Gericht

Raubmord-Prozess in Krefeld: „Ich hatte wohl einen Blackout“

Der Angeklagte wird von einem Justizbeamten (r) in den Gerichtssaal geführt.

Der Angeklagte wird von einem Justizbeamten (r) in den Gerichtssaal geführt.

Foto: dpa

Krefeld.  Der 60-jährige Mann aus Krefeld soll einen Rentner laut Anklage aus Habgier ermordet haben. Er behauptet hingegen, die Tat sei spontan gewesen.

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Im Prozess um einen mutmaßlichen Raubmord an einem gehbehinderten Rentner in Krefeld hat der Angeklagte zu Beginn ein Teilgeständnis abgelegt. Der 60-Jährige bestätigte über seine Verteidigerin die in den polizeilichen und richterlichen Vernehmungen gemachten Aussagen. „Die dürfen im Prozess verwertet werden“, sagte Anwältin Ute Steinbrenner.

Ihr Mandant, der den Prozessauftakt am Krefelder Landgericht mit gesenktem Kopf verfolgte und schwieg, nickte auf Nachfrage des vorsitzenden Richters nur. Seinen eigenen Angaben zufolge hatte er am Abend des 10. März bei seinem Nachbarn und langjährigen Freund geklopft, um einen Konflikt zu klären. „Ich wollte mit ihm reden, weil er behauptete, dass ich ihn beklaut habe“, hatte der 60-Jährige nach seiner Festnahme bei der Polizei gesagt.

Opfer soll Täter laut eigener Aussage bedroht haben

Der gehbehinderte Nachbar sei mit seinