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Auch im Ruhrgebiet gibt es bald „Radeln nach Zahlen“

Martin Tönnes (links) und Harald Spiering vom RVR zeigen den ersten neuen Rad-Wegweiser vor dem Dortmunder U-Turm.

Foto: Ralf Rottmann

Martin Tönnes (links) und Harald Spiering vom RVR zeigen den ersten neuen Rad-Wegweiser vor dem Dortmunder U-Turm. Foto: Ralf Rottmann

Ruhrgebiet.   Die Fahrradwege im Revier werden nach dem Beispiel des niederländischen Knotenpunktsystems sortiert. Statt von A nach B geht es von 60 nach 46.

Die Nummer 1 im Ruhrgebiet liegt, wo sonst, an der Ruhr: Witten, Stadtteil Bommern, hier nimmt alles Radfahren seinen Anfang. Nur kann das noch keiner wissen, der erste Wegweiser nämlich steht in Dortmund und trägt die Nummer 60. Das Revier hat in seinem Radwegenetz durchgezählt und seine schönsten Kreuzungen nummeriert: Im künftigen Knotenpunktsystem braucht keiner eine Karte mehr – Radeln nach Zahlen.

Die Idee hat der Regionalverband Ruhr (RVR) sich bei den Nachbarn abgeguckt: Die Niederlande haben für Radfahrer und auch Wanderer schon vor Jahren ein Netz aus Nummern über ihr Land gelegt. An jedem Knotenpunkt („Knooppunt“) steht aufgeständert eine Karte, die nächsten Kreuzungen sind dort schon (ab-) zu sehen, ebenso wie die Entfernungen. Auf diese Weise kann sich jeder überall orientieren, braucht nicht dem Navi, sondern lediglich ein paar Zahlen zu folgen.

Und so wird es auch im Ruhrgebiet kommen: Von Witten-Bommern etwa sind es nur 0,7 Kilometer bis zum Knotenpunkt 2 auf der anderen Ruhr-Seite. Und nur wenig mehr bis zur Nummer 3, das wäre der Hauptbahnhof. In Dortmund heißt das: Der Vorplatz des „U-Turms“ ist Standort des Erstlings mit Nummer 60, der Bahnhof bekam gestern die 61, die Kokerei Hansa kriegt die 62, die Arbeitsschutz-Ausstellung Dasa trägt die 51 und der Phoenixsee die 46.

Nummer 76 liegt in Castrop-Rauxel, der Bahnhof Herdecke trägt die 13

Wer also vom U zum See will, radelt immer der 46 nach, die bald als rot-weißes Krönchen auf jedem Wegweiser thront. Bei Nummer 76 indes ist der Radler in Castrop-Rauxel-Dingen, bei 39 mitten in Schwerte, und sogar die 13 bringt per se erstmal kein Unglück: Dort liegt der Bahnhof im hübschen Herdecke. Und das ist erst der Osten des Reviers, Mitte und Westen wachsen bis Ende 2018 dazu.

Alle längst festgelegten Punkte sind verbunden mit den schönsten aller Radwege im Revier, so versprechen es die Planer. Oft geht es über Bahntrassen und bestehende Kulturlinien wie Ruhrtal-, Emscherradweg oder Römer-Lippe-Route. Am Ende soll es 2500 Knotenpunkte geben zwischen Hamm und Wesel, 1200 Radkilometer werden sie verbinden und sogleich Anschluss haben an die Systeme in Sauerland und Niederlanden.

Niemand muss dann mehr am Wegesrand das Rad zwischen die Beine klemmen und die Enden einer Faltkarte zwischen die Fingerspitzen, um, sagen wir, Essen-Schonnebeck zu suchen. „Die Ortsnamen“, gesteht Harald Spiering vom RVR, „kann ich mir sowieso nicht alle merken.“

Allerdings, viele Stadtteile sind gar nicht dabei. Es sind die Aussichts- und Ankerpunkte der Region, die der RVR hier zusammenfasst, weniger für den Alltagsfahrer, eher für den Touristen. Was dazu führt, dass weite Flächen etwa im Dortmunder Westen und Süden nicht gepunktet werden: Es muss schon Industriekultur am Zwischenziel locken, eine „bedeutende Siedlung“ oder mindestens ein Bahnhof. Rundtouren sind so gerne mal anspruchsvolle 30 bis sogar 70 Kilometer lang.

Bund, Land und Regionalverband investieren 840 000 Euro

An die 6000 Schilder müssen noch nachgerüstet werden, bis das Knotenpunktsystem wirklich funktioniert. 840 000 Euro wird das kosten, bezahlt von Bund, Land und RVR. Letzterer muss die Karten dann auch warten: Die erste stellte er erst am Dienstagmorgen auf, damit sie nicht schon vor dem Fototermin beschmiert werde . . .

Der Fahrradfahrer, dem es trotz all der schönen Neuerungen unwohl wird, kann beim Wählen des Notrufs übrigens sogleich melden, wo er ist: Das steht auf der Knotenpunkt-Karte, und da ist Dortmund dann doch wieder eine Nummer 1, gewissermaßen – der U-Turm grüßt als Standort 1001.

Ruhrgebiet unter den beliebtesten Radreise-Regionen

Im Zuge des Ausbaus wird das Knotenpunktsystem auch im Internet zu finden und per App abzurufen sein. Bezahlt wird das Projekt über das Regionale Wirtschaftsförderungsprogramm des Landes NRW zur Verbesserung der touristischen Infrastruktur.

Das Radrevier.Ruhr gilt inzwischen als die viertbeliebteste Radreise-Region Deutschlands.

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