Ausstellung

Diese Ausstellung ist für waschechte Niederrheiner ein Muss

Unverkennbar: Niederrhein. Gemalt von Bart Koning.

Unverkennbar: Niederrhein. Gemalt von Bart Koning.

Foto: Verlag Peter Tedden

Am Niederrhein.  Endlich einmal eine Ausstellung, bei der der Titel hält, was er verspricht: „Rheinblick“ in Xanten. Für waschechte Niederrheiner ein Muss.

Das pfiffigste Stück der Ausstellung? Vielleicht das Plattencover von Sylvie Hauptvogel: „Stimmung am Rhein“, eine durchsichtige Plastiktüte mit allerlei Schotter aus dem Rhein. „Musik die sich jeder leisten kann“, behauptet die Künstlerin. Stimmt, bloß ist das Knirschen des Kies’ längst nicht mehr zu hören, seitdem die Schifffahrt erst unter Dampf stand und heute auf Diesel tuckert.

Trotzdem gilt noch immer das alte Volkslied, am Rhein ist es so schön – vielfältig. Ein anderes, schlicht geniales Stück ist das braun-weiße Flussschild von Andreas Techler. Darauf steht nicht „Rhein“, sondern: „Rhaus“! Herrlich, darauf muss man erst einmal kommen.

Zum Glück war Kurator Peter Tedden klug genug, dieses Denk-Mal direkt an den Anfang der Ausstellung „Rheinblick“ im Drei-Giebel-Haus in Xanten zu hängen.

Der Niederrhein in Öl – immer schön

Klar doch, der Galerist aus Düsseldorf ist lang genug im Geschäft, um Besucher nicht gleich zu überfordern. Neben dem Hingucker des Herrn Techler, der mal Meisterschüler von Professor Gerhard Hoehme an der Kunstakademie in Düsseldorf war, grüßt großformatig und plakativ: der Niederrhein in Öl.

Ein durch und durch vertrauter Anblick, der nie langweilig wird – weil er sich täglich, stündlich, ja minütlich ändert. Den Moment des dösenden Flusses, der weiten Wiesen und der rauchenden Industriekulisse unterm müden Morgenhimmel hat der Maler Bart Koning auf die Leinwand gebracht.

Pssst, der Niederländer, der vor einigen Jahren der Liebe wegen nach Krefeld umsiedelte, wird gerade in der Kunstszene im Dorf an der Düssel hoch gehandelt. Seine Spezialität sind kleine Stillleben, aber auch dieses Landschaftsbild ist zum: In-die-eigene-Wohnung-hängen.

Von Siegfried über Clarenbach bis Beuys

Natürlich ist es gemein, den einen Künstler und die andere Künstlerin hier und jetzt namentlich hervorzuheben. Immerhin stehen im Schatten des Doms rund 100 Arbeiten von 65 kreativen Menschen bis kurz vor Weihnachten im künstlichen Licht. Viele Malereien, ebenso Fotografien, wenige Objekte und Skulpturen, dazu einige Drucke – sowie eine Radierung von Altmeister Max Clarenbach aus dem Jahr 1936: Winter in Wittlaer, schwarz auf weiß.

Alles ist Kunst, ob diese gefällt oder nicht, ist letztlich Geschmacksache. Die kleine Holzfigur „Siegfried, der Drachentöter“ von Andreas Welzenbach aus seiner Nachtwächterserie scheint bloß auf den ersten flüchtigen Blick Nippes. Die „Badenden“ aus Acryl, Öl und Tusche von Thomas Putze irritieren nicht, weil sie splitterfasernackt auf einer Holzwand sind, sondern dabei grässliche Grimassen ziehen. Und Franz Baumgartner unterstellt man bloß von weitem ein falsches Handwerk: sein Flussbild „alles eins“ ist tatsächlich gemalt, nicht geknipst.

Ein bildhübsches Atomkraftwerk? Gibt es doch nicht!

Wem das bisher zu nett, zu unkritisch klingt, der wird nicht am unvermeidlichen Joseph Beuys vorbeikommen, den die Fotografin Ute Klophaus einst am Rheinufer in Bonn ablichtete: In seiner Anglerweste steckte damals ein Programmheft der Partie „Die Grünen“, die er mitgegründet hatte.

Der Maler Ludwig Arnold aus Ulm bringt sogar das Kunststück fertig, ein bildhübsches Atomkraftwerk zu malen. Sein abstraktes Querformat trägt offiziell keinen Titel, in Klammern ist „Biblis“ zu lesen; waschechte Anrheiner können die vielen blauen und wenigen grünen, schwarzen und weißen Striche vielleicht sogar lokalisieren.

Die Loreley – was soll es bedeuten?

Nun, wer „Gevatter Rhein“ (Heinz Baumüller) von der Quelle bis zur Mündung hinabfährt, muss unweigerlich an der Loreley vorbei. Also taucht der Felsen von Flusskilometer 555 auch in dieser multikulturellen Sammlung auf: als zum Teil verschwommenes Foto von Rainer Rehfeld, aus Porzellan von Beate Höing sowie als minimalistische Skulptur von Monika Lioba Lang. Dafür hat die ehemalige Meisterschülerin von Katharina Fritsch rund 1000 (!) Meter goldgelbes Polyband verarbeitet. Ein Wahnsinn und ein Hingucker, doch, Vorsicht! Stolpergefahr.

>> INFO: Ausstellung „Rheinblick“, Xanten, bis zum 21. Dezember 2019

Die Ausstellung „Rheinblick“ wurde vom Verleger Peter Tedden aus Düsseldorf kuratiert und wird vom Kunstverein Xanten ausgerichtet. In der Schau sind 65 Künstlerinnen und Künstler aus ganz Deutschland vertreten – mit Malereien, Fotografieren, Skulpturen und Texten. Darunter auch das einfache wie geniale braun-weiße Flussschild „Rhaus“ (statt „Rhein“) von Andreas Techler. Der Besuch im Drei-Giebel-Haus, Kapitel 18 (neben dem Dom), ist mi-fr 14-17 Uhr und mi+sa 9-13 Uhr möglich. Info: www.kunstverein-xanten.de.

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