Kundgebung

Breites Bündnis rechter Gruppen geht in NRW auf die Straße

Auch die „Bruderschaft Deutschland“ aus Düsseldorf marschiert in Mönchengladbach.

Auch die „Bruderschaft Deutschland“ aus Düsseldorf marschiert in Mönchengladbach.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Mönchengladbach.  In Mönchengladbach demonstrierten selbst ernannte Bürgerwehren aus ganz NRW. Unter den Teilnehmern waren auch Vertreter der Partei „Die Rechte“.

Ein Ordner mit einem T-Shirt, auf dem in Frakturschrift „Auch ohne Sonne braun“ steht. Vertreter der neonazistischen Kleinstpartei „Die Rechte“ und der rechtsextremistischen „Volksgemeinschaft Niederrhein“ aus Kamp-Lintfort. Aufrufe zum Widerstand gegen die „Staatsverbrecher“. Bei der Demonstration eines breiten Bündnisses aus dem Spektrum der selbsternannten Bürgerwehren in Mönchengladbach wurde am Sonntag deutlich, wie sehr sich diese Szene radikalisiert und wie sehr sie von Rechtsextremen durchsetzt ist. Zu der Demonstration unter dem Motto: „Stoppt die Gewalt! In NRW und in Deutschland“ erschienen nach Schätzungen der Polizei rund 700 Menschen.

Aufgerufen hatten insgesamt 27 Gruppen vor allem aus NRW, aber auch aus anderen Bundesländern, darunter unter anderem die Düsseldorfer „Bruderschaft Deutschland“, die „Internationale Kölsche Mitte“, „Pegida NRW“ und die „Bruderschaft Herne.“ Anmelder der Kundgebung war der Mönchengladbacher Ratsherr und Mitgründer der „Hooligans gegen Salafisten“, Dominik Roeseler.

Die üblichen Parolen

Es war das erste Mal in NRW, dass ein so breites Bündnis rechter und rechtsextremer Gruppierungen auf die Straße geht. Roeseler bezeichnete die breite Mobilisierung als „Zeichen der Einigkeit“ der Szene. Im Vorfeld hatte er auf Facebook bereits davon gesprochen, dass ein Zusammenschluss der unterschiedlichen Gruppierungen dazu beitragen könne, eine „Schlagkraft auf die Straße“ zu bringen, „mit der wir unsere Ziele und unsere Forderungen durchsetzen“ können.

Das Phänomen der selbsternannten Bürgerwehren ist vergleichsweise neu, beunruhigt aber die Sicherheitsbehörden. In diesen Gruppen haben sich rechte Hooligans, Rocker, Türsteher und „besorgte Bürger“ gegen vermeintliche Bedrohungen durch Zuwanderung zusammengeschlossen. Sie beanspruchen für sich als Schutzmacht aufzutreten. Die Sicherheitsbehörden warnen vor einer Radikalisierung dieser Gruppierungen.

Hooligans und Kampfsportler riefen „Stoppt die Gewalt“

In den vergangenen Monaten ist die Verzahnung dieser Gruppen mit der klassischen neonazistischen Szene immer offener zu Tage getreten. So marschierten Anfang August bei einem sogenannten „Spaziergang“ der „Steeler Jungs“ in Essen Kader der Neonazi-Partei „Die Rechte“ mit auf. Auch in Mönchengladbach waren Dortmunder Funktionäre der rechtsextremistischen Partei dabei. Während des Demonstrationszuges waren die bei rechten Aufmärschen üblichen Parolen zu hören. „Ehe, Heimat, Tradition, Multikulti Endstation“ etwa, oder „Merkel muss weg“.

Breitschultrige und muskelbepackte Hooligans und Kampfsportler riefen „Stoppt die Gewalt“, was insbesondere bei denjenigen unfreiwillig komisch wirkte, deren T-Shirts mit Fäusten oder der Aufschrift „Pro Violence“ bedruckt waren. Auf der Bühne rief Marco Kurz, Chef des „Frauenbündnis Kandel“ zum Widerstand gegen das „Unrechtsregime“ auf, der legitim sei, wenn alle „legalen und friedlichen Möglichkeiten ausgeschöpft“ seien. Wie dieser Widerstand konkret aussehen könnte, ließ Kurz offen. Roeseler wiederum verlangte nach einer „konservativen Wende“.

„Steeler Jungs“ mit gut einem Dutzend Vertreter in Mönchengladbach

Die „Steeler Jungs“, deren wöchentliche „Spaziergänge“ seit gut einem Jahr für Unruhe in dem Essener Stadtteil sorgen, hatten nicht zu der Kundgebung aufgerufen, kamen aber mit gut einem Dutzend Vertreter nach Mönchengladbach. Offenbar gelangweilt verließen sie die Kundgebung allerdings vor dem Ende der Demonstration.

Gegen die rechte Kundgebung hatte das Bündnis „Mönchengladbach steht auf“ mobilisiert. Rund 650 Gegendemonstranten protestierten lautstark. Die Polizei war mit starken Kräften vor Ort und verhinderte Zusammenstöße. (jes)

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