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Ansturm auf die Gartencenter: Den Süden nach Hause holen

Aus dem Center in den heimischen Garten: Dieser Kunde hat sich für ein Zier-Orangenbäumchen entschieden.

Foto: Ralf Rottmann

Aus dem Center in den heimischen Garten: Dieser Kunde hat sich für ein Zier-Orangenbäumchen entschieden. Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.   Hochsaison im Gartencenter: Sonne und frühsommerliche Temperaturen lassen die Menschen im Revier nun wieder jäten, mähen und pflanzen.

„Helmut“, sagt Gerda Weber und packt noch ein paar Petunien auf die Säcke mit dem Rindenmulch. „Helmut, ich glaube, wie brauchen einen zweiten Einkaufswagen. Der hier ist jedenfalls voll.“ Helmut nickt, traut sich dann aber doch zu sagen: „Vielleicht haben wir ja genug für heute.“ Gerda schüttelt den Kopf. „Jetzt fängt der Frühling an, jetzt müssen wir in den Garten.“ Holger Steglich sieht das ähnlich. Steglich ist allerdings auch Marktleiter eines großen Hellweg-Baumarktes in Dortmund-Kley – 4000 Quadratmeter Gartencenter inklusive. „Nichts gegen Weihnachten“, sagt er früh an diesem Morgen, „aber im April und Mai haben wir hier die umsatzstärksten Tage.“

„Soll ja alles ordentlich aussehen, wenn wir das erste Mal grillen“

Wenn das Thermometer steigt, die Sonne vom Himmel lacht, dann wollen die Menschen im Revier eben ins Freie. Auf den Balkon, lieber noch in den eigenen Garten. Jäten, mähen, pflanzen. Meistens freiwillig, ansonsten auf sanften Druck des Partners oder der Partnerin. „Soll ja alles ordentlich aussehen, wenn wir das erste Mal grillen“, bestätigt Martina Kolbe (38). Für ihren Ehemann Peter ist es wichtig, dass es vor allem ordentlich bruzzelt. „Wir brauchen noch einen neuen Grill“, erklärt er. Er will bei Holzkohle bleiben „weil es einfach besser schmeckt“, sie möchte auf Gas umsteigen, „weil das eine saubere Sache ist“. Da ist sie nicht die einzige. „Gasgrills legen zu“, sagt Steglich und sieht sich am Nachmittag bestätigt. Denn da gibt es trotz großer Bevorratung keine Gasflaschen mehr. „Wir haben schon nachgeordert.“

Hochbeete stehen hoch im Kurs

Vera Kruse (34) ist das weitgehend egal, sie ist Vegetarierin. Aber sie hat einen anderen Trend der letzten Jahre für sich entdeckt – das Hochbeet. „Früher hatten wir einen Garten“, sagt sie, „aber seitdem wir in die Stadt gezogen sind, haben wir nur noch einen großen Balkon. Da ist so ein Hochbeet ideal.“ Gemüse, Salat und Kräuter will sie ansetzen und dabei auch Sohn Theo (2) „die Natur etwas näher bringen“. Ute Schmidt (68) holt sich schon ihr zweites Hochbeet, denn „man muss sich nicht so viel bücken. Für Menschen in meinem Alter ist das ideal.“

Mittag ist es geworden und der Strom der Kunden wird nicht weniger. Der Rasen ist schon gemäht, die Terrasse gefegt. „Jetzt brauchen wir noch ein paar Blumen“, sagt Svenja Fröhlich. Ein Ersatzkauf. „Wir haben vor vier Wochen schon mal groß eingekauft. Aber der Nachfrost hat alles kaputt gemacht.“ Immer wieder legen die Mitarbeiter im Gartencenter nach – von der kleinen Petunie bis zur großen Olive. Die Größe der Gärten, sagt Steglich ohne das statistisch belegen zu können, sei wohl etwas zurückgegangen in den vergangenen Jahren. Die Lust der Menschen auf freie Natur ist dagegen eher gestiegen – gerade in urbanen Gegenden wie dem Ruhrgebiet. „Viele versuchen, den Garten in die Wohnung zu integrieren, die Übergänge fließend zu gestalten“, hat der Marktleiter festgestellt. Besonders angesagt sei alles, was „mediterranes Flair“ verbreite, Olivenbäume und Zitruspflanzen etwa. „Die Menschen wollen sich den Süden nach Hause holen.“

Die Zaunabteilung wird zum Renner

Vor allem aber wollen sie offenbar Ruhe und Entspannung. Jedenfalls ist nirgendwo im Center an diesem Morgen so viel los wie in der Zaunabteilung. Nicole und Frank Grossmann haben zwar nur 25 Quadratmeter Garten, den aber zäunen sie ein, um Töchterchen Lea auch mal unbeaufsichtigt draußen spielen lassen zu können. Und Familie Schweitzer, die im Sommer „praktisch im Garten lebt“, schleppt auch gerade einen neuen Sichtschutz zum Auto. „Das war nicht ganz billig“, räumt Gerd Schweitzer ein. „Aber ich kann es nicht haben, wenn mir jeder auf den Teller gucken kann.“

Die Webers kommen beim Gang zur Kasse derweil an der Schau-Rasenfläche vorbei, auf der ein Mähroboter unermüdlich seine Runden dreht. „Das wäre schon was“, findet Helmut, aber Gerda winkt ab. Allen Beteuerungen des Herstellers zum Trotz traut sie der Maschine nicht. „Wahrscheinlich“, fürchtet die 63-Jährige, „würde der irgendwann auch meine schönen Blumen ummähen.“

>>ERSTE HILFE FÜR MENSCHEN OHNE „GRÜNEN DAUMEN“

Frisches Gemüse selbst anzubauen war für viele Großstädter lange nur ein Wunschtraum – es sei denn, sie hatten einen Schrebergarten. Inzwischen aber gibt es eine beachtliche Zahl von Anbietern, die es ermöglichen, eine kleine Ackerfläche für ein Jahr zu mieten und dort Gemüse oder Kräuter anzubauen.

Der Clou: Anders als bei Schrebergärten sorgen die Anbieter für die Bewirtschaftung der Gärten und leiten die Mieter fachlich an, so dass auch Leute ohne „grünen Daumen“ ernten können. Eine Liste mit Anbietern ist im Internet unter www.grüneliebe.de/rund-um-den-garten/mietgarten-anbieter zu finden.

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