Stefan Verhasselt

Kabarett 5.0: Das neue Programm von Stefan Verhasselt

Stefan Verhasselt, Kabarettist, vor der Premiere im Theater an der Kö in Düsseldorf. 

Stefan Verhasselt, Kabarettist, vor der Premiere im Theater an der Kö in Düsseldorf. 

Foto: MICHAEL RICKS / ricks photo

Am Niederrhein.  Niederrhein-Kabarettist Stefan Verhasselt tourt mit seinem neuen Programm übers Land. Ist „alles gut“? Nee. „Nicht wirklich“.

Um kurz nach zehn ist an diesem Abend im Theater an der Kö klar: Stefan Verhasselt darf sich entspannen. Gabi aus Kempen, eine Zuschauerin ganz weit vorne, ruft dem Kabarettisten auf die Bühne hoch: „Ich werde mitgenommen.“ Soll heißen, sie muss jetzt nicht auf die Uhr lünkern, um noch den letzten Zug von Düsseldorf nach Hause zu erwischen.

Aber eigentlich war ja schon nach drei Minuten klar: Der Mann vom Niederrhein hat auch, wie er betont: „in der Landeshauptstadt“, ein leichtes Spiel; beinahe ein Heimspiel. Da bringt ihm das Publikum ein aufrichtig langgezogenes „Oooooooh“ entgegen, als er gespielt mitleidig über seinen Fußbruch im vergangenen Sommer plaudert. Den zog er sich übrigens hier zu: „In der Bahn, hab’ mich nicht festgehalten, wollte cool aussehen“. Künstlerpech.

Eine „Niederrheinische Erstaufführung“

„Mensch, war ich upjeregt!“, gesteht er viel später mit einem breit grinsendem Gesicht. Nach johlendem Applaus, zum Auftakt seiner Zugabe, dem Abschluss einer lachhaft schönen Premiere seines neuen Programmes „Kabarett 5.0“, mit dem Zusatz: „Zwischen den Zeilen“.

Warum diese, O-Ton: „Niederrheinische Erstaufführung“, ausgerechnet in dem Dorf an der Düssel und nicht in Dingden, Drevenack oder Dülken stattfindet? „In diesem wunderbar familiären Theater von René Heinersdorff fühle ich mich sehr wohl“, erklärt er.

Der Titel lässt erahnen: Auch durch seine fünfte Ein-Mann-Show, hangelt er sich, wie üblich ganz in schwarz, dazu diesmal weiße Turnschuhe, mal sitzend, mal stehend, durch wortwitzige Absurditäten im alltäglichen Wahnsinn.

Früher Bäckersohn, heute Wortakrobat

Nach mehr als zwei Stunden mit einem vielleicht etwas zu langatmigen und auch sprichwörtlich leicht holperigen Einstieg darf man durchaus feststellen: In einer mehr und mehr digitalen Welt fühlt sich der Sohn eines Bäckers nicht mehr nur wohl. Sein Handwerk ist ein Mundwerk: die Sprache. Als WDR 4 -Moderator genauso wie als heiter bis komischer Alleinunterhalter auf den Kleinkunstbühnen in seiner Heimatregion; und manchmal darüber hinaus. Auf Sylt, etwa.

Die zwischenmenschliche Kommunikation leidet, bemerkt Stefan Verhasselt und bedauert es. Er hört für sein Leben gerne zu, also bald 55 Jahre lang. Was er in seinem Lieblingscafè „Venga“ in Kempen alles mitbekommt, ebenso wie auf der Skipiste in Österreich oder an der Fleischtheke im Biosupermarkt, verwurstet er irgendwann in seinen Auftritten. „Es kann sein, dass Sie sich wiedererkennen“, warnt er sein Publikum gleich zu Beginn.

„Ein-Wort-Sätze“ wie Einwegtüten

„Alles gut“, „Nicht wirklich“, „Sorry“ oder „Yep“ sind nur ein paar Beispiele aus dem Neudeutschen, die ihm selber selten bis nie über die Lippen kommen. „Ein-Wort-Sätze“ lästert er, die ähnlich überflüssig wie Einwegtüten seien.

Natürlich kann so ein Sprachverhalten auf ein junges Publikum mindestens befremdlich wirken, doch die Zielgruppe des bekennenden Dieter-Thomas-Heck-Fans sind sowieso eher Zuschauer, die gemeinsam mit Rudi Carell unzählige Samstagabende auf der Couchgarnitur verlebten.

Letzterer ist ein herrlich altbackener Begriff, den er gerne über die Zeit retten möchte. So wie einige typisch niederrheinische Ausdrücke, die schon seine drei Tanten damals in den Mund nahmen. Darunter „ebkes“, sein absolutes Lieblingswort. Für alle Nicht-Niederrheiner, übersetzt: „mal eben.“

Nein, Stefan Verhasselt ist kein Comedian, so wie ein Mario Barth, der mit Fäkalhumor die größten Hallen in Deutschland füllt. Er ist ein großer Erzähler im Kleinen – stets mit einem großen Herz für die Eigenarten der Menschen, insbesondere die der Niederrheiner. Deren höchstes Lob für solch eine Type ist: „Ja, der kann wat“. – Ja, der kann wat, der Verhasselt, Stefan.

Die Tour 2020 am Niederrhein, eine Auswahl

16. + 17. April, Haus Deckers, Geldern-Walbeck, 02831/30 80 (mit Spargel-Büffett). 25. April, Dachstudio Stadtbibliothek, Dinslaken, 02064/6 62 67. 4. September, Adlersaal, Kerken, 02833 92 20. 11. September, Goli Theater, Goch, 0173/8 55 92 17. 25. September, Bürgerhaus Sevelen, Issum, 02835/10 24. 29. Oktober, Bühnenhaus, Kleve, 02821/8 44 50 (mit Ludger Kazmierczak und Ingrid Kühne). 13. November, Bürgerhaus, Rees, 02851/5 15 55. 27. November, Bürgerhaus, Kranenburg, 02826/2 64 25 59. 11. Dezember, Bühnenhaus, Kevelaer, 02832/ 12 29 91. Mehr Infos: www.stefan-verhasselt.de.

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