Kunst von Martina Ziegler

Die Kunst der Martina Ziegler beginnt im Kopf

Die Diplom-Designerin und zwei ihrer Bilder.

Die Diplom-Designerin und zwei ihrer Bilder.

Foto: Martina Ziegler

Am Niederrhein.  Martina Ziegler zeigt Menschen, wie sie sind: facettenreich. Ihre Porträts wirken ästhetisch, irritieren aber auch. Ein Blick auf Unerklärliches.

Was bitteschön soll dieses Bild denn darstellen? Es ist dunkel und grün, stellenweise licht, dicke Striche und dünne Linien fallen wie ein Vorhang herunter, trotz einiger Tiefen wirkt die Szenerie undurchdringlich. Der Blick in einen Dschungel, vielleicht.

„Auch dieses Bild geht im Ursprung auf das Porträt eines Menschen zurück“, sagt Martina Ziegler. Den irritierten Blick des Betrachters ist sie gewohnt. Zumal die Künstlerin ja genau das möchte, wenngleich sie lieber von „überraschen“ spricht.

Deutschland - deine Gesichter

Eine Galerie in Düsseldorf. Einer der Inhaber schwärmt: „So etwas habe ich noch nie gesehen.“ Und offenherzig gibt er zu: „Ich kann so etwas nicht.“ Dazu muss man wissen: Carsten Sander ist nebenbei Fotograf, bundesweit bekannt geworden durch seinen Heimatbilder-Zyklus „Deutschland – Deine Gesichter“.

Na gut, als Betreiber eines Kunstbetriebes gehört ein wenig Neugierigmachen zum Geschäft, doch abzüglich der obligatorischen Maklersprache bleibt von den Fotografien der Martina Ziegler mindestens der Eindruck: ungewöhnlich.

Kühle Eleganz, ein schwarzes Nichts

Nebenan hängt der Kopf einer Dame an der Wand, der bloß total verschwommen wahrgenommen werden kann. Der Mund mit den geschlossenen Lippen und die Nase sind noch gerade zu erkennen, ansonsten bleibt die Person blass, auch weil ihre Augen mit einem schwarzen Nichts verschmelzen.

„Multiple Portrait Face VII“ heißt dieses Abbild einer Frau. Der nüchterne Name verstärkt den Eindruck einer kühlen Eleganz, die rätselhaft, sogar etwas unheimlich wirkt. Allesamt Attribute, mit denen Martina Ziegler ihre Arbeit durchaus getroffen findet.

Im Atelier der Diplom-Designerin in Ilverich

Ihre Werke entstehen in ihrem Atelier in Ilverich bei Meerbusch. Was genau sie da macht, möchte sie nicht verraten. „Ein kleines Geheimnis muss bleiben.“ Wohl wissend, dass ihre Art von Kunst, vor allem der Schaffensprozess, höchst erklärungsbedürftig ist.

Eine Ahnung davon gibt ein kleiner Werkkatalog der Diplom-Designerin, wegweisender Titel: „Portraits. Multiple. Abstrakte“. Darin sind Bilder von Köpfen zu sehen, die sie mit Acrylfarbe auf die Leinwand gemalt hat. Gesichter von Frauen, die erst auf den zweiten Blick seltsam wirken – weil Körperteile ausgetauscht und leicht verrückt sind: Augen, Nase, Mund oder Ohren.

Mit den Werkzeugen von Photoshop

Puzzleporträts, wenn man so will, die sie fotografiert, um sie in digitaler Form weiter zu bearbeiten. Am Computer, selten mit dem Stift am Grafiktablett, meist mit den Filtern und Werkzeugen, die Photoshop alle so bietet. Digitales Malen also, eine kreative Disziplin, die in den 1980er Jahren aufkam; und die in der bildenden Kunst noch immer umstritten bis verpönt ist.

Gegen übliche Gepflogenheiten überpinselt Martina Ziegler dann ihre gephotoshopten Fotos, die sie wieder auf eine Leinwand gedruckt hat. Ein Zwischenschritt, den sie so erklärt: „Ohne die Malerei wären die Bilder zu glatt.“

Frauengesichter, Menschenbilder

Obschon ihre Werke danach am Computer einen allerletzten Feinschliff erhalten, vorher natürlich wieder mit der Kamera zu einer Bilddatei komprimiert. Pixel, Pixel, Linie, Strich, fertig ist… ein Frauengesicht – oder eben etwas völlig Abstraktes, wie der Dschungel.

„Jeder Mensch trägt verschiedene Persönlichkeiten in sich. Im Idealfall regen meine Bilder zum Nachdenken darüber an“, erklärt Martina Ziegler. Anders, fast philosophisch ausgedrückt: Der Mensch ist nicht nur das, was er zu sein scheint, er löst sich in viele Facetten und noch mehr Projektionen auf.

Ästhetik gegen Anspruch?

Daraus kann sich ein Anspruch ergeben, den die Analog- und Digitalmalerin aber gar nicht erfüllen möchte: Kritische Porträtmalerei bildet immer auch das innere Aussehen einer Person, sprich Charakter, ab. Schwächen, körperliche wie geistige inklusive. Ihre „multiplen Portraits“ hingegen wirken trotz unzähliger Brüche im Bild, durch Schnittmuster oder andere Störeffekte, ausnahmslos – ästhetisch. Alles nur eine hochglänzende Spielerei mit Farben und Formen, und doch keine allzu verkopfte Kunst? Mmmmh, Ansichtssache. Martina Ziegler findet, letztlich sei es doch so: „Entweder es gefällt, oder es gefällt nicht.“

>> INFO: Aktuelle Ausstellung

Die Ausstellung„DNA. Multiples become Abstracs“ mit rund einem Dutzend digital gemalten Bildern von Martina Ziegler aus Meerbusch-Ilverich (https://wp.martinaziegler.de) ist bis zum 25. Oktober in der Galerie Sander I Sohn, Fürstenwall 86, in 40217 Düsseldorf-Unterbilk zu sehen. Die Öffnungszeiten sind flexibel, bitte vorab Kontakt mit den Inhabern oder mit der Künstlerin aufnehmen. Carsten Sander: 0172/ 8 96 52 12, Wolfgang Sohn: 0151/40 01 65 91, Martina Ziegler: 0173/5 41 48 48.

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