Tiere

Das sind unsere Zoo-Oldies! Mit Attraktionen auf einen Blick

Nashorn „Natala" im Zoo in Dortmund – mit über 50 das älteste seiner Art in Deutschland – dies ist eine Geschichte über die Zoo-Oldies unserer Region.

Nashorn „Natala" im Zoo in Dortmund – mit über 50 das älteste seiner Art in Deutschland – dies ist eine Geschichte über die Zoo-Oldies unserer Region.

Foto: Marcel Stawinoga / dpa

Duisburg.  Von senilen Seelöwen, betagten Bonobos und rüstigen Riesenschildkröten – sowie mit den Topattraktionen der Zoos in unserer Region.

Wer einen Streifzug über die Anlagen des Zoo Duisburg unternimmt, wird viele Kinderstuben entdecken, in denen die jüngsten unter den Tierbewohnern liebevoll von ihren Eltern betreut werden. Doch auch Zootiere werden einmal alt. Mittlerweile haben Schildkröten, Lungenfisch, Gibbons oder Flamingos Jahrzehnte im Zoo verbracht. Sie genießen das Leben an der Seite ihrer Artgenossen, umsorgt von Pflegern und Tierärztinnen.

„Oma“ ist blind und taub

„Hier und da helfen bei körperlichen Beschwerden auch Öle und Kräuter“, weiß Tierärztin Dr. Kerstin Ternes. Denn auch Tieren merkt man das Alter an. Die Bewegungen werden langsamer, der jugendliche Schwung verblasst. Arthrose setzt schließlich nicht nur den Gelenken der Menschen zu. Doch das Zusammenleben funktioniert bei vielen Tieren auch nach langen Ehejahren noch. So liebt es Zwergflusspferd Quirle, mit 47 Jahren 13-fache Mutter, manchmal allein in Ruhe ein Bad zu nehmen, ohne ihre Mitbewohner Atu und Ayoka. Ehekrach gibt es mitunter auch in Tierfamilien. So verbringt Quirle viel Zeit mit „Schwiegersohn“ Atu, da der nicht immer von seiner Partnerin Ayoka geduldet wird. Nur wenn die Hippo-Dame in Hitze ist, darf Atu zu ihr. Auch Sophie und Charly, das Schopfgibbonpaar, rauft sich hin und wieder, dennoch genießen die exzellenten Kletterer die Harmonie zu zweit. In einer Frauen-WG muss sich „Oma“ zurechtfinden. Die Seehund-Dame, die sich ihrem 50. Geburtstag nähert, ist blind und taub. Die Pfleger achten drauf, dass Oma beim Fressen nicht zu kurz kommt und die Artgenossen ihr nicht die Fische wegschnappen. Verloren kommt sie sich offensichtlich nicht vor. Über ihre Schnurrbarthaare, die Vibrissen, orientiert sie sich im Becken.

Der Sultan hat Hunger

Zwei Oldies geben im Delfinarium den Ton an. Ivo (großes Foto oben), bereits 41, scheint der Chef zu sein. „Doch die eigentliche Chefin in dem gewachsenen Familienverband ist Pepina (39)“, weiß Kerstin Ternes. Die Tümmler in der siebenköpfigen Gruppe lassen Ivo im Glauben, der erste zu sein. Die Chefrolle beansprucht auch Sultan, der Kamelhengst. Den dauerhaft vorhandenen Appetit des 21-Jährigen können auch Arthrose-Erscheinungen nicht bremsen. Hormone hielten derweil Shetland-Pony Anton lange fit. Bis zuletzt tauschte er mit Partnerin Nicoletta als Morgenritual Zärtlichkeiten aus. Das Kauwerkzeug des über 40-jährigen Hengstes war dabei so altersschwach, dass ihm die Pfleger seine Möhrenportionen fein geraspelt servierten. Im August nun aber trabte Anton dann doch in den ewigen Sonnenuntergang.

Ein 50-jähriges Baby

Baby, der Süßwasserdelfin, lebt allein im großen Wasserareal der Tropenhalle Rio-Negro. Kein Problem für den 50-Jährigen, denn Flussdelfine sind Einzelgänger. Gesellschaft leisten dem Charaktertier am Kaiserberg ein Schwarm roter Pacus und weitere zahlreiche südamerikanische Fischarten. Besuch bekommt Baby nicht nur von Tauchern, die regelmäßig die große Panoramascheibe reinigen, sondern auch von Forschern. Ternes: „Die Wissenschaftler haben bei Lautaufnahmen herausgefunden, wie gesprächig der Tonina-Mann ist. Die bei uns gewonnenen Daten dienen unter anderem dazu, Flussdelfine im trüben Amazonas besser lokalisieren und dann erforschen zu können. Hier zeigt sich eindrucksvoll, wie die im Zoo gesammelten Erkenntnisse Artenschützern bei ihrer Arbeit im Freiland helfen.“ Baby unterhalte vor allem die Taucher und interagiere auch mit Kindern, die ihn vor der Scheibe beobachten und folgt häufig ihren Bewegungen. Dass dem 50-Jährigen viele Zähne ausgefallen sind, stört nicht bei der Nahrungsaufnahme. Futterfische servieren ihm die Pfleger in Stückchen. Apropos Zähne: In Südamerika werden diese zahnenden Kindern um den Hals gehängt, denn bei den Schamanen herrscht der Aberglaube, dass der Zahn eines Flussdelfins Kindern die Schmerzen nehmen.

