Jubiläum

Bodo Zapp: „Die WAZ ist bis heute Klammer des Ruhrgebiets“

Bodo Zapp mit einem Extrablatt vom 3. Mai 1987 zum Papst-Besuch im Revier.

Bodo Zapp mit einem Extrablatt vom 3. Mai 1987 zum Papst-Besuch im Revier.

Foto: Lukas Schulze

Essen.   Der ehemalige stellvertretende Chefredakteur Bodo Zapp erinnert sich an das „Band der Solidarität“ zum Erhalt des Bergbaus im Revier.

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An Zechen-Schließungen hatte sich das Ruhrgebiet längst gewöhnt. Als die schwarz-gelbe Bundesregierung Mitte der 90er Jahre dem Bergbau aber vollends den Geldhahn zudrehen wollte, stand das Revier auf. Und mit ihm die WAZ. Mit Hintergrundberichten und Interviews im Vorfeld verhalf sie dem „Band der Solidarität“ zu einer Größe, die selbst Optimisten nicht für möglich hielten.

In die Kette, zu der die Bergbau-Gewerkschaft aufgerufen hatte, reihten sich am 14. Februar 1997 rund 220.000 Menschen ein.

„Das Ruhrgebiet hat keine Gönner“

Motor dieser publizistischen Kampagne war der stellv. WAZ-Chefredakteur Bodo Zapp. „Das Ruhrgebiet hat keine Gönner. Die Stimmung war gegen den Bergbau“, erinnert sich der heute 74-jährige Pensionär an die damals so aufwühlenden Zeiten. Für ihn und die WAZ-Chefredaktion stand außer Frage: „Das Ruhrgebiet muss dagegen steuern, dass es platt gemacht wird – auch wenn es nur ein Aufschieben für das Ende des Bergbaus war“, sagt Zapp. „Wer, wenn nicht WAZ, soll für die Menschen im Revier und ihre Arbeitsplätze kämpfen?“

Nachdem die Redaktion schon Tage zuvor kräftig für das „Band der Solidarität“ getrommelt hatte, war sie am 14. Februar 1997 „mit dem größten Reportereinsatz aller Zeiten“, wie Zapp sagt, zwischen Lünen und Neukirchen-Vluyn unterwegs. „27 Berichterstatter und 18 Fotografen – so etwas konnte nur die WAZ liefern. Das war toll und hat die Redaktion stolz gemacht“, erzählt der Journalist.

„Stehen hinter Menschen im Revier“

Das „Band der Solidarität“ zog sich nicht nur durch das gesamte Revier, sondern am Tag darauf auch über alle Seiten der WAZ-Ausgabe. „Die Fotos und Berichte wirkten wie ein Förderband der Gefühle“, sagt Zapp. „Wir haben den Menschen des Ruhrgebiets signalisiert, dass wir hinter ihnen stehen.“

Der damalige Zeitungsmacher ist davon überzeugt, dass die Menschenkette zumindest dazu beigetragen habe, das Auslaufen des Bergbaus ohne soziale Brüche zu organisieren. Nicht nur mit der Unterstützung dieses Ausnahme-Ereignisses, sagt Zapp, habe die Redaktion unterstrichen, dass „die WAZ auch heute noch die Klammer des Ruhrgebiets“ sei. So tiefe Kenntnisse aus den Städten könne nur die WAZ liefern.

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