Essen.

Das digitale Klassenzimmer

Essen.  Essener Goetheschule setzt Facebook und Instagram auf den Stundenplan. Projekttage sollen Schüler und Lehrer kompetenter machen im Netz-Alltag.

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Stehen vier Schüler und ein YouTube-Star vorm Klassenraum.

„Woher kennt ihr diesen Mann?“

„Puh, ähm.“

„Ich glaube, Du hast schon mal was mit Joyce gemacht.“ (Joyce Ilg, Komikerin, hat 1,2 Millionen Abonnenten im Netz.)

„Ich bin nicht so auf YouTube unterwegs, aber in ein paar Videos hab ich ihn schon gesehen.“

„Und was für Videos?“

„Hmm. Keine Ahnung.“

„Du warst bei Ponk, oder?“ (Ponk war einer der ersten Comedy-Kanäle bei YouTube.)

Sie kennen ihn also, irgendwie. Julez der Künstlername, Julian Weißbach der richtige, bekannt geworden mit Streichen à la „Versteckte Kamera“, hat 50 000 regelmäßige Zuschauer. Heute ist Julez ihr Lehrer, einer von drei Gast-Dozenten. Denn die Essener Goetheschule will digitaler werden.

Nachhilfe aus China

„Wie schütze ich meine Daten? Wie gehe ich damit um? Und was passiert im Hintergrund, auch wirtschaftlich?“ Darum geht es nun drei Tage lang für die 90 Schüler der Stufe zehn, erklärt Schulleiterin Nicola Haas. Das „Smart Camp“ bietet die Bonner Firma BG 3000 an, für Schulen ist es kostenlos, bezahlt werden die digitale Nachhilfestunden von der Konrad-Adenauer-Stiftung und, ja, dem chinesischen Konzern Huawei.

Ein Turm dominiert das kaiserzeitliche Gymnasium im reichen Stadtteil Bredeney, das Parkett erzählt von Generationen. Näher kommt eine Ruhrgebietsschule nicht ran an Harry Potter. Aber das WLAN ist schwach. Zu schwach, um damit arbeiten zu können, erklären zwei junge Lehrer. Sie haben die Projekttage angeschoben. „Die Schüler tragen alle einen leistungsfähigen Computer in der Hosentasche“, sagt Maria Spree (28). „Aber in der fünften Klasse wissen die meisten gerade, wie man Whats­App aufmacht.“ Nun sollen sie lernen, wie man das Potenzial verantwortungsvoll nutzt.

Auch die Lehrer haben Nachhilfe bekommen im Vorfeld der Projekttage und haben zudem beschlossen, dass es nun erlaubt ist, Handys in der Pause zu benutzen, sofern es geräuschlos funktioniert. Filmen allerdings bleibt verboten.

„Ganz viele wollen YouTube-Star werden“, erzählt Julez. „Ich sage dann immer: Mach, was dir Spaß macht, aber mach doch auch eine Ausbildung in diesem Bereich.“ Also lässt er seine Gruppe Apps entwickeln auf dem Papier. „Warum soll ich in euer Start-up investieren?“ – „Weil es noch keine App gibt, mit der man gemeinsam Power-Point-Präsentationen erstellen kann.“ Der Spaßvogel als seriöser Gründungsberater.

Freizügige Videos verbreiten sich

Schauspieler und Medienexperte Dominik Buch erklärt parallel, was es mit dem „Recht am eigenen Bild“ auf sich hat. Übersetzt: Wann darf ich das Foto ins Netz stellen oder verschicken? Das ist das wohl größte Thema für die 15-Jährigen: „Bei uns gab es ein Video mit zwei Freundinnen, die nicht so krass bekleidet waren“, sagt Lilli. „Wir haben Wahrheit oder Pflicht gespielt. Sie mussten im BH tanzen. Einer hat das Video zum nächsten geschickt, dann hatte es ganz Essen.“

Nebenan erklärt Chris Wojzechowski vom Gelsenkirchener Institut für Internet-Sicherheit, wie einfach es ist, ein E-Mail-Konto zu knacken. Fast alle Schüler wissen schon, dass ihre eigenen Passwörter unsicher sind. Aber darüber zu reden, schafft Bewusstsein. Wojzechowski zeigt eine Liste der beliebtesten Passwörter, sie spricht für die digitale Nachhilfe:

1. hallo

2. passwort

3. hallo123

4. schalke04

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