Gamescom 2018

Bei der Gamescom ist Geduld gefragt

Versunken im Spiel: 350 000 Besucher werden auf der Kölner Gamescom in den nächsten Tagen voraussichtlich abtauchen.

Versunken im Spiel: 350 000 Besucher werden auf der Kölner Gamescom in den nächsten Tagen voraussichtlich abtauchen.

Foto: Lars Heidrich

Köln.   Auf der weltgrößten Video- und Computerspielmesse werden bis Sonntag mehr als 350 000 Besucher erwartet. Wer neue Spiele testen will, muss warten

Noch jung ist der Tag, da ziehen in Köln schon die ersten Ritter in voller Rüstung durch die Gegend. Und zwei Aliens packen ihre Frühstücksbrote aus. Was nur heißen kann: Es ist Karneval oder die Gamescom hat begonnen. Und weil die Narren nur selten bei 25 Grad schunkeln, kann es eigentlich nur die weltgrößte Video- und Computerspielmesse sein.

Kostenlose Spiele aus dem Internet werden immer beliebter

Einen Tag früher als bisher beginnt sie und hat mit rund 1000 mehr Aussteller als je zuvor. Gestern Morgen kann man noch schnellen Schrittes durch die breiten Gänge gehen, kann stehenbleiben, wann man will, und auch nach eigenem Gutdünken die Laufrichtung ändern. Mit anderen Worten: Es ist recht leer auf der Messe, denn es ist – zumindest bis mittags – Fachbesuchertag. Von heute an bis Samstag wird das anders sein, werden sich die erwarteten 350 000 Besucher schwitzend durch die Hallen schieben, in denen es so voll ist, dass man kaum umkippen kann. Oder sie werden schweigend auf mitgebrachten Campingstühlen in der Schlange sitzen, um irgendwann ein paar Minuten zu einem Probespiel hinein zu dürfen.

„Ab hier noch neun Stunden“ steht auf einem Schild, das im Wartebereich eines virtuellen Fußballspiels auf seinen Einsatz wartet. Und ein paar Stände weiter haben sie vorsorglich schon ein „Anstellen zwecklos“-Plakat anfertigen lassen. „Das ist frech“, finden Marco (24) und Oliver (25). Die Umstehenden nicken, gehen aber nicht raus aus der Schlange. „Im Freizeitpark stehe ich ja auch Stunden vor der neuen Achterbahn“, sagt Peter Werter (36).

Wiedersehen mit alten Bekannten

Die Geduld ist beeindruckend. Zum einen, weil mit dem Western- Abenteuer „Red Dead Redemption 2“ und dem Endzeit-Epos „The Last Of Us 2“ die beiden am sehnlichsten erwarteten Spieletitel der kommenden Monate nicht zu sehen sind. Und anders als in den Vorjahren, als mindestens einer der Branchenriesen eine neue Konsole präsentierte, gibt es in diesem Jahr auch keine neue Hardware. Dafür aber ein Wiedersehen mit alten Bekannten.

Lara Croft erlebt in „Shadow Of The Tomb Raider“ neue Abenteuer, die Fußballsimulation läutet mit Jahreszahl 19 eine neue Saison ein und Spiderman, für den Sony eine ganze Häuserfassade am Stand aufgebaut hat, schwingt sich auch nicht zum ersten Mal durch die Luft. Natürlich gibt es bessere Grafiken, neue Features oder größere Karten – die ursprüngliche Spielidee aber ist stets die alte geblieben. „Das ist wie bei Kinofilmen“, findet Laura (22). „Nur dass so ein Spiel teurer ist.“

Tanzwettbewerbeund Online-Meisterschaften

Viele Spieler wechseln auch deshalb zu sogenannten Free-To-Play-Games, also Spielen, die man in der Basisversion kostenlos aus dem Internet ziehen kann und die damit Geld verdienen, dass sie die Kunden dazu bringen, bei ihren Online-Kämpfen in der virtuellen Welt echtes Geld auszugeben – für bessere Ausrüstung oder stärkere Waffen etwa. Das vor einem Jahr erschienene Online-Abenteuerspiel „Fortnite“ haben weltweit mittlerweile 125 Millionen Menschen auf Rechner oder Konsole heruntergeladen – und seitdem für rund 1,2 Milliarden echte Dollar in dem künstlichen Universum eingekauft. Logisch, dass die Hersteller auf der Gamescom gleich Standfläche in Fußballfeldgröße gebucht haben – unter anderem, um die Fans über einen echten Hindernisparcours zu scheuchen.

Überhaupt ist die Gamescom im Publikumsbereich mehr Event als Messe. Als Fabelwesen verkleidete Menschen, die „Cosplayer“, wählen ihre Schönsten, Online-Spieler in den unterschiedlichsten Disziplinen ihre Meister. Es gibt Gewinnspiele und Tanzwettbewerbe. „Game-Of-Thrones“-Fans können sich auf dem Eisernen Thron von „Westeros“ fotografieren lassen, der für „das Spiel zur Serie“ wirbt, eine Halle weiter darf man sich im Oval Office ablichten lassen. Mit zwei martialischen Leibwächtern an seiner Seite, aber zum Glück ohne Trump-Double in der Nähe. „Mit dem“, sagt Hassan (21), „hätte ich mich auch nicht für ein Foto zusammengestellt.“

>> NUR NOCH RESTKARTEN FÜR MITTWOCH UND DONNERSTAG

Im Vorverkauf sind Eintrittskarten für die Games­com nur noch für heute und Donnerstag erhältlich (15,50 Euro für Erwachsene/ 9,50 Euro ermäßigt).

Der Einlass ist abhängig vom Besucherstrom, sprich von den Austritten vom Gelände. Es kann zu Wartezeiten kommen. Freitag und Samstag sind ausverkauft.

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