Düngeauflagen

Rheinische Bauern fürchten "Zwangsdiät " für Ackerpflanzen

Ein Landwirt am Niederrhein bringt auf seinem Feld Gülle aus. Danach wird der Boden mit einem Grubber bearbeitet.

Ein Landwirt am Niederrhein bringt auf seinem Feld Gülle aus. Danach wird der Boden mit einem Grubber bearbeitet.

Foto: Markus Joosten / FUNKE Foto Services

An Rhein und Ruhr.  in Gebieten mit viel Nitrat im Grundwasser müssen Landwirte mit besonders strengen Düngeauflagen rechnen. Teile des Niederrheins zählen dazu.

Landwirte auch aus Nordrhein-Westfalen blicken an diesem Freitag (27. März 2020) zum Bundesrat nach Berlin. Dort steht die neue Bundesdüngeverordnung auf der Agenda. Klar ist, dass die Auflagen insgesamt verschärft werden - sowohl für die sogenannten "roten Gebiete", in denen das Grundwasser besonders stark mit Nitrat belastet ist, wie aber auch für die Düngung ganz allgemein. Denn: Die EU-Kommission in Brüssel drängt massiv darauf, dass in Deutschland mehr den Grundwasserschutz getan wird.

Bauern fürchten, dass Feldfrüchte in besagten "roten Gebieten" nur noch pauschal 20% unter Bedarf gedüngt werden dürfen. "Eine Zwangsdiät für die Pflanzen", nennt das der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV), dem 10.000 aktive Betriebe angeschlossen sind. Ertragsausfälle seien dann unausweichlich. Bei den generellen Auflagen fordern die rheinischen Landwirte, dass die Düngung der Zwischenfrüchte im Herbst mit Wirtschaftsdünger erhalten bleiben muss.

Nitratbelastung im Grundwasser geht zurück

Das NRW-Kabinett hatte in dieser Woche bereits vorausblickend die Landesdüngeverordnung angepasst, die Bundesvorgaben umsetzen muss. Wichtigste Neuerung: Durch eine wissenschaftliche Modellrechnung ("Modellierung") soll die tatsächliche Grundwasserbelastung - über jeweilige Messergebnisse hinaus - eingegrenzt werden. Ohnehin ist die Nitratbelastung in NRW laut jüngsten Messungen des Landesumweltamtes zurückgegangen, und zwar deutlich.

Die sogenannten "roten Gebiete" haben sich den Messwerten zufolge im Verlauf mehrerer Jahre flächenmäßig nahezu halbiert. Und mit der "Modellierung" machen sie künftig sogar nur noch etwas mehr als ein Drittel (36,6%) der Fläche von einst aus. NRW-weit bleiben freilich immer noch 303.000 Hektar landwirtschaftliche Fläche übrig, auf der Bauern mit besonders strengen Dünge-Auflagen rechnen müssen. Unter anderem am Niederrhein gibt es noch viele "rote Gebiete".

"Wir sind mit der Düngung besser geworden"

"Wir sind im letzten Jahrzehnt mit der Düngung besser geworden. Das zeigt sich in den Messergebnissen", meinte der rheinische Bauernpräsident Bernhard Conzen. Bernhard Rüb, Sprecher der Landwirtschaftskammer, erinnerte daran, dass die Düngeverordnung vor anderthalb Jahren schon mal verschärft worden war. Diese Verschärfung von damals plus Kontrollen und eine intensive Beratung der Bauern - "dieser Dreiklang zeigt Wirkung", meinte Rüb mit Blick auf die Grundwasser-Messwerte.

Umweltschützer indes sind nicht recht überzeugt, dass die Nitratbelastung tatsächlich so stark zurückgegangen ist. Ralf Bilke vom BUND merkt kritisch an, dass in die jüngsten Messwerte auch der Dürresommer 2018 eingeflossen ist, indem mangels Regen extrem wenig Sickerwasser ins Grundwasser gelangt sei. "Man muss davon ausgehen, dass ein großer Teil des Nitrats aus der Düngung da in den oberen Bodenschichten hängengeblieben ist", meinte Bilke.

BUND: Zu große Tierbestände sind das Problem

Aus Sicht des BUND müssen die Tierbestände in Teilen NRWs kleiner werden - damit weniger Gülle anfällt, die dann auf den Äckern landet. "Wer das Grundwasser dauerhaft schützen will, muss bei den Ursachen der Nährstoffüberschüsse anpacken“, fordert Bilke. Der BUND trete für eine Flächenbindung ein: Es sollten nicht mehr Tiere gehalten werden, als auch von den umgebenden Flächen ernährt werden und ihre Ausscheidungen auch wieder auf diesen Flächen ausgebracht werden können.

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