Weltkulturerbe

Brieftaube wird kein Kulturerbe - Züchter sind enttäuscht

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Die Brieftaube – hier ein Schlag in Gelsenkirchen – kommt nicht auf die bundesweite Liste des Weltkulturerbes.

Die Brieftaube – hier ein Schlag in Gelsenkirchen – kommt nicht auf die bundesweite Liste des Weltkulturerbes.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Bonn/Ruhrgebiet.   Die Kultusminister nehmen das deutsche Brieftaubenwesen nicht in die bundesweite Liste des Unesco-Weltkulturerbes auf. Züchter sind enttäuscht.

Die Brieftaube ist kein deutsches Weltkulturerbe. Die Kultusministerkonferenz hat entschieden, das Brieftaubenwesen nicht in die bundesweite Liste des Immateriellen Weltkulturerbes der Unesco aufzunehmen. Das gab die Deutsche Unesco-Kommission am Morgen bekannt.

Auf der Liste der 18 verabschiedeten Neuaufnahmen stehen zwar der „Bürgersöhne-Aufzug zu Lingen“ und die „Wiesenbewässerung in den Queichwiesen zwischen Landau und Germersheim“, nicht aber die deutschen Brieftauben. Der Verband der Deutschen Brieftaubenzüchter mit Sitz in Essen reagierte enttäuscht: „Wir sind total traurig“, sagte Sprecherin Elena Finke. Das Brieftaubenwesen“, erklärte Verbandspräsident Richard Groß, sei „eine gelebte Tradition, welche Natur und Zivilisation seit Jahrhunderten verbindet und uns Menschen bereits große Dienste erwiesen hat“.

Tierschützer protestieren gegen Tradition

Tierschützer sehen das anders. Bereits Ende August hatten Deutscher Tierschutzverband und Landestierschutzverband in einem Brief dringend davor gewarnt, die Brieftauben-Zucht zum Weltkulturerbe zu machen. Bei der „sogenannten Tradition“, schrieben sie an die Deutsche Unesco-Kommission, würden jedes Jahr Hunderttausende Vögel „ausgebeutet, verletzt oder sogar getötet“. Zu viele Tauben würden die Preisflüge nicht gesund überstehen oder erschöpft in Tierheimen landen. Viele müssten gar sterben, wenn sie nicht genug Leistung brächten, heißt es in dem Schreiben. Den Züchtern selbst warfen die Tierschützer rechtswidriges Handeln vor, sie würden die Tiere „tierschutzwidrig überfordern“. Eine Anerkennung als Kulturerbe sei vor diesem Hintergrund „inakzeptabel“.

Der Züchterverband wehrte sich und wies die Vorwürfe als „haltlos“ zurück. Der Tierschutz spiele im Brieftaubenwesen eine „zentrale Rolle“. Dass die Kontroverse allerdings in der Bewerbung keine Rolle gespielt habe, nannte die Kultusministerkonferenz offenbar als einen Grund dafür, die Brieftauben nicht in die neue, nun 115 Traditionen lange bundesweite Liste aufzunehmen. Das Verzeichnis, lobte Helmut Holter, Präsident der Kulturministerkonferenz aus Thüringen, zeige „den kulturellen Reichtum in Deutschland“. Kulturstaatsministerin Monika Grütters erklärte: „Die Neueinträge machen deutlich, auf welch unterschiedliche Art und Weise das Immaterielle Kulturerbe in Deutschland verankert ist und unsere kulturelle Identität mit prägt.“ Die Teilnahme am Verfahren gebe auch Anlass zur Selbstvergewisserung.

Auch deshalb war die Überraschung in Essen besonders groß. „Das primäre Ziel unseres Hobbys“, sagte Präsident Groß, „ist es, das jahrtausendalte Wissen über die Brieftauben zu erhalten und weiterzugeben und somit diesen einzigartigen Wesen eine lange Zukunft zu geben.“ Das Brieftaubenwesen, das unter Mitgliederschwund leidet, war erst im Frühsommer auf die NRW-Landesliste der Unesco gekommen. Eine erneute Bewerbung ist in zwei Jahren möglich.

>>INFO: ZAHL DER TAUBENZÜCHTER GEHT ZURÜCK

Derzeit sind noch 30.000 Brieftauben-Züchter in 6000 Vereinen unter dem Dach des Verbands Deutscher Brieftaubenzüchter aktiv. Ihre Zahl geht jedes Jahr um knappe 1000 zurück.

Alle Züchter haben gemeinsam noch rund 1,7 Millionen Tiere. 2012 waren es noch 2,5 Millionen.

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