schreibtisch, Wasserflasche, Klimaanlage. Doch ausgerechnet an jenem Tag muss er Waren ausliefern.

Und Maurice Guttmann hat seit der Ausbildung bei Wittig nicht nur am Schreibtisch zu tun. „Ich bin der dritte Fahrer und muss gelegentlich aushelfen”, sagt er. Das komme immer dann vor, wenn einer der beiden Hauptlieferanten Urlaub habe oder wegen Krankheit ausfalle.

Von Toilettenpapier bis Sauerstoffflaschen ist alles da

Für den Familienbetrieb im Duisburger Bunkerhafen ist das existenziell. „Wir sind ein Großhandels- und Logistikunternehmen”, erklärt Geschäftsführer Frank Wittig. Das Unternehmen ist die erste Adresse für Reedereien, wenn bestimmte Waren pünktlich auf einem Schiff sein sollen. Und das kann alles sein.

Im Lager befinden sich Haushaltsgegenstände wie Toilettenpapier, Seife, Saugglocken aber auch Arbeitsschuhe, Tauchgeräte und Feuerwehrschläuche. Außerdem verkauft Wittig jede erdenkliche Form von Spezial-Farbe oder Lack für Schiffe.

Die Binnenschifffahrt ist ein besonderer Geschäftspartner: Lieferung erfolgen nie zu einem festen Zeitpunkt an den immer gleichen Ort. „Wir müssen uns eng mit den Schiffen absprechen. Wir bekommen mitgeteilt, was die Kunden in welcher Menge brauchen und wohin wir das liefern sollen. Und dann machen wir das auch”, versichert Maurice Guttmann. Für gute Kunden fahren die Lieferanten auch nur für ein Paar Schuhe schon mal bis Holland. „Wir gucken natürlich, wie wir Aufträge miteinander verknüpfen können”, so Guttmann.

An diesem Tag muss der 26-Jährige zwei Häfen in Köln und einen in Leverkusen ansteuern. Hauptsächlich gibt es Schiffsfarbe, einen Feuerwehrschlauch und einen Schlauchkasten – Warenwert etwa 2500 Euro. Wie viel die Werften für die Leistung zahlen, erzählt Maurice Guttmann aber nicht. Das erste Schiff transportiert Kohle und liegt im Leverkusener Chemiepark von Bayer.

Der Kapitän hat den Feuerwehrschlauch bestellt. Doch der Pförtner an der Einfahrt zum Chempark lässt Maurice Guttmann aussteigen. Der Wittig-Lieferant hat seinen Ausweis nicht dabei und darf nicht weiter. Ein Mitglied der Schiffscrew kommt aber zufällig vorbei und nimmt die Lieferung mit. Glück gehabt. Es kann weitergehen. In Köln wartet schon auf dem Betriebshof der KD die Loreley, ein Ausflugsschiff, das zwischen Köln und Düsseldorf unterwegs ist. Sie benötigt neue Decksfarbe. Der Mitarbeiter von KD sichtet die Ware und unterschreibt den Lieferschein.

Ein Hafen für Tankschiffe

Jetzt hat Maurice Guttmann etwas Luft. Der nächste Kunde, das Tankschiff Vespucci, liegt noch nicht im Hafen. Guttmann steuert den grünen Sprinter nach Köln-Mülheim, dort legen nur Tankschiffe an. Aufgrund der potenziellen Gefahr, die durch die Ladung der Schiffe vorhanden ist, dürfen diese nur in bestimmte Häfen Halt machen. Der Duisburger telefoniert; die Vespucci erreicht in schätzungsweise 30 Minuten Köln. Als der Tanker in Sichtweite ist, erkennt die Crew Maurice Guttmann schon und grüßt per Handzeichen. Kurzerhand dockt sich die Vespucci einfach am Nachbarschiff an.

Zwei Männer klettern über das andere Schiff an Land. Sie bekommen Farbe und große weiße Filter. Die Menge können sie so nicht zum Schiff tragen, also behelfen sie sich mit dem Beiboot, das einfach an den Schiffskran gehängt, auf das Ufer gehoben wird. Das kleine “Einkaufsschiff” wird voll beladen und mit Kran wieder zurück geholt. Das Beiboot ist also die Lieferdrohne der Binnenschifffahrt. Es fehlen ein paar Teile, die noch nicht vorrätig waren.

Wittig wird sich melden, wenn die Sachen da sind und die Vespucci wird mitteilen, wo sie sich gerade befindet. Bis dahin wartet Maurice Guttmann in Duisburg-Ruhrort auf den nächsten Auftrag.

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