Prozess

Anklage Zuhälterin kaufte für 100 Euro Mädchen der Mutter ab

Foto: MÜLLER, Oliver / WAZ FotoPool

Essen  100 Euro soll die Angeklagte einer Bulgarin für deren Tochter bezahlt haben, die sie zur Prostitution zwang. Jetzt begann der Prozess.

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Es erinnert an eine historische Erzählung vom Sklavenmarkt. Doch es ist die Gegenwart, von der die Anklage vor dem Dortmunder Landgericht erzählt. Mitten in Dortmund soll die 54 Jahre alte Mariya S. ein 16-jähriges Mädchen als Prostituierte auf den Straßenstrich gezwungen haben, das sie zuvor in Bulgarien der Mutter für 100 Euro abgekauft haben soll. Zum Prozessauftakt am Dienstag schweigt die Angeklagte.

Vielleicht hat sie auch deshalb nicht ausgesagt, weil sie und ihr Verteidiger Matthias Meier nicht geglaubt haben, dass das mutmaßliche Opfer vor Gericht erscheinen wird. Denn die in der Anklage geschilderte Tat liegt einige Jahre zurück. Von Januar 2006 bis Mitte 2007 soll die damals 16-Jährige auf dem Straßenstrich in der Dortmunder Nordstadt für die Angeklagte angeschafft haben, später auch in einer Kneipe im Viertel.

Mutmaßliches Opfer sagt vor Gericht aus

Kaum einer wusste genau, was aus ihr geworden ist. Doch pünktlich um elf Uhr ist die Frau da, sagt im Gerichtssaal vor der 32. Strafkammer aus. Heute ist sie 29 Jahre alt, Mutter von zwei Kindern. Mit dem Milieu hat sie nichts mehr zu tun, sagt sie.

Im Grunde bestätigt sie die Anklage. Sie erzählt, dass ihre Mutter in Bulgarien 100 Euro erhalten habe und dafür ihr Kind mit der Angeklagten ziehen ließ. In Deutschland solle sie in einem Café arbeiten, habe die Mutter ihr gesagt.

Vier bis fünf Freier pro Tag

Doch kurz nach der Ankunft in Dortmund habe sie von der Angeklagten und ihrem Ehemann erfahren, dass sie als Prostituierte arbeiten müsse. Genaue Vorgaben habe das Paar ihr gemacht. An sechs Tagen in der Woche habe sie arbeiten müssen, sei unter Heroin gesetzt worden. 40 Euro bekam sie pro Freier, vier bis fünf habe sie pro Tag befriedigen müssen. Der Lohn sei an die beiden gegangen.

Einmal habe sie 80 Euro in ihrem BH versteckt. Das sei der Angeklagten aber aufgefallen. Gemeinsam mit einer bislang unbekannten Frau habe Mariya S. auf sie eingeschlagen, erzählt die Zeugin, bis sie das Geld herausgegeben habe.

Für 400 Euro an einen Freier verkauft

Mitte 2007 hätten die beiden sie dann abgegeben. Für 400 Euro sei sie an einen ihrer Freier verkauft worden. Offenbar zwang er sie nicht mehr zur Arbeit im Milieu. "Er ist ein guter Mann", sagt die 29-Jährige.

Mariya S. sitzt in Untersuchungshaft, will vielleicht an einem der weiteren fünf Prozesstage aussagen. Ihr Ehemann, den die Justiz zeitlich früher erwischt hatte, ist bereits im Januar 2013 wegen Menschenhandel und Drogenhandel verurteilt worden. Fünf Jahre und acht Monate Haft bekam er.

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