Trendsport

Stand Up Paddling ist wie Radfahren auf dem Wasser

Klingt alles ganz leicht, erfordert aber Übung: Volontär Dominik Loth beim Stand-Up-Paddling-Selbstversuch auf dem Essener Baldeneysee. Tatsächlich lässt sich der Sport relativ schnell erlernen.

Klingt alles ganz leicht, erfordert aber Übung: Volontär Dominik Loth beim Stand-Up-Paddling-Selbstversuch auf dem Essener Baldeneysee. Tatsächlich lässt sich der Sport relativ schnell erlernen.

Foto: Volker Hartmann

Essen.  Der Trendsport begeistert immer mehr Menschen. Aber warum ist Paddeln im Stehen so beliebt? Wir haben es auf dem Baldeneysee ausprobiert.

Zwei Schläge links, zwei rechts, und das Brett unter meinen Füßen schiebt sich über den Essener Baldeneysee. Verhaltener Applaus der Wellen, die gegen den Rumpf schlagen. „Na, das klappt ja schon wunderbar“, ruft mir Fabian Behrendt aufmunternd zu. Schnell bin ich nicht, aber es ist ja das erste Mal, das ich im Stehen paddele. Hier am See sagen sie dazu Stand Up Paddling (SUP). Und das ist der Trendsport auf dem Wasser schlechthin.

Mit dem Auto an die Küste Hollands fahren und Surfen gehen? Nicht beim Stand Up Paddling. Einen mehrwöchigen Kurs mit anschließender Prüfung? Fehlanzeige. Was man braucht? Eigentlich nur eine Badehose und ein Handtuch, ein Zugticket vom Hauptbahnhof zur S-Bahn-Station Essen-Hügel und natürlich ei­nen Lehrer, der die „Basics“ vermittelt.

Bojen markieren die Schifffahrtsstraße

„Was siehst du auf dem See?“, fragt mich der 28-jährige Fabian Behrendt, als wir in Neoprenanzügen am Baldeneysee stehen. Endlose Weiten, die pittoreske Landschaft, Wildgänse. Alles Unsinn. „Du siehst Bojen, die die Schifffahrtsstraße markieren. Darin dürfen wir uns nicht aufhalten. Du siehst das steinige Ufer, von dem wir uns fernhalten sollten, und du siehst andere Boote, die Vorfahrt haben.“ Alles weitere üben wir jetzt. Elisa Langer macht es vor. Die 15-Jährige probierte vor vier Jahren zum ersten Mal den SUP-Sport aus. „Ich liebe Sport an der frischen Luft.“ Der kann allerdings auch anstrengend sein: „Du merkst, wo du überall Muskeln hast.“

Elli steigt jetzt mit den Knien aufs Brett, dann paddelt sie langsam los. Wenige Minuten später treibe ich auf dem See. Jetzt kommt die erste Hürde: Aufstehen. Mit den Händen abstützen, in die Hocke gehen, aufrichten und bloß nicht die Balance verlieren. Jetzt darf ich die ersten Schläge machen: das Paddel nah an der „Rail“ (der Kante des Brettes) entlang ziehen, für Kurven einen großen Bogen mit dem Paddel schlagen, um abzubremsen, das Paddel ins Wasser stemmen.

Mit dem Paddel durch elf Städte in 33 Stunden

Klingt alles ganz leicht, erfordert aber Übung. Ich konzentriere mich ganz darauf, mich auf dem Brett zu halten, schaue nur zu Boden. „Ist wie beim Tanzen. Da guckt man am Anfang auch nur auf die Füße“, sagt Jörg. Er ist eine Art Ultra-Marathon-Paddler. Jörg hat auf dem SUP elf Städte in 33 Stunden abgeklappert und dabei 220 Kilometer zurückgelegt. „Raubbau am Körper“, sagt er. Hat aber trotzdem auch Spaß gemacht.

Als blutiger Anfänger bin ich froh, dass ich mich in Bewegung setzen kann. Wir paddeln gegen den Wind, der Schleuse zu. Eigentlich Schwachsinn, oder? „Das ist wie Radfahren auf dem Wasser. Gegen den Wind ist es schwieriger. Der Rückweg ist also leichter.“

Mit Raceboards schneller übers Wasser

Radfahren, da ist was dran. SUP erinnert mich tatsächlich an gemütliche Zweirad-Ausflüge durch die Natur, bei denen man auch mal links und rechts in die Landschaft gucken kann.

Geht aber auch anders. Wie beim Radfahren Rennräder Tempo bringen, greifen Sportler beim SUP auf Raceboards zurück. Highend-Bretter aus Carbon, mit denen man übers Wasser jagen kann, zehn Kilometer in einer Stunde, nur was für Könner.

Einstieg in den Sport ist einfach

Mache ich vielleicht später. Anfänger müssen auch mal ins Wasser fallen, damit sie lernen, wieder aufs Brett zu klettern. Fabian Behrendt zeigt mir eine rasante Kehrtwende, die ich nachmachen soll. Das gelingt mir natürlich nicht (war auch so geplant). Ich stürze in den See. Haie und Strömungen gibt es hier nicht. Das Brett liegt so stabil auf dem Wasser, dass der Aufstieg leicht fällt.

Der einfache Einstieg in den Sport ist für Phil Mandeau, Inhaber der SUP-Schule „Pottpaddler“, ein Grund des überwältigenden Erfolges. „SUP ist der am einfachsten zu erlernende Surfsport. In zwei Stunden beherrscht man die Basics.“ Derzeit sei es der am schnellsten wachsende Wassersport der Welt. Mandeau gründete Anfang 2015 seine SUP-Schule. Seit 2016 ist sie im Seaside Beach beheimatet.

„Beim SUP kann man die Welt vom Wasser aus entdecken. Und es ist der einzige Surfsport, bei dem man sich während der Ausübung unterhalten kann“, sagt Mandeau. Wenn man nicht in einer Gruppe unterwegs ist, kann man alleine fahren. Das habe sogar meditativen Charakter.

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