Prozessbeginn

Tod einer Polizistin – Lkw-Fahrer beteuert Erinnerungslücke

Dem Fernfahrer wird vorgeworfen, stark angetrunken mit seinem Lastzug gefahren zu sein und bei Viersen ein stehendes Polizeiauto auf dem Standstreifen mit drei Insassen gerammt zu haben.

Foto: Theo Titz / dpa

Dem Fernfahrer wird vorgeworfen, stark angetrunken mit seinem Lastzug gefahren zu sein und bei Viersen ein stehendes Polizeiauto auf dem Standstreifen mit drei Insassen gerammt zu haben.

Mönchengladbach.  Sturzbetrunken hatte ein Lkw-Fahrer auf der A61 ein Polizeiauto mit seinem Sattelzug gerammt. Vor Gericht bat er um Entschuldigung.

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Nach dem tragischen Lastwagen-Unfall auf der Autobahn 61 mit einer toten Polizistin fehlt dem mutmaßlichen Unfallverursacher weiter jede Erinnerung. "Ich weiß gar nicht, wie ich losgefahren bin", sagte der heute 49-jährige Mann laut Dolmetscherin am Dienstag zum Prozessauftakt am Landgericht Mönchengladbach.

Dem Fernfahrer wird vorgeworfen, stark angetrunken mit seinem Lastzug gefahren zu sein und bei Viersen ein stehendes Polizeiauto auf dem Standstreifen mit drei Insassen gerammt zu haben. Eine 23-jährige Beamtin starb, ihre zwei Kollegen wurden schwer verletzt. Der Lastwagenfahrer muss sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten

In Anwesenheit der beiden überlebenden Polizisten aus dem demolierten Streifenwagen bat der Ukrainer um Entschuldigung. "Es tut ihm wahnsinnig leid", sagte der Verteidiger. "Er würde gerne die Zeit zurückdrehen, aber er weiß, dass er es nicht kann." Zu der Verhandlung waren als Nebenkläger auch die Eltern der toten Polizistin gekommen.

49-jährige Beamtin ist seit dem Vorfall dienstunfähig

Der Tod der Polizistin hatte vor einem halben Jahr für Schlagzeilen und große Anteilnahme gesorgt. Nach eigenen Angaben hatte der Lastwagenfahrer am Tag des Unfalls auf einem Rastplatz mit Kollegen Wodka getrunken. Er war dennoch danach in seinen Lkw gestiegen. Ein Autofahrer hatte später bezeugt, der Sattelzug sei auf der A61 zunächst in Schlangenlinien gefahren, bevor er in Höhe des Streifenwagens plötzlich auf die Standspur zog und gegen das Polizeiauto prallte. Unerklärlich für die Gutachter, denn die Beamten hatten mit Blaulicht und eingeschalteter Warnblinkanlage auf den zuvor aufgefallenen Lastwagen gewartet.

Die 23-Jährige Polizistin starb im Wrack des Dienstwagens auf der Rückbank, zwei Kollegen wurden schwer verletzt. Eine 49-jährige Beamtin wird psychologisch behandelt, sie ist seit dem Vorfall dienstunfähig. Ihr Kollege hatte nach eigenen Angaben eine Gehirnerschütterung und Prellungen davon getragen, kurz nach dem Unfall erlitt er einen Nervenzusammenbruch. Bis heute kehrten die Bilder in seinem Kopf wieder, sagte er.

Alkoholtest ergab Wert von mehr als zwei Promille

Ein Alkoholtest bei dem Lkw-Fahrer hatte nach Polizeiangaben einen Wert von mehr als zwei Promille ergeben. Hinweise auf einen technischen Defekt am Lastwagen gab es nicht.

Nach dem tödlichen Unfall hatten zahlreiche Menschen, darunter viele Kollegen, ihre Anteilnahme ausgedrückt. Über Twitter, E-Mail, Brief oder Telefon gingen Hunderte Beileidsbekundungen ein, etliche Menschen erschienen persönlich auf der Wache der getöteten Frau, sie beteten und legten Blumen und Kerzen vor der Wache nieder.

Die Mönchengladbacher Kammer will an insgesamt sechs Prozesstagen verhandeln. (dpa)

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