Drei Könige

XXL-Ausgrabungen kosten Stadt Witten über 200.000 Euro

Altes Hüttenwerk ausgegraben: Klaus Hamann von der zuständigen Tiefbaufirma begutachtet die Gemäuer.

Altes Hüttenwerk ausgegraben: Klaus Hamann von der zuständigen Tiefbaufirma begutachtet die Gemäuer.

Foto: Jürgen Theobald

Witten.   Die historischen Ausgrabungen auf der künftigen Gewerbefläche Drei Könige kosten Witten eine ganze Menge Geld. Und das sind erst Schätzungen.

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Der unerwartete archäologische Fund auf der künftigen Gewerbefläche Drei Könige in Witten hat seinen Preis. Die Stadt schätzt die Ausgrabungsosten aktuell auf 150.000 bis 200 000 Euro.

Hinzu kommen 50.000 Euro für den Gutachter. Noch bewege man sich aber im kalkulierten Gesamtkostenrahmen von drei Millionen, heißt es. Zwei Millionen Euro entfallen auf den Straßenbau, eine Million auf Bodenarbeiten. Letztere schlagen zur Stunde mit „970.000 bis knapp über 1 Mio“ zu Buche.

Mit archäologischen Ausgrabungen hatten die städtischen Projektbeteiligten bei den Erdarbeiten für die neue Gewerbefläche Drei Könige nicht gerechnet. Entdeckt wurden die Steinhauser und Bessemer Hütte aus dem 19. Jahrhundert, die man längst abgerissen glaubte.

„Bedeutendes Zeugnis der frühindustriellen Geschichte“

Nach den Kriterien des Denkmalschutzgesetzes hat es Witten mit einem „ortsfesten Bodendenkmal“ zu tun. Die Stadt spricht von einem „bedeutenden Zeugnis der frühindustriellen Geschichte Wittens“. Die wegen Einsturzgefahr nicht begehbare Grabungsstätte steht jetzt für sechs Monate unter vorläufigem Denkmalschutz. Das Gesetz verpflichtet die Stadt, die Anlage zu dokumentieren. 15 Archäologen des Landschaftsverband Westfalen Lippe begleiten das Projekt.

Parallel hat die Untere Denkmalbehörde, angesiedelt beim Planungsamt, mit dem Stadtarchiv alle historischen Pläne ausgehoben und digitalisiert. „Witten ist nicht nur die Wiege des Bergbaus im Ruhrgebiet, sondern nimmt auch in der Eisen- und Stahlverarbeitung von der frühen Zeit der Industrialisierung bis heute eine bedeutende Position ein“, sagt der städtische Denkmalpfleger Florian Schrader.

Historie und Nutzungsinteressen „kein Widerspruch“

„Historische Gewinne“ und Nutzungsinteressen stehen nach Darstellung der Stadt auf Drei Könige letztlich in keinem Widerspruch. Sie spricht von einem Nacheinander. „Erst erfolgt die Archäologie, damit dann das Grundstück verwertet werden kann.“ Will heißen: Wenn die Dokumentation erfolgt ist, können die brüchigen Mauern eingerissen werden.

Bodenmanagerin Anja Reinke will gar nicht daran denken, dass man die Hütten nicht gefunden, sondern das Gelände so bebaut hätte und später vielleicht Teile eingestürzt wären. Denn erst zwei Tagesbrüche hatten die Experten auf den Plan gerufen.

>>> INFO: Stadt erinnert an späteren Wert durch Firmenansiedlungen

  • Dass der mögliche Erlös aus dem Grundstücksverkauf auf Drei Könige mit jedem weiteren Euro an zusätzlichen Grabungskosten geringer werde und man eventuell mehr zahle als einnehme, habe derzeit niemand in der Hand, so die Stadtverwaltung.

  • Gleichzeitig erinnert sie daran, dass ein großer Wert der Fläche in ihrer späteren Nutzung liege, wenn sich dort Firmen ansiedeln.

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