Jubiläum

Die Ästhetik des Zeitungmachens - Ein Firmen-Porträt

„Der Handsetzer stellt noch wie zu Zeiten des Johannes Gutenberg Type neben Type.“ Ein angesehener, uralter Beruf, der im Zuge der Digitalisierung ausstarb.

„Der Handsetzer stellt noch wie zu Zeiten des Johannes Gutenberg Type neben Type.“ Ein angesehener, uralter Beruf, der im Zuge der Digitalisierung ausstarb.

Essen.   Über das erste eigene Verlagshaus ließ Verleger Jakob Funke einen Bildband herausgeben. Einzigartiges Firmen-Porträt von Albert Renger-Patzsch.

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Die WAZ trägt den Nerz nach Innen, heißt ein geflügeltes Wort, das viele Jahre lang mit einem gewissen Stolz vorgetragen wurde. Das 1954 fertiggestellte, erste eigene Verlagshaus an der Friedrichstraße in Essen ist Stein gewordener Ausdruck der nüchternen Reduzierung auf das Wesentliche wie auch der Abneigung gegen Protz und Pomp. Generell war die Architektur der 1950er Jahre geprägt von großer Schlichtheit, von Helligkeit und dem Willen zur Transparenz. Dies konnte kühl, fast klinisch sauber wirken, aber auch etwas Erhabenes verströmen.

Funke wollte die Zentrale in Essen

Diesen Geist atmet idealtypisch das Verlagshaus der WAZ, das ganz ein Werk von Jakob Funke war. Er war es, der darauf drang, dass die noch junge Zeitung von ihrem Gründungsort Bochum nach Essen zog. Funke trieb dabei nicht nur die Liebe zur Heimatstadt. Für ihn gehörte die WAZ einfach in die damals unbestrittene Metropole des Ruhrgebiets, in der sich auch das mediale Leben der Region konzentrierte. Der wachsende Erfolg des Unternehmens verschaffte die finanziellen Mittel, um diese Investition im alten Essener Zeitungsviertel zu stemmen, wo Funkes Karriere begonnen hatte.

Vom stillen Stolz, den Jakob Funke für sein Verlagshaus empfand, zeugt ein für damalige Verhältnisse aufwändiger Bildband, aus dem die Fotos auf dieser Seite entnommen sind. Der in Essen bestens vernetzte Verleger gewann dafür Albert Renger-Patzsch, einem Meister der fotografischen Sachlichkeit, der wie die Familie Funke lange in der Siedlung Margarethenhöhe gelebt hatte.

"Ein Bürohaus ist kein Palast"

Renger-Patzsch fotografierte das Verlagshaus vom Papierkeller bis zur Kantine im fünften Obergeschoss, in genau jenem Stil, für den er in Fachkreisen berühmt war: sezierend wie ein Chirurg, dabei keineswegs distanziert und mit einem Blick für die Würde der Arbeit. Nichts Chaotisches, nichts Hektisches haftet hier dem Zeitungmachen an, vielmehr entsteht der Eindruck einer technisch hypermodernen Präzisionsmanufaktur fürs gedruckte Wort.

Dies wird unterstützt durch den Buchtext von Karl Sabel, der die Essener Lokalredaktion leitete und Funke freundschaftlich verbunden war. „Ein Bürohaus ist kein Palast. Es soll in der Ansicht so ordentlich sein wie die Arbeit, die in ihm erwartet wird“, schreibt Sabel. So hat es dem Verleger sicherlich gefallen.

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