Tänze unterm Rasensprenger

In der spätsommerlichen Jahreszeit genießen auch die älteren Bewohner die angenehmen Temperaturen. Wenn die Rasensprenger auf der Emu-Anlage in Bewegung sind, führen die ausgelassenen Tiere unter dem spritzigen Wasserguss ihre Tänze auf. Die Flamingos, die auch zu den Oldies zählen, plantschen oder nehmen ein Sonnenbad. Und wenn sich Tapir Alfonso besonders wohl fühlt, lässt er sich gerne von den Pflegerinnen und Pflegern kraulen. Besondere Wettereinflüsse scheinen die beiden ältesten Zoo-Bewohner hingegen nicht besonders zu inspirieren. Riesenschildkröte „Drei“ baut mit seinen 77 Jahren weiter auf einen stabilen Panzer, gesunde Ernährung und intakte Kieferleisten. Damit der Panzer schön geschmeidig bleibt, legen die Pfleger Hand an: Mit Babyöl und Schwamm betreiben sie Panzerpflege. Lungenfisch Ludgar genießt seit Jahrzehnten offensichtlich die Unterwasserwelt. Er wünscht sich zu seinem 70. Geburtstag in diesem Jahr vermutlich immer ausreichend Sand zum Wühlen in seinem Wasserreich im Aquarium.

Der älteste Bonobo der Welt

Doch auch in den anderen Zoos unserer Region sind echte Raritäten zu bestaunen: Bonobo Mato aus dem Wuppertaler Zoo ist stolze 57 Jahre alt. Üblicherweise werden die Tiere höchstens 45. Mato ist somit der älteste Bonobo der Welt.

Im Dortmunder Zoo hält Ameisenbär Sandra mit 26 Jahren den Altersrekord. Auch sie darf sich mit dem Titel älteste Ameisenbärin der Welt schmücken, werden ihre Artgenosse in der Regel doch nur zwischen 10 und 15 Jahre alt.

In der Gelsenkirchener Zoom Erlebniswelt genießt Flusspferdbulle Ernie seinen Ruhestand. Ernie braucht zwar mittlerweile für alles etwas länger, doch der Bulle ist ja auch schon 50. In freier Wildbahn werden Flusspferde normalerweise höchstens 35 Jahre alt. Die Muskeln bauen zwar langsam ab und Ernie braucht wegen seiner ausgefallenen Zähne eine tägliche professionelle Zahnreinigung, doch ansonsten geht es dem rüstigen Bullen noch recht gut.

Altersrekord im Tropenhaus

Nebenan, im Dortmunder Tropenhaus, hält Orang-Utan-Dame Kasih den Altersrekord. Kasih ist 58 Jahre alt, auf Menschenalter umgerechnet wäre sie also weit über 100 Jahre alt. Kasi gehört – wen wundert’s – zu den ältesten Menschenaffen in einem europäischen Zoo. Die Pfleger beschützen, beschäftigen und fordern die Affen-Oma – was sie ganz offensichtlich ziemlich fit hält.

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Tierisch was erleben

BEI DEN DEN KOALAS:Als erster Zoo Europas traut sich der Zoo Duisburg Mitte der 90er Jahre etwas Besonderes: Im Koalahaus werden seitdem einige der putzigen Beuteltiere gehalten. zoo-duisburg.de FOSSILIEN BESTAUNEN: Der Tierpark Bochum mit Fossilium gewährt spannende Einblicke in die Evolution: Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen heute noch lebenden Tieren und ihren ausgestorbenen Vorfahren werden deutlich. tierpark-bochum.de SÜDAMERIKA ERLEBEN: Ein Schwerpunkt des Dortmunder Zoos ist die Zucht und Haltung südamerikanischer Tierarten wie Großen Ameisenbären, Tamanduas und Riesenottern.
dortmund.de/zoo
UNTERM DACH: In Münster erlauben überdachte „Allwettergänge“ es den Besuchern, viele Häuser des Tierparks auch bei Regen trockenen Fußes zu erreichen. allwetterzoo.de
ALASKA, AFRIKA UND ASIEN:
In der Gelsenkirchener Zoom Erlebniswelt geben die Themenwelten Alaska, Afrika und Asien Einblicke in die Vegetationszonen der verschiedenen Kontinente und stellen die dort lebenden Tierarten vor. zoom-erlebniswelt.de WELT DER VÖGEL: Der Krefelder Zoo beeindruckt mit einem Vogeltropenhaus. Hier leben gefiederte Tiere von drei verschiedenen Kontinenten. zookrefeld.de UNTERWASSERWELTEN: Von der großen Meeresschildkröte bis zum kleinen Nachwuchs des Schwarzspitzenriffhai: Das Sea Life Aquarium in Oberhausen bietet spannende Einblicke in verschiedene Unterwasserwelten. visitsealife.com GLEICHWARM TRIFFT WECHSELWARM: Der Terra Zoo im niederrheinischen Rheinberg zeigt ausschließlich Reptilien, Amphibien und einige wirbellose Tiere wie zum Beispiel Vogelspinnen. terrazoo.de

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