Corona-Überblick

Corona in NRW: Datenerfassung bei elf Kommunen fehlerhaft

Coronavirus: Wie sich Menschen am häufigsten anstecken

Corona hat einen großen Einfluss auf das Leben. Das Wissen über die häufigsten Übertragungswege kann uns den Alltag erleichtern und schützen.

Beschreibung anzeigen

Essen.  Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt weiter. Aus elf NRW-Kommunen wurden die Daten unvollständig übermittelt. Der Corona-Überblick.

  • 100.247 Corona-Fälle (Stand: Freitag, 23. Oktober, 0 Uhr) hat das Robert Koch-Institut (RKI) seit Beginn der Pandemie für NRW registriert, im Vergleich zum Vortag kamen 2740 Neuinfektionen dazu – in ganz Deutschland waren es 11.242 neue Fälle. Für NRW beträgt die Sieben-Tage-Inzidenz inzwischen 74,46.
  • Solingen hat mit 162,6 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen die höchste Sieben-Tage-Inzidenz in NRW (Vortag: 154,5). Darinter liegt Herne mit einer Inzidenz von 131,0 (Vortag 152,8). Auch Gelsenkirchen steigt mit 129,0 weiter an (Vortag 123,6).
  • 283 Covid-19-Patienten in NRW werden (Stand: Freitag, 23. Oktober, 5 Uhr) auf einer Intensivstation behandelt. Am 4. Oktober waren es mit 115 weniger als halb so viele.
  • Neue Risikogebiete in NRW sind seit Freitag etwa der Hochsauerlandkreis (52,7) und der Kreis Siegen-Wittgenstein (57,8).
  • 14 Menschen sind laut RKI am Donnerstag an den Folgen einer Corona-Erkrankung gestorben. In NRW zählt das RKI seit Beginn der Pandemie 1994 Corona-Tote.

In Nordrhein-Westfalen gelten inzwischen rund 80 Prozent der Kreise und großen Städte als Corona-Risikogebiete. Acht Regionen liegen sogar über der Marke von 100 Neuansteckungen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen. Die Stadt Remscheid (115,0) und der Kreis Recklinghausen (105,5) übersprangen nach den Zahlen des Robert Koch-Instituts am Freitag die 100er-Marke.

Das Robert-Koch-Institut meldete am Freitagmorgen 2740 neue Fälle für Nordrhein-Westfalen. Landesweit infizierten sich in den vergangenen sieben Tagen laut RKI 74,46 Menschen pro 100.000 Einwohner mit dem Coronavirus, tags zuvor lag dieser Wert noch bei 70,8. NRW hat somit nach Hessen den zweithöchsten Wert der deutschen Flächenländer. Seit Beginn der Pandemie meldet das RKI in NRW 100.247 Kranke.

Corona-Neuinfektionen: Datenpanne bei Übermittlung

Bei diesen Zahlen, die das RKI bekannt gibt, handelt es sich jedoch nicht um die aktuellsten Werte. So meldete etwa die Stadt Dortmund bereits am Donnerstagnachmittag 3192 Fälle, das RKI weist hingegen noch am Freitag einen Datenstand von 2994 Infizierten aus. Andere Kommunen, unter anderem Duisburg (mehr lesen Sie hier), Herne und der Kreis Wesel (mehr lesen Sie hier)berichten von Problemen bei der Datenübermittlung ans Landeszentrum für Gesundheit (LZG).

So lagen dem LZG am Freitagmorgen (Stand 0 Uhr) beispielsweise für den Kreis Wesel keine Daten vor. Dementsprechend geht das System automatisch von null Neuinfektionen aus, der Inzidenzwert sinkt. Auch die Stadt Duisburg meldet am Freitag eine gestiegene Sieben-Tage-Inzidenz, während das RKI-Dashboard sinkende Zahlen zeigt. Wie eine Stadtsprecherin erläutert, sei der Inzidenzwert weiter deutlich gestiegen, auf etwa 126 Infektionen in den letzten sieben Tagen je 100.000 Einwohner. Mitarbeiter im Duisburger Gesundheitsamt rechneten den genauen Inzidenzwert deshalb erstmal selbst aus.

