Prozess

Biederes Pärchen erregte Sex mit zehnjähriger Stieftochter

Der Bottroper (l.) und seine Geliebte aus Recklinghausen stehen vor Gericht, weil sie den Missbrauch seiner Stieftochter planten.

Der Bottroper (l.) und seine Geliebte aus Recklinghausen stehen vor Gericht, weil sie den Missbrauch seiner Stieftochter planten.

Foto: Olaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

Essen. / Bottrop.  Der Bottroper missbrauchte seine Stieftochter, plante mit seiner Geliebten weitere Taten. Jetzt steht das Pärchen vor Gericht.

Sie bedauern es beide. Aber was soll das biedere Pärchen aus Bottrop und Recklinghausen auch sonst sagen vor dem Essener Landgericht? In üblen und mit widerwärtiger Phantasie gefüllten Dialogen in Internetchats haben sie sich beide am Missbrauch der zehnjährigen Stieftochter des 39 Jahre alten Bottropers erregt. Er hat das Kind nach eigenen Worten auch tatsächlich sexuell missbraucht. Vor der XXI. Essener Strafkammer legen sie am Freitag ein Geständnis ab.

Familienvater ist der Angeklagte, hat Kinder aus der ersten Ehe und dann eben die Stieftochter aus der zweiten. Auch seine Geliebte, eine recht stämmige 48 Jahre alte Frau aus Recklinghausen, hat eigene Kinder und einen Mann. Beide sind von ihren Familien getrennt, weil sie seit Mai in Untersuchungshaft sitzen.

Angeklagter will den Missbrauch nicht erklären können

Die Anklage wirft dem Bottroper vor, seine Stieftochter von 2017 bis Mai 2020 missbraucht und immer wieder in pornographischen Posen gefilmt zu haben. Die Aufnahmen stellte er in einschlägige Foren des Internets. Über seine Verteidigerin Jenny Lederer räumt er ein, was die Anklage ihm vorwirft, entschuldigt sich mehrfach dafür. Warum er das getan hat? Jenny Lederer: "Er kann es sich nicht erklären, wie es dazu kam."

Gegenüber den weiteren Taten begann es relativ harmlos im März 2017. Da versprach er der zehn Jahre alten Stieftochter, ihre Handykarte aufzuladen, wenn er sie im Gegenzug fotografieren dürfe. Am nächsten Tag kam er mit der Kamera, als sie in der Badewanne lag. Das war der Anfang des Missbrauchs , und es wurde fortan immer schlimmer.

Gewaltphantasien im Internet

Irgendwann kam die Geliebte dazu, allerdings nur virtuell. Das Pärchen hatte sich ohne Wissen der jeweiligen Ehepartner im Internet über "knuddels" kennengelernt . Schnell endeckten die beiden ihre gemeinsamen Vorlieben. Im Internet trieben sie ihre Sex- und Gewaltphantasien auf immer neue Höhepunkte.

Konkret planten sie den gemeinsamen Missbrauch seiner Stieftochter, malten sich aus, was sie mit dem Kind anstellen könnten. Erzählten sich, was an der Gewalt gegenüber dem Kind sie besonders erregte. Es lässt schaudern. Tatsächlich kam es wohl nie zum Vollzug. Einmal hatte die Angeklagte geschrieben, sie habe ja das Bett im Kinderzimmer des Mädchens getestet, um zu prüfen, ob es geeignet sei für den Missbrauch. Aber das stimme nicht, sagt die ebenfalls geständige Frau. Sie sei nie im Kinderzimmer gewesen, habe diese Episode nur erfunden.

Ehefrau entdeckte den Missbrauch

Die kriminelle Sex-Allianz flog auf, weil der Bottroper vergessen hatte, dass sein Handy noch mit dem des Sohnes verknüpft war. So erfuhr seine Ehefrau von den kinderpornographischen Aufnahmen und zeigte ihn an.

Gewusst hatte sie von dem Missbrauch schon ein Jahr zuvor. Da hatte sie ein Foto entdeckt, dass ihn beim direkten Missbrauch mit der Tochter zeigt. Damals habe er aber hoch und heilig versprochen, das werde nicht noch einmal geschehen, hieß es im Ermittlungsverfahren.

Kinder gefesselt nach S-M-Art

Hunderte Fotos und Videos in seinem Besitz zeigen, wie wenig Abstand er von der pädophilen Welt besaß. Aufnahmen der Stieftochter sind darunter, aber auch von fremden Kindern. Gefesselt sind sie wie in Sado-Maso-Szenen Erwachsener, Tiere sind dabei. Es ist erschreckend. Und jedes Bild lichtet den tatsächlichen Missbrauch eines Kindes ab.

Reumütig zeigt der Bottroper sich vor Gericht. 2018 hatte er sich auch mal in Therapie begeben. Nach außen hat er in der Vergangenheit immer als verantwortungsvoller Mann gegolten. Den Hauptschulabschluss hat er gemacht, danach in metallverarbeitenden Betrieben gearbeitet. Zum Schluss hatte er es zum Betriebsratsvorsitzenden gebracht. In seiner Freizeit war er im Vorstand eines Fördervereins innerhalb der katholischen Kirche.

Seine Mitangeklagte beruft sich darauf, durch die Aufnahmen und Chats selbst nicht erregt gewesen zu sein. Sie sei dem Bottroper sexuell hörig gewesen, habe das alles nur getan, um ihm zu gefallen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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