Übergriffe

Angriffe von Neonazis in Dortmund und offenbar auch in Essen

In Dortmund und Essen ermittelt jeweils der polizeiliche Staatsschutz wegen möglicher Übergriffen von Neonazis.

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In Dortmund und Essen ermittelt jeweils der polizeiliche Staatsschutz wegen möglicher Übergriffen von Neonazis. Foto: imago stock&people / imago/Eibner

Essen.  In Dortmund haben mehrere Rechtsradikale dunkelhäutige Personen gejagt, in Essen attackierten offenbar Rechte eine Gruppe in einer Kneipe.

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Rechtsradikale haben in Dortmund drei dunkelhäutige Männer gejagt, in Essen attackierten offenbar Rechte eine Gruppe in einer Kneipe. Zunächst waren die Informationen, die die Polizeidirektionen in Essen und Dortmund machen konnten, noch nicht sehr umfänglich. Die Behörden verwiesen am Freitagmorgen darauf, dass ihre Ermittlungen noch am Anfang stünden. Auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigte ein Sprecher der Polizei Dortmund aber, dass es Donnerstagabend einen großen Polizeieinsatz im Hafengebiet gegeben hat, weil Neonazis drei Personen mit dunkler Hautfarbe regelrecht gejagt haben sollen.

Nach bisherigen Erkenntnissen hat eine Gruppe von Personen, die der rechtsextremistischen Szene zuzuordnen ist, am Donnerstagabend am Dortmund-Ems-Kanal drei dunkelhäutige Männer angegriffen und verfolgt. Unter anderem sei aus der Gruppe der Rechtsextremisten mit einem Absperrpfosten geworfen.

Zeugen alarmierten die Polizei gegen 20.10 Uhr, als sie sahen wie es auf einem Fußweg nahe einer Brücke an der Weidenstraße zwischen den dunkelhäutigen Männern und einer Gruppe anderer Männer zunächst zu einem verbalen Streit kam. Doch bei den Beschimpfungen blieb es nicht, die Rechtsextremisten bekamen Unterstützung von weiteren Männern aus der rechten Szene und attackierten die drei dunkelhäutigen Männer. Als die Angegriffenen versuchten zu flüchten, wurden sie von den Neonazis, die sich den Zeugenaussagen zufolge teils mit Holzstöcken und Absperrpfosten bewaffnet hatten, verfolgt. Als einer der drei Verfolgten schließlich stürzte, wurde er geschlagen und getreten. Dabei wurde ihm offenbar auch das Handy gestohlen.

Polizei nahm insgesamt fünf Personen fest

"Aufgrund der genauen Beschreibung der Tatörtlichkeit durch die Zeugen konnten die alarmierten Polizeibeamten die tatverdächtige Gruppe noch vor Ort antreffen und zur Personalienfeststellung festsetzen. Vier Männer (19, 21, 23, 18, aus Dortmund), die nach ersten Zeugenbefragungen als Hauptverdächtige identifiziert wurden, nahmen die Beamten fest", so eine Sprecherin der Polizei. Außerdem habe die Kontrolle der Gruppe ergeben, dass gegen eine anwesende 20-jährige Frau aus Bochum ein Haftbefehl zur Strafvollstreckung vorlag. Sie wurde ebenfalls festgenommen.

Die drei angegriffenen Männer (23, 25, 31, aus Dortmund) blieben bei der Auseinandersetzung glücklicherweise unverletzt. "Sie werden in den folgenden Tagen weiter durch die Polizei betreut, um ihnen unter anderem auch Maßnahmen des Opferschutzes anzubieten", erklärt die Behörde.

Auslöser für den anfänglichen Streit soll eine rassistische Beleidigung aus der Gruppe der Rechtsextremisten gewesen sein. Die Soko Rechts der Polizei Dortmund hat noch am Donnerstagabend die Ermittlungen übernommen. Die vier Tatverdächtigen befinden sich weiterhin im Polizeigewahrsam.

Angriff und Schlägerei in Essen

Auch in Essen hat der Staatsschutz die Ermittlungen wegen eines Gewaltausbruchs am Donnerstagabend im Stadtteil Steele aufgenommen. Die genauen Hintergründe sind in diesem Fall noch nicht klar, so eine Sprecherin der Essener Polizei im Gespräch mit dieser Redaktion. Die bisherige Gemengelange lässt aber den Schluss zu, dass auch diese Auseinandersetzung einen politischen Hintergrund hat.

Den bisherigen Erkenntnissen der Polizei zufolge hatten am Abend drei Männer, die offenbar der rechten Szene zuzuordnen sind, die Gaststätte "Freak Show" am Grendplatz betreten und dort zunächst einen verbalen Streit angezettelt. Das Trio wurde daraufhin der Kneipe verwiesen und das Lokal dann mit der Drohung verlassen, mit Verstärkung wieder zu kommen.

Polizeihund beißt einen Mann

Tatsächlich ließen die Männer ihren Worten Taten folgen und kehrten mit zahlreichen weiteren Männern zurück, die der rechten Szene angehören sollen, berichtet ein Zeuge. Die Polizei berichtet von insgesamt zehn Angreifern. Auf der Straße vor der Kneipe entwickelte sich der Streit dann zu einer Schlägerei.

Mitarbeiter der Kneipe hatten in der Zwischenzeit die Polizei alarmiert. "Die Kollegen sind mehr als 20 Einsatzkräften nach Steele gefahren", bestätigt eine Sprecherin der Polizei Essen. Noch auf dem Weg zum Einsatzort hätten die Beamten Informationen darüber erhalten, dass die Situation eskaliert und es zu schweren Handgreiflichkeiten gekommen sei. Die Polizei erteilte mehreren Beteiligten Platzverweise. Drei Männer widersetzten sich dagegen und wurden von der Polizei in Gewahrsam genommen.

Einer der Beteiligten versuchte seinen in Gewahrsam genommenen Komplizen zu befreien und griff die Polizei an. Daraufhin biss ihm ein Diensthund in den Oberschenkel, um den Angriff abzuwehren. Er musste stationär behandelt werden. Ein weiterer Polizist wurde durch einen Schlag leicht verletzt. Mehrere Personen klagten über Atemnot, da die Polizei Reizgas versprühte.

"Ob es zwischen den Gruppen einen politisch motivierten Hintergrund gibt, prüft aktuell der zuständige Staatsschutz", erklärte die Essener Polizei am Freitagmittag.

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