Fehler in Corona-Zahlen für NRW

Da das Landeszentrum Gesundheit die Zahlen für alle NRW-Kommunen und Kreise an das RKI meldet, verfälscht dies die eigentliche Steigerung der Infektionszahlen und damit die Statistik zumindest zeitlich. Die Gesamtzahl der Neuinfektionen für NRW und damit auch bundesweit könnte höher liegen als bislang gemeldet. Allein aus Dortmund, Duisburg, Herne und der Städteregion Aachen fehlen mehrere Hundert Fälle in der Statistik. Auch die landesweite Zahl der nachgewiesenen Neuinfektionen lag deshalb tatsächlich höher als vom RKI am Freitagmorgen gemeldet.

Eine Sprecherin des Landeszentrums für Gesundheit NRW sprach von einem technischen Problem beim Robert-Koch-Institut. Nach Bekanntwerden des Ausfalls hatte das Landeszentrum für Gesundheit auch Kontakt mit den betroffenen Kommunen aufgenommen, aus denen die Meldungen fehlten.

Fehlende Daten werden nachgepflegt

Das RKI bestätigte später den knapp dreistündigen Ausfall eines Webservers am Donnerstagnachmittag über den die Daten zwischen Gesundheitsämtern, Landesstellen und dem RKI übermittelt werden. "Anschließend hat es wieder funktioniert und es wurde auch noch sehr viel übermittelt", so Susanne Glasmacher, Sprecherin des Robert-Koch-Institutes. Gegen 17.30 Uhr sei der Fehler behoben gewesen und "es wurde auch noch sehr viel übermittelt".

Die fehlenden Daten seien aber nicht verschwunden und würden automatisch im Laufe des Freitags mitübertragen und seien am Samstagmorgen im RKI-Dashboard zu sehen. In NRW waren die Daten aus elf Kommunen nicht übermittelt worden, die Werte am Freitag also fehlerhaft. Wie viele Kommunen bundesweit betroffen waren, ist nicht bekannt. "Wie groß die Datenlücke ist, kann sich dann erst am Samstag zeigen", so die RKI-Sprecherin.

Corona in NRW: Neun Städte und Kreise mit Inzidenz über 100

Schon in den vergangene Tagen hatte sich die Corona-Lage in NRW erheblich zugespitzt: Betrachtet man die NRW-Karte, sind nur noch wenige Flecken zu sehen, die noch unterhalb von 50 Neuinfektionen liegen. Nur zwei Landkreise stechen in der NRW-Übersicht hervor: der Kreis Paderborn mit einer Inzidenz von 20,6 und Minden-Lübbecke (28,0), alle übrigen Städte und Kreise in NRW liegen wenigstens über der 35er-Schwelle.

Neun Städte und Kreise im Land haben die 100er-Marke überschritten - sichtbar als tiefrote Flecken auf der RKI-Karte: Neben Herne, Gelsenkirchen, Duisburg, Solingen, Remscheid, der Städteregion Aachen, Köln und dem Kreis Düren meldet nun auch der Kreis Recklinghausen mehr als 100 Infektionen bei 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen. (Stand Freitag, 0 Uhr).

Hotspot Baesweiler: Corona-Inzidenz klettert weiter auf 328

Der auffälligste NRW-Hotspot ist Baesweiler bei Aachen – mit einer Inzidenz von 328. Weil die Stadt aber Teil der Städteregion Aachen ist, wird die Zahl nicht offiziell aufgeführt. In Baesweiler gelten seit Kurzem harte Einschränkungen, um die Lage in den Griff zu kriegen. Sportplätze und Turnhallen bleiben etwa geschlossen, bei Trauungen oder Beerdigungen dürfen bis zum Jahresende nur noch zehn Menschen zusammenkommen. Die muslimischen Gemeinden haben freiwillig vereinbart, das Freitagsgebet bis 31. Oktober aussetzen zu wollen.

Man habe in allen Kommunen festgestellt, dass viele der privaten Feiern ihren Ursprung in religiösen Anlässen wie Hochzeiten, Taufen, Kinderkommunionen und Gottesdiensten beziehungsweise Gebeten gehabt hätten - davon seien alle Religionen betroffen gewesen, erklärte Gesundheitsdezernent Michael Ziemons von der Städteregion Aachen. Die Hygienekonzepte in den Moscheen seien „hervorragend“ und es habe keinerlei Beanstandungen gegeben. „Daher ist der freiwillige Verzicht auf die Gebete sehr hilfreich, wichtig und absolut vorbildlich.“

[Hier können Sie sich für unseren täglichen Corona-Newsletter anmelden]

Corona in NRW: Mehr Covid-19-Patienten auf Intensivstation

Die Zahl der Corona-Patienten in den NRW-Krankenhäusern steigt ebenfalls stark an. Nach Zahlen der Landesregierung vom Freitag werden aktuell rund 1420 Patienten mit Covid-19 stationär behandelt - vor einer Woche waren es noch 950, vor einem Monat rund 320. 275 Patienten lägen aktuell auf der Intensivstation, 148 von ihnen müssten beatmet werden.

