Rückkehr nach Deutschland

Corona: 18-Jährige aus Bottrop sitzt in Australien fest

Nils Richterich am Flughafen von Maskat im Oman. Aus Delhi flog er gemeinsam mit Sophie und Vivien (v.l.) aus Sachsen über London nach Dortmund.

Nils Richterich am Flughafen von Maskat im Oman. Aus Delhi flog er gemeinsam mit Sophie und Vivien (v.l.) aus Sachsen über London nach Dortmund.

Foto: privat

Bottrop.  Eine Familie aus Bottrop musste wegen Corona gleich drei Kinder aus drei Ländern heimholen. Aber Nele (18), die Jüngste, sitzt in Australien fest.

So weit fort waren sie noch nie, die drei Kinder von Stephanie Richterich aus Bottrop. Und dann alle gleichzeitig! Und dann jetzt, in Zeiten von Corona: Niklas, 21, kam gerade noch aus Portugal zurück, das war noch nah und auch relativ einfach. Nils, 25, schaffte es nach tagelanger Odyssee aus Indien nach Hause. Nur Nele, mit 18 die Jüngste, sitzt in Australien fest. Und niemand weiß, wie lange noch.

Es gab da diesen einen Flug, erstmal raus aus Down Under, wo es neuerdings fast nur noch Inlandsflüge gibt: 8000 Dollar, irgendwann in den nächsten Tagen, vielleicht. „Aber man hat keine Sicherheit“, sagt Stephanie Richterich. Und Nele ist jetzt erstmal sicher. Seit Dienstag in einem winzigen Appartement in Perth, Australien. Weg aus dem Hotelzimmerchen, weg vom Flughafen, wo sie nur wartete und Angst hatte sich anzustecken. Die 18-Jährige hat sich einen Zeichenblock gekauft, sie will jetzt malen. Zwei Wochen kann sie hier bleiben, in freiwilliger Quarantäne, die Familie in Bottrop ist „erst einmal froh“.

Nele Richterich wollte in Australien arbeiten und reisen

Die erste große Reise, dieses aufregende Jahr für Nele, die im vergangenen Jahr ihr Abitur gemacht hat, stand unter keinem guten Stern. „Work and travel“ wollte sie machen in Australien, ein Jahr lang reisen und dafür arbeiten, wie es so viele junge Leute machen, aber dann brannte der Wald, und als es endlich regnete, kam Corona. Schwierig, Geld zu verdienen auf dem Kontinent, der schon durch das Feuer so unter Druck war. 2000 Infizierte zählte Australien am Montag, die Grenzen sind dicht.

Bruder Nils hingegen hat es geschafft. Sie haben ihn nicht umarmt, als er aus dem Flugzeug stieg in Dortmund, niemand hat dort jemanden in den Arm genommen. „Schön, dass du da bist“, sagten sich die Menschen am Gate aus sicherem Abstand, erzählt Stephanie Richterich – und waren doch so erleichtert. Dieser letzte Flug auf Nils’ Reise war im letzten Moment eigentlich auch noch abgesagt worden, aber dann ging er doch. Er kann sie nicht mehr zählen, die Flugzeuge, in die er einsteigen wollte in der vergangenen Woche, die dann doch nicht starteten, mit anderen Passagieren oder die es gar nicht gab. Der ersehnte Weg nach Hause führte letztlich über den Oman und London nach Hause.

Gasthäuser setzten Reisende vor die Tür

Der Student wollte vor Antritt seines ersten Jobs in Frankfurt endlich dieses Indien kennenlernen, das ihn schon so lange fasziniert. „Dort war Corona ziemlich lange kein Thema“, sagt der 25-Jährige, die Menschen feierten am 9. März noch ausgelassen das farbenfrohe Holi-Festival, doch danach „wurde die Stimmung immer schlechter“. Geschäfte schlossen, Grenzen auch, aus Gasthäusern wurden die jungen Reisenden „rausgeschmissen“, die Leute legten Atemschutzmasken an und tuschelten: „Ein Europäer!“

Zeit zu gehen, entschied Nils, aber da waren die Wege schon versperrt. Flüge wurden gecancelt, neue veränderten ihr Ziel, waren buchbar, aber nicht zu bestätigen. Die letzten zwei Tage in Indien ist Nils, der Soziologe, viel gereist, hat wenig geschlafen und Stunden am Flughafen verbracht, derweil sein Onkel in Essen via Facebook alle Hebel in Bewegung setzte, seinem Neffen zu helfen. Der Flug über Oman hat Nils am Ende ein paar Hundert Dollar extra gekostet, andere, die er kennenlernte in ihrer aller Not, zahlten Tausende und sind immer noch nicht daheim.

Nächste Woche ist Neles Geburtstag

„Sonst waren meine Kinder noch nie aus Europa raus“, seufzt Mutter Stephanie in Bottrop. „Pass schön auf!“, wie oft hatte sie das zu Nele gesagt, sie dachte an Discos und ahnte doch nichts von Corona. Nun, da Nils und Niklas zuhause sind und Nele und ihre Freundin am anderen Ende der Welt in ihrem Appartement, kann sie nur noch „Mut zusprechen und Kontakt halten“. Und hoffen, dass die Tochter doch noch abgeholt wird. „Sie müssen allein klarkommen“, sie können das auch, „sie haben schon so viel gelernt“, weiß die Mutter. Aber in der Krise, „da möchte man zuhause sein“.

Nächste Woche hat Nele Geburtstag. Sie wird 19. „Wer weiß“, sagt Stephanie Richterich, „wo sie den feiert.“

UPDATE Freitag, 27. März: Nele Richterich ist am Donnerstagabend zuhause in Bottrop eingetroffen. Die australischen Behörden hatten zuletzt Druck gemacht. Ein neues Flugangebot für Nele (18) und ihre Freundin hätte 18.000 Dollar gekostet, letztlich gelang die Rückreise über Katar für 1700 Euro pro Person. Damit sind alle drei Kinder der Familie heil wieder daheim.

>>INFO: NOCH MEHR REISENDE KÖNNEN NICHT NACH HAUSE

Einen Tag vor der vorübergehenden Schließung des einzigen Flughafens im westafrikanischen Gambia ist eine 16-köpfige Reisegruppe aus Bochum und Bottrop zurück nach Deutschland gebracht worden. Die Mitglieder zweier Hilfsvereine seien am Montag von einer Condor-Maschine ausgeflogen worden, heißt es aus dem Bekanntenkreis der Reisenden. Grund der Reise war das 40-jährige Bestehen eines Kindergartens, der mittels Patenschaften von den Vereinen finanziert wird.

In Nepal sitzt weiterhin eine zehnköpfige Reisegruppe mit Teilnehmern aus NRW, unter anderem aus Dortmund fest. Noch können die Touristen in ihrem Gästehaus bleiben, sie werden dort auch versorgt. Nepal hat aber eine Ausgangssperre verhängt, die meisten Restaurants und Geschäfte sind geschlossen. Flüge ins Ausland gehen kaum mehr.

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