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Caravan-Salon eröffnet: E-Mobilität kommt bei Wohnmobilen an

2100 Fahrzeuge stehen auf der Messe.

Foto: Fabian Strauch

2100 Fahrzeuge stehen auf der Messe. Foto: Fabian Strauch

Düsseldorf.   Diesel ist für die Branche weiterhin das letzte Wort. Aber es gibt langsam Veränderungen. Und nicht jedes Mobil ist geeignet für einen E-Motor.

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Für ein Wohnmobil ist eine Reichweite von 200 Kilometern eher mutig. Tatsächlich steht da aber so eines, es heißt „Dethleffs e.home“, und damit ist die Nachricht auch schon aus dem Sack: Es ist „das erste voll elektrisch betriebene Wohnmobil“, sagt Marketing-Chef Helge Vester chronisch begeistert.

Heizen, kühlen, kochen, fahren – alles mit Strom. Nie mehr Gasflaschen schleppen. Freilich ist das Fahrzeug kaum mehr als eine Studie auf Rädern und noch Jahre entfernt von der Marktreife.

„Wer weiß, wie weit wir in einem Jahr sind“

„Wir haben daran zwei Jahre entwickelt und nie gedacht, in diesen Hype zu geraten“, sagt Vester: „Wer weiß, wie weit wir in einem Jahr sind.“ Vor lauter Solarzellen ist das e.home auch noch schwarz. Geht eigentlich nicht unter Wohnmobilen. Man möchte ja drinnen nicht so schwitzen.

In der Messe Düsseldorf ist der „Caravan-Salon“ also wieder geöffnet. Freitag für Fachleute und Medien, vom heutigen Samstag an für alle. Und er wirft mit den üblichen Superlativen um sich: 13 Hallen, 600 Aussteller, 130 Marken, 2100 Fahrzeuge – natürlich „so groß wie nie zuvor“.

Ein Heim, das sich dreht

Hinzu kommen noch 60- bis 70 000 Übernachtungen allein von den Besuchern, die mit dem eigenem Bett im Schlepptau anreisen.

In der Branche, in der Diesel das letzte Wort ist, ist das Thema E-Mobilität und Umwelt angekommen. Man tastet sich voran. Mit dem „Ultra-Leichtbaucaravan“ („Auch von E-Autos zu ziehen“) oder mit dem „sCarabane“ aus Frankreich, einem echten Hingucker.

Es nutzt Wind- und Sonnenergie, kann von 2,50 Metern auf sieben Meter ausgeklappt werden – und dreht sich, wenn man das will, mit der Sonne, um ihre Kraft bestmöglich zu tanken. Doch auch hier: „We are not ready to sell it“, sagt der Ingenieur Clément Chassaing – es kann noch nicht verkauft werden.

Branche mit eingebauter Zwickmühle

Am Freitag ist es noch angenehm leer. Fachbesucher schlendern umher, der Zoll wirft einen Blick auf die Wagen, an den Ständen legen Männer letzte Hand an, liegen wie richtige Schrauber unter den Caravanen.

Oben hängen schon Reklamebänder, „Ein Freund der Familie“ steht da oder „So schön wie Zuhause“ oder „Wohnfühlen“. Eigentlich erzählen sie aber von der eingebauten Zwickmühle der ganzen Branche: als Fahrzeug möglichst klein zu sein, jedoch als Unterkunft möglichst groß.

Die Dickhäuter unter den Wohnmobilen

In Halle 14 gilt das aber nicht. Hier sind die Fahrzeuge größer, die Leute leiser, die Teppiche dicker. Hier stehen die Dickhäuter unter den Wohnmobilen, Preis nach oben offen. Wie’s Gescherr, so der Herr: „Wenn unsere Kunden aus dem Urlaub kommen, dann schlafen sie nochmal im Fahrzeug und gehen morgens ins Haus“, sagt Frank Mix breitbeinig.

Mix ist Geschäftsführer der „Variomobil Fahrzeugbau“, die gut davon leben kann, dass sie 15 Fahrzeuge im Jahr baut. Lieferzeit 18 Monate. Etwa für dieses auf der Basis eines Mercedes-Lasters: Zwölf Meter ist es lang, 26 Tonnen schwer, 530 PS, eingebaute Garage, Edelholz, Edelstahl, Türspion . . .

Ziele, Zelte,Zubehör

„Für jede Familienkonstellation das richtige Auto“, sagt Mix. Indes nicht für jede Portmoneekonstellation. 1,1 Millionen Euro Kaufpreis. 25 Liter auf 100 Kilometer. Herr Mix, spielt E-Mobilität auch bei Ihnen eine Rolle? „Sicher. Die Leute laden doch ihre E-Räder ein“, sagt er.

Millionärs Mobilheim ist das eine Ende, der Anhänger, in den man eine Matratze werfen kann, das andere. Manche Caravans sehen aus, als seien sie den 50er-Jahren entsprungen. Andere sind wie Schiffe auf Rädern: „Land Yachting“.

Dazu gibt’s: Ziele, Zelte, Zubehör. Der letzte Blick fällt auf Niklas Moser, der gerade demonstriert, wie man ein „Air-in-Zelt“ mühelos aufstellt, indem man es aufpumpt. „Kinderleicht!“ Der Satz aus den Presseunterlagen kann dennoch als übertrieben gelten: „Bei 2,2 Metern am höchsten Punkt kommt fast schon Altbau-Feeling auf.“

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