Die Kliniken sind den Angaben zufolge allerdings noch weit entfernt von ihrer Kapazitätsgrenze. Aktuell gebe es rund 5640 Intensivbetten, in denen die Patienten auch beatmet werden könnten, 1320 davon seien im Moment nicht belegt. Beim bisherigen Höhepunkt der Pandemie Mitte April waren in den NRW-Krankenhäusern mehr als 2100 Corona-Patienten gleichzeitig behandelt worden, knapp 600 mussten in der Spitze beatmet werden.

Gegen Corona: Maskenpflicht in Innenstädten

In vielen Städten gilt jetzt eine Maskenpflicht in Innenstädten und Fußgängerzonen. Dazu zählen zum Beispiel Bochum (mehr dazu hier), Duisburg (mehr dazu hier), Mülheim (mehr dazu hier), Gelsenkirchen (mehr dazu hier), Moers (mehr dazu hier), Witten (mehr dazu hier), Bottrop (mehr dazu hier), Wuppertal und Schwelm .

Seit Samstag (17. Oktober) gelten in NRW einheitliche Regeln für Risikoregionen mit mehr als 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche:

  • Ab 23 Uhr bis 6 Uhr gilt in der Gastronomie eine Sperrstunde.
  • Auch der Verkauf von alkoholischen Getränken ist in dieser Zeit untersagt.
  • Feste aus herausragendem Anlass sind auf zehn Personen beschränkt.
  • Veranstaltungen sind - innen und außen - auf maximal 100 Personen beschränkt. Veranstaltungen sind allerdings bis zu maximal 250 Personen möglich, wenn die zuständige Gesundheitsbehörde ein vorgelegtes Hygienekonzept akzeptiert.
  • Zudem dürfen nur noch 5 Personen oder maximal zwei Hausstände in der Öffentlichkeit zusammenkommen.
  • Hier gibt es die Corona-Regeln für NRW in der Übersicht.

Nur noch neun Regionen in NRW unter der Vorwarnstufe 35

Es gibt nur noch neun Regionen im Land, die unter der Vorwarnstufe von 35 liegen, darunter der Kreis Soest (30,5) und Münster (32,4).

Bereits zu Beginn der Woche hatte die Bundesregierung zugesichert, dass die Bundeswehr und das Robert-Koch-Institut ab einem Inzidenzwert von 35 ihre Experten in Corona-Hotspots schicken. Das ist seit Dienstag etwa in Herne der Fall (mehr dazu hier).

Gastronomen wollen NRW-weite Sperrstunde kippen

Mehrere Wirte wollen, zum Teil auch unterstützt vom Branchenverband Dehoga, vor dem Oberverwaltungsgericht Münster die NRW-weite Sperrstunde in besonders von Corona betroffenen Regionen kippen.

Das Oberverwaltungsgericht Münster bestätigte am Dienstag den Eingang von zwei Eilanträgen gegen die Sperrstunde: Demnach stammt ein Eilantrag von einem Gastwirt aus Bochum. (>>> Lesen Sie hier mehr zu dessen Beweggründen) Hinter dem zweiten Eilantrag steckt demnach ein Zusammenschluss von 18 Wirten aus Köln, Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis.

+++ Aktuelle Fallzahlen aus Ihrer Stadt, neue Verordnungen, neue Erkenntnisse der Impfstoff-Forschung: Das Corona-Update hält Sie auf dem Laufenden. Hier kostenlos für den Newsletter anmelden! +++

Corona-Patienten aus Niederlanden kommen nach NRW

Nordrhein-Westfalen will seine Grenzen zu den Nachbarländern trotz der Corona-Pandemie weiterhin offen halten. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) wirbt stattdessen für gemeinsamen Gesundheitsschutz.

Massiv steigende Corona-Zahlen überfordern unterdessen die Krankenhäuser in den Niederlanden: Erste Intensivpatienten sollen am Freitag nach Deutschland kommen. Bereits vor zwei Wochen hatte das Nachbarland in Nordrhein-Westfalen um Hilfe gerufen.

Leserkommentare (105) Kommentar schreiben