Tour de Niederrhein

Dritte Etappe: ein Abstecher an die Maas – und wieder zurück

Da geht’s lang. Mit der Fähre über die Maas.

Da geht’s lang. Mit der Fähre über die Maas.

Am Nederrijn.   Schön, wenn einem die Grenzen aufgezeigt werden. Aber ganz ehrlich, die meisten sind von vorgestern. Eine Fahrt ins Blaue, über grüne Grenzen.

Als ich in der Heronger Heide über die grüne Grenze rolle, fallen mir natürlich zuerst die anderen – und besseren! – Fahrradroutenschilder auf. Ansonsten ist es den Heidepflanzen und Nadelbäumen hier ziemlich egal, welcher Staat sich gerade in Besitz des Bodens wähnt. Hüben wie drüben lässt es sich bestimmt gleich gut oder schlecht wachsen.

Auch auf dem weiteren Weg meiner dritten Etappe der Tour de Niederrhein ist immer wieder zu sehen, wie unwirklich die deutsch-niederländische Grenze gezogen wurde, die offiziell 567 Kilometer lang ist; und die in der Meeresbucht Dollart bei Emden nicht wirklich, aber immerhin mit einem Kompromiss im Jahr 2014, pragmatisch geklärt wurde.

Raus aus der Stadt, ran an die Maas!

In Venlo sind Grenzfragen an diesem Sonntagmorgen augenscheinlich kein Thema, im Gegenteil. Am Rand der Innenstadt bauen Händler gerade ihre Marktstände auf, natürlich auch für die Tagestouristen aus Duitsland.

Raus aus der Stadt, ran die Maas. Mitnichten ein deutscher Fluss, auch wenn dies in der Nationalhymne übertrieben anders klingt. Der knapp 900 Kilometer[ lange Strom, der in Frankreich entspringt, Belgien durchfließt und in den Niederlanden in das Rhein-Maas-Deltas mündet, war und ist nicht ganz unwichtig für den Verlauf der Staatsgrenze. „Da, wo die Kanonenkugel auftrifft, ist die Grenze“, hieß es 1815 auf dem Wiener Kongress – und auch im Atombombenzeitalter wird dieser Sicherheitsabstand gewahrt.

Ich bin ganz friedlich, halte mich sogar an die Anweisung, nicht auf dem Wandelingpad mit dem Rad zu fahren, obwohl der hinter Venlo direkt und schön am Flussufer entlang führt – stattdessen trete ich ein Kanonenkügelchen von der Maas entfernt in die Pedale.

70 Cent für die Maas-Fähren

Kurz vor Velden bin ich dann wieder direkt am Fluss – und an einer Fähre. Spontan entschließe ich mich, rüberzumachen, kostet ja auch bloß 70 Cent (Fährzeiten: mo-fr 7-19, sa 9-21, so 9-21).

Die Entscheidung war aber leider – ein Flop. Am linken Ufer ist es nicht viel besser, der Radweg liegt gefühlte vier Kanonenkugeln von der Maas entfernt.

Deshalb ist für mich klar, im Rosendorf Lottum schnell wieder die Seite zu wechseln. Auch auf dieser Autofähre kostet der Weg übers Wasser nach Lomm mickrige 70 Cent (Fährzeiten mo-fr 7-21, sa + so 9-21 Uhr).

Weiter geht es nach Arcen, hinlänglich bekannt als touristische Hochburg mitten in den Maasduinen. Es ist Sommer, es ist Vormittag, es ist – schon sehr voll. Auf die hinlänglich bekannten Schlossgärten möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen, sondern lieber Werbung für die lokale Brauerei machen – das Weizenbier ist wirklich lecker; von wegen, die Holländer können kein Bier brauen.

Grenzwertiger Radweg an der Grenze

Mit mir im Biergarten sitzen übrigens dutzende von Rennradfahrern. Alles Holländer, alle in sportlichen Trikots und alle... davon gleich mehr.

Mehr als grenzwertig ist der Radweg hinter Arcen, direkt neben der N271. Weil ich keine Lust verspüre, mich neben rasenden Autos abzustrampeln, blicke ich auf meine Radfahrkarte und biege scharf rechts ab – in Richtung Deutschland. Die richtige Entscheidung. Beinahe einsam fahre ich durch die Loiperheide, halte mich später in Richtung Twisteden – und komme kurz vor dem Dorf wieder über die Grenze. Die ist hier natürlich auch grün und durch zwei verschiedene Verkehrsschilder zu erkennen. Ein reibungsloser Grenzübertritt, ohne, wie auf der Autobahn, dabei fotografiert zu werden.

Ach ja, und dann kommen plötzlich die rennradelnden Holländer angerast. Sie sind alle... viel, viel schneller als ich. Na ja, es ist auch wichtig, mal seine Grenzen aufgezeigt zu bekommen.

Die Berichte zu den weiteren Etappen der Tour finden Sie hier:

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