Rheinbrücken

So marode sind die Rheinbrücken zwischen Emmerich und Köln

Die Rheinbrücke in Leverkusen: Symbol für die maroden Brücken in NRW.

Die Rheinbrücke in Leverkusen: Symbol für die maroden Brücken in NRW.

Foto: Kai Kitschenberg / FunkeFotoServices

An Rhein und Ruhr.  Brückensanierungen und -neubauten bleiben im Transitland NRW 2020 Hauptgrund für Staus und Sperrungen. Oberste Priorität haben die Rheinbrücken.

Für rund 10.200 Brückenbauwerke in unserem Bundesland ist der Landesbetrieb Straßen NRW zuständig, zwei Drittel davon müssen in den kommenden Jahren ersetzt oder saniert werden. Besonders wichtig für den Pendel- und Güterverkehr ist die Instandsetzung der Rheinbrücken. Allein zwischen Emmerich und Köln führen 25 Bauwerke über den Rhein, über acht davon verlaufen Bundesstraßen, über sechs Autobahnen. Die meisten wurden zwischen 1950 und 1980 gebaut und sind nicht mehr für das heutige Verkehrsaufkommen gerüstet. „Die Rheinbrücken sind ein herausragend wichtiges Element der Infrastruktur des Landes. Ihr Erhalt in Zeiten eines weiter anwachsenden Güterverkehrs hat oberste Priorität“, betont Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin von Straßen NRW.

Für dieses Jahr ist ein ähnliches Investitionsvolumen geplant. „Wir investieren Rekordsummen in unsere Infrastruktur, um den Investitionsstau der letzten Jahrzehnte abzuarbeiten“, sagt NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU). Doch die Erneuerungen dauern noch Jahre, Brückensanierungen und -neubauten bleiben im Rheinland und Ruhrgebiet 2020 der Hauptgrund für Staus und Sperrungen.

Leverkusener Brücke ist eins der anspruchsvollsten Projekte derzeit

Zu den wichtigsten Projekten entlang des Rheins zählt derzeit die 1965 eröffnete Leverkusener Brücke, die bereits seit 2016 für den Schwerlastverkehr über 3,5 Tonnen gesperrt ist. Die Ampel- und Schrankenanlage auf der A1 führt dort täglich zu langen Staus. Nach vielen Sanierungen begann 2017 der Neubau der Brücke in zwei getrennten Teilbauwerken mit je fünf Fahrstreifen. Kostenpunkt: 740 Millionen Euro. Das Gesamtprojekt soll erst 2025, ein Jahr später als geplant, abgeschlossen werden, da das Niedrigwasser im Rhein während des trockenen Sommers im vergangenen Jahr die Kampfmittelsondierungen behindert hat.

In Düsseldorf sind mehrere Brücken betroffen. So ist die 1979 fertiggestellte Fleher Brücke, über die die A46 verläuft, derzeit nur auf vier statt sechs Fahrstreifen befahrbar. Noch bis 2024 wird sie umfassend saniert, unter anderem haben sich in den Schrägstreben der Brücke Risse gebildet.

Langfristige Sanierung der Krefeld-Uerdinger-Brücke

Auch die Theodor-Heuss-Brücke (Baujahr 1957) im Norden der Landeshauptstadt ist marode, es steht jedoch noch nicht fest, ob eine Sanierung oder ein Neubau nötig ist. Schon jetzt ist die B7, die hier den Rhein quert, für den Lkw-Verkehr über 40 Tonnen gesperrt.

In Krefeld ist die kurzfristige Sanierung der Krefeld-Uerdinger-Brücke weitgehend abgeschlossen, langfristig muss sie allerdings komplett saniert werden. Die denkmalgeschützte Brücke aus dem Jahr 1936 wurde 1945 gesprengt, 1950 wurde sie unter weitgehender Verwendung alter Konstruktionsteile wieder eröffnet. Die Sanierung ist abhängig von der Ausbauplanung der B288, die über die Brücke verläuft. Die Bundesstraße soll in den kommenden Jahren nach Plänen von Straßen NRW zu einer durchgängig vierspurigen Straße ausgebaut werden.

Vielfältige Mängel an der Rheinbrücke Neuenkamp

In Duisburg läuft derzeit der wohl wichtigste Brückenneubau des Landes: Die A40-Rheinbrücke Neuenkamp soll künftig aus zwei parallel verlaufenden Brückenteilen mit insgesamt acht Fahrspuren bestehen. Mit 802 Metern Länge wird sie die größte Schrägseilbrücke Deutschlands. Früher als geplant ging es im vergangenen Monat los, 2026 soll der Bau abgeschlossen sein. Der Bund veranschlagt dafür 365,5 Millionen Euro, Planung und Durchführung übernimmt die Planungsgesellschaft Deges.

Die jetzige, 1970 fertiggestellte Brücke ist fast baugleich mit der in Leverkusen und weist ähnliche Schäden auf. Wie in Leverkusen schränkt hier seit 2018 eine Wiegeanlage den Schwerlastverkehr ein und sorgt im Berufsverkehr für Behinderungen.

Nach der Rheinbrücke Emmerich kommt die Rheinbrücke Rees-Kalkar

Kurz vor der niederländischen Grenze wird derzeit die Rheinbrücke Emmerich saniert, die zwischen 1962 und 1965 erbaut wurde und von täglich rund 17.000 Fahrzeugen genutzt wird. Unter anderem müssen rund 100 Hängeseile auf beiden Seiten der Brücke ausgetauscht, die Fahrbahn- sowie Rad- und Gehwegbeläge erneuert werden. Zwei Fahrstreifen der B220 bleiben nutzbar. Zwischen 28 und 30 Millionen Euro soll das Projekt kosten, vor rund einem Jahr starteten die Arbeiten. 2023 sollen sie abgeschlossen werden.

Sind diese Arbeiten abgeschlossen, geht es weiter an der nahe gelegenen Rheinbrücke Rees-Kalkar, über die die B67 verläuft. Bei dem Bauwerk aus dem Jahr 1967 muss der Korrosionsschutz verbessert werden. Einige wenige Rheinbrücken zwischen Emmerich und Köln, über die Bundesstraßen und Autobahnen verlaufen, benötigen keine Sanierung, weil sie noch recht neu sind. Dazu zählen die Niederrheinbrücke Wesel (Baujahr 2009) und die Düsseldorfer Flughafenbrücke (2002).

Mehr Stellen bei Straßen NRW und Bezirksregierungen

Zwar ist das Geld für die Brückenneubauten und -sanierungen da, der Fachkräftemangel stellt den Landesbetrieb aber vor Probleme. Immerhin: „Wir konnten in den vergangenen Jahren 50 zusätzliche Planer-Stellen besetzen“, so Dr. Sascha Kaiser, Direktor von Straßen NRW. „Die Projektabwicklung ist damit gesichert.“

Nach Angaben des NRW-Verkehrsministeriums sind seit 2018 insgesamt 166 weitere Stellen bei Straßen NRW geschaffen worden. 28 zusätzliche Stellen wurden bei den Bezirksregierungen besetzt, um schnellere Genehmigungen zu gewährleisten. Zudem, so das Ministerium, würden, um auf den einzelnen Baustellen schneller bauen zu können, mehr Planungsaufträge an Ingenieurbüros vergeben. Im Jahr 2019 wurden für externe Planungsleistungen 100 Millionen Euro investiert.

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