Naturpark

Wenn die Hirsche röhren: Besuch im De Hoge Veluwe

Der König des Waldes – der Foto-Rummel der Menschen scheint ihm gar nix auszumachen.

Der König des Waldes – der Foto-Rummel der Menschen scheint ihm gar nix auszumachen.

Foto: Jan Willem Bokenbaas / De Hoge Veluwe

Im Nationalpark De Hoge Veluwe.  So nah kann man den König der Wälder selten sehen: Wenn Brunftzeit ist, im Nationalpark De Hoge Veluwe, wird es eng an den Beobachtungsstationen.

Wir sind ein bisschen spät – Mitte Oktober haben die meisten Hirsche ihre Brunftzeit schon hinter sich. Aber wir sind nicht allein. Unzählige Fotojäger und Naturfreaks haben sich über Hunderte von Metern entlang des Waldrandes positioniert – und warten voller Spannung auf ein spektakuläres Schauspiel: Das Röhren der Hirsche.

Markerschütternd soll es sein, kilometerweit soll man es hören. Brunftzeit ist bei den Rothirschen noch – und wer ein wahrer König sein will, der brüllt, was die Stimme hergibt. Das soll übrigens nicht nur in der Welt der Rothirsche so funktionieren.

Frühnebel und Raureif bringen das Liebesleben der Hirsche in Schwung

„Die ersten richtig kalten Herbstnächte mit Frühnebel und Raureif bringen das Liebesleben der Hirsche so richtig in Schwung“, sagt Remon Ridder, Ranger und Guide im Naturpark De Hoge Veluwe nahe Arnheim. An manchen Tagen laufe das Spektakel ohne Unterbrechung 24 Stunden lang.

Etwa 200 Rothirsche leben im Park – und immer im Herbst, wenn das Testosteron fließt, verlassen die Männchen das Rudel und machen sich auf die Suche nach Weibchen – dabei werden Konkurrenten weggebrüllt – und das klingt etwa so, als wenn sich das Gebrüll eines Löwen und eines Stieres treffen…

Sinn des Ganzen: Je größer das Harem, das sich der Platzhirsch erarbeitet hat, desto mehr Nachwuchs wird Ende Mai, Anfang Juni geboren.

Hirsche gucken gemütlich vom Auto aus

Im Nationalpark De Hoge Veluwe kann man das ganze Jahr über Tiere beobachten – in der Brunftzeit aber setzt ein wahrer Ansturm auf die besten Foto-Plätze ein. Eine „Wildbahn“ (Wildbaanweg) ist angelegt, an dem der Mensch gemütlich vom Auto aus zuschauen kann, was die Natur ihm als Schauspiel so anbietet. „Sei am besten so gegen 17 Uhr da“, war der Tipp von Remon Ridder. „Aber: Es bleiben wilde Tiere. Also brauchst du etwas Glück.“

Vor dem Glück kommt die Geduld. Die erfahrenen Hirschgucker sind vorbereitet: Stativ, Regenschutz, gefüllte Thermoskanne. Und während die Anfänger aufgeregt ihre Foto-Handys zucken, prüfen die Erfahrenen in aller Seelenruhe erst noch ihre Ausrüstung. Nur die Ruhe, die Tiere kommen noch näher. Viel näher.

Und dann doch Unruhe. Nicht bei den wilden Tieren – bei den Menschen. Ein Pick-up rollt Richtung Rudel, das in vielleicht 200 Metern Entfernung gerade ein Päuschen macht. „Wir füttern die Tiere nicht“, sagt Remon, „aber wir verteilen ein paar Köder, so dass die Leute auch etwas zu gucken haben.“

Und dann schaut der König des Waldes vorbei, majestätisch und völlig entspannt

Der Köder-Mensch klettert wieder in den Pickup und trollt sich. „Unser“ Rudel kommt langsam näher. Und näher. Bis auf fünfzig Meter. Die Menschen sind mucksmäuschenstill, nur das Klicken der Kameras ist zu hören. Und dann, ER. Der Platzhirsch.

Langsam, majestätisch, völlig unaufgeregt. Leider gibt der Bursche keinen Ton von sich – er hat sein Rudel schon. Aber dennoch: Was für ein Anblick!

TIPP: Wenn Sie ‘mal gemütlich dem Röhren der Hirsche zuhören möchten, ohne durch den Wald zu stiefeln: Das kann man ganz gemütlich auch von der Terrasse des Gasthauses Pannebäcker tun. Oder man wählt den Gasthof als Ausgangspunkt für Exkursionen durch den Weselerwald. Karin und Jürgen Moschüring, die Chefs im Traditions-Gasthaus Pannebäcker, haben da viele Tipps parat. „Die Brunftzeit unserer Hirsche ist jetzt wohl schon vorbei“, sagt Karin Moschüring. „Aber ein paar Mal haben wir die Burschen in den letzten Wochen gut wahrgenommen.“ http://www.gasthof-pannebaecker.de/

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