Coronapandemie

„Abendlockdown“: Niederlande verschärfen Corona-Maßnahmen

| Lesedauer: 3 Minuten
Der niederländische Premier Mark Rutte hat am Freitag angekündigt: Der Teillockdown in den Niederlanden wird weiter verschärft.

Der niederländische Premier Mark Rutte hat am Freitag angekündigt: Der Teillockdown in den Niederlanden wird weiter verschärft.

Foto: Sem van der Wal / AFP

Den Haag.  Die Niederlanden verschärfen wegen kritischer Coronalage ab Sonntag den landesweiten Teillockdown. Gastro schließt früher, Schulen bleiben offen.

Die Niederlanden verschärfen aufgrund der weiter stark steigenden Corona- und Patientenzahlen den seit zwei Wochen geltenden, landesweiten Teillockdown. Das machte Ministerpräsident Mark Rutte am Freitagabend bei einer Pressekonferenz in Den Haag bekannt. Beim sogenannten „avondlockdown“ – dem Abendlockdown – müssen nicht systemrelevante Geschäfte, Gastronomien sowie Freizeit- und Kultureinrichtungen um 17 Uhr schließen.

Die 1,5-Meter-Abstandspflicht und Mundschutzpflicht werden auf alle Orten ausgeweitet, an denen an zuvor alleine die 3G-Regel galt – darunter etwa Kinos, Theater und Gaststätten. Schulen bleiben unterdessen offen, dafür kommt die Mundschutzpflicht in den Bildungseinrichtungen zurück. Die Folgen, die eine Schulschließung für Kinder und Jugendliche habe, wolle die Regierung verhindern, sagte Premier Rutte. Die neuen Corona-Auflagen treten am Sonntag in Kraft und gelten für drei Wochen.

Niederlande: Neue Verschärfungen des Teillockdowns ab Sonntag

Erst am 12. November hatte Premier Rutte in einer Pressekonferenz den landesweit geltenden Teillockdown angekündigt. Danach hatte es gewaltsame Proteste gegeben. Mitglieder des regierungsberatenden Gremiums Outbreak Management Team (OMT) hatten bekräftigt, dass entweder die Impfquote kurzfristig stark gesteigert werden müsse, oder härtere Maßnahmen notwendig werden. Dem kam die niederländische Regierung nach, wenngleich sie sich nicht für einen harten Lockdown entschied, der von einigen Fachleuten gefordert wurde.

Zuletzt waren am Freitag etwa 21 350 neue Corona-Fälle registriert worden, das sind zwar etwa 900 weniger als am Vortag. Doch die Test-Kapazität der Behörden ist längst erschöpft. Im Schnitt waren in den vergangenen sieben Tagen 19 Prozent mehr neue Infektionen gemeldet worden. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt im Nachbarland von NRW aktuell bei rund 890 (Stand 26. November).

Ob sich die Verschärfung des Teillockdowns das Infektionsgeschehen ausreichend eindämmen wird, zeigt sich erst in den kommenden Wochen. Vor allem die Lage an den Krankenhäusern spitzt sich weiter zu. Gesundheitsminister Hugo de Jonge verhängte Notmaßnahmen, so dass nun auch akute Behandlungen abgesagt werden können. In einem Krankenhaus in Utrecht werden nun 120 Militärangehörige eingesetzt, um Pflegepersonal zu entlasten. Der Notzustand müsse verhindert werden, sagte de Jonge.

+++ Sie wollen keine Nachrichten mehr aus dem Nachbarland verpassen? Dann abonnieren Sie unseren kostenlosen Niederlande-Newsletter!+++

Bereits am Montag warnten Premier Rutte und Gesundheitsminister Hugo de Jonge bei einem öffentlichen Statement die Bevölkerung bereits vor „lockdownartigen Maßnahmen“, sollte sich die Situation nicht im Laufe der Woche sichtbar bessern. Der niederländische Ministerpräsident zeigte sich zudem verärgert darüber, dass die Menschen im Land die aktuellen Coronaregeln nicht ausreichend befolgen. Das hätten wissenschaftliche Untersuchungen ergeben.

Weil der Teillockdown nicht den gewünschten Effekt auf das Infektionsgeschehen hatte, musste die Regierung nachschärfen. Im Laufe der Wochen haben die Neuinfektionen einen neuen Höchststand erreicht und auch die Zahl der Infizierten auf den Intensivstationen steigt immer weiter. Krankenhäuser sind zunehmend überlastet, sodass die Niederlande bereits begonnen haben, Covid-Patientinnen und Patienten nach Deutschland zu verlegen. Das Nachbarland von NRW gilt als Hochrisikogebiet. (red. mit dpa)

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Niederrhein

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben