„Qualitätsstandards gehören dazu“

An Rhein und Ruhr.   Mit dem gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung sind viele Eltern, Lehrer und Schulträger unzufrieden. Nordrhein-Westfalens Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) will sich da nicht wegducken: In Kürze werde die Landesregierung Qualitätsstandards vorgeben, kündigte die Ministerin jetzt an. Behinderten- und Kommunalverbände hatten kritisiert, dass die rot-grüne Vorgängerregierung bei der Inklusion keine Qualitätsstandards gesetzt hatte.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Mit dem gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung sind viele Eltern, Lehrer und Schulträger unzufrieden. Nordrhein-Westfalens Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) will sich da nicht wegducken: In Kürze werde die Landesregierung Qualitätsstandards vorgeben, kündigte die Ministerin jetzt an. Behinderten- und Kommunalverbände hatten kritisiert, dass die rot-grüne Vorgängerregierung bei der Inklusion keine Qualitätsstandards gesetzt hatte.

Sie möchten Förderschulen für Behinderte erhalten und inklusiven Unterricht vor allem in gut ausgestatteten Schwerpunktschulen anbieten. Wie steht es um das Vorhaben?

Wir sind auf der Zielgeraden mit den Eckpunkten zur Neuausrichtung der Inklusion an unseren Schulen. Die Eckpunkte sollen noch vor der Sommerpause vorgelegt werden. Dazu gehört auch, dass wir zeitgleich eine neue Mindestgrößenverordnung für die Förderschulen erarbeiten.

Die rot-grüne Vorgängerregierung wollte von Landesseite keine verbindlichen Standards für inklusiven Unterricht vorgeben, damit das Land nicht die Kosten dieser Standards tragen muss. Wie wollen Sie das halten?

Ich bin davon überzeugt, dass die Inklusion qualitativ gestärkt werden muss. Gleichzeitig müssen wir die vorhandenen Ressourcen zielgerichteter einsetzen. Wir werden die Inklusion umsteuern, und dazu gehören auch Qualitätsstandards. Dabei wird es um Klassengrößen und die Anzahl der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf pro Klasse sowie die notwendige personelle Unterstützung gehen.

Inzwischen lernen in NRW über 40 % aller Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf an Regelschulen. Gehen Sie davon aus, dass sich der Trend fortsetzt?

Ich rechne eher damit, dass sich die Zahlen auf dem gegenwärtigen Niveau einpendeln werden. Wir wollen und werden den Weg der inklusiven Beschulung fortsetzen. Aber es ist ebenso festzustellen, dass sich viele Eltern zum Wohl ihres Kindes für eine Förderschule entscheiden.

Wie viele Sonderpädagogen fehlen in NRW in den kommenden Jahren, und was tut die Regierung gegen den Fachkräftemangel?

Nach der Lehrerbedarfsprognose fehlen in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich 1000 ausgebildete Sonderpädagogen. Mit unserer Lehrerwerbekampagne werben wir gezielt auch für die Aufnahme eines Sonderpädagogik-Studiums. Mit Hilfe des Wissenschaftsministeriums stehen pro Jahr bis zu 250 zusätzliche Bachelor-Studienplätze ab dem Wintersemester 2018/19 bereit. Das ist ein wichtiges Signal und bietet Lehramtsstudenten eine gute Perspektive.

In der Lehrerbesoldung gibt es viele Ungerechtigkeiten. Seit 2009 ist die Ausbildung für angehende Lehrer aller Schulformen gleich lang. Lehrerverbände fordern seit Langem, dass alle – auch Grundschullehrer – nun die gleiche Einstiegsbesoldung A13 erhalten müssen. Wann und wie wollen Sie das umsetzen?

Es ist noch zu früh, hier öffentlich etwas anzukündigen. Aus der verlängerten Lehrerausbildung müssen die besoldungsrechtlichen Konsequenzen gezogen werden. Gleichzeitig dürfen wir an Schulen keine neuen Ungerechtigkeiten produzieren. Wir suchen derzeit nach einer Lösung, die von allen betroffenen Lehrkräften als fair und gerecht angesehen wird.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben