Spielplatzöffnung

Coronavirus: Der Spielplatz folgt seinen eigenen Regeln

Keiner schiebt Lilith (3) so hoch wie Papi Lalash Bexten.

Keiner schiebt Lilith (3) so hoch wie Papi Lalash Bexten.

Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Essen.  Während in Schulen teils jeder Schritt markiert ist, gilt auf den wieder geöffneten Spielplätzen der gesunde Menschenverstand. Mehr oder weniger.

Es gibt wohl gerade keine Schaukel, die nicht schwingt. Die Spielplätze im Ruhrgebiet sind wieder frei, und die Freude der Eltern erkennbar so groß wie die der Kinder. Der Arzt Lalash Bexten hat sich extra Zeit genommen, um Lilith (3) und seine Frau Rebecca im Essener Christinenpark zu besuchen. „Den ersten Tag wollte ich nicht verpassen.“ Und auf das Schaukeln hat sich Lilith am meisten gefreut. „Vor allem mit Papi“, sagt Papi und erklärt schnell dazu: „weil sich keiner traut sie so hoch zu schieben.“ – „Bis zum Mond!“, ruft Lilith und lacht wie die Sonne.

Neben den dreien steht ein anderer Papa, stubst die Schaukel und filmt diesen denkwürdigen Moment. Elf Kinder plus ihre Eltern sind gegen 11 Uhr auf dem kleinen Spielplatz im Rücken der Rüttenscheider Straße; damit ist er belebt, aber längst nicht gefüllt. „Viele haben auch Angst und wollen ihre Kinder auch nicht sofort in die Kita schicken, wenn es wieder losgeht“, sagt Rebecca Bexten. Einerseits war es ja eine anstrengende Zeit: ohne Tanzkurs, ohne Turnen, ohne Kita. „Diese Menge an Bewegung konnten wir nicht ausgleichen“, sagt die Medizinstudentin, zumal Lilith bald eine Schwester erwartet. „Andererseits haben wir viel entdeckt. Den Wald hinterm Krupp-Krankenhaus hatte ich zum Beispiel fast vergessen.“

Maske trägt keiner im Christinenpark, Abstand halten die Eltern durchaus und auch die meisten Kinder. Schilder mit Regeln gibt es keine, außer denen, die schon bei der Schließung angebracht wurden. Sie erklären die allgemeinen Coronaregeln. Wenn man schaut, welchen Aufwand Schulen treiben müssen, ist der Spielplatz fast ein Gegenentwurf. Dort ist jeder Schritt auf dem Boden markiert, hier soll mehr oder weniger der gesunde Menschenverstand gelten. Also: Keine Gruppen bilden, eine haushaltsferne Person ist aber okay. Der Mindestabstand von 1,50 Metern gilt für die Erwachsenen (auch zu fremden Kindern), jedoch nicht für die Kleinen. Vorher und nachher Hände waschen. Ist der Spielplatz erkennbar zu voll: lieber weiterziehen ... Und da holt ein Papa auch schon drei Becher Kaffee von der Rü.

Die Angst hat sich verflüchtigt

Sorgen um die Gesundheit macht sich auch Luisa Harwardt nicht übermäßig. „Die ersten drei Wochen ist man schon ängstlich gewesen. Aber das hat sich verflüchtigt.“ Der Umgang mit anderen Kindern sei unvermeidbar und eben das, was Roux vermisst habe. Er ist 15 Monate alt. „Ich würde schon aufpassen, dass sie sich nicht gegenseitig in den Mund stecken und dass die Nase nicht tropft. Aber eine andere Schaufel in die Hand nehmen, das fände ich noch okay.“ Dann würde sie ihn „spielerisch ablenken“, sagt die Erzieherin. „Ach komm, wir gehen mal schaukeln.“ In der Art.

Auch für Roux ist es das erste Mal Schaukeln seit acht Wochen. In seinem Alter sind die Vorlieben noch nicht verfestigt. „Er fing gerade an damit. Aber wenn er einen Spielplatz sieht, will er auch hin. Also macht man einen geschickten Umweg, dann kommt er nicht in Versuchung.“ Das ist nun nicht mehr notwendig. Nach jedem Einkauf geht es nun auf den Spielplatz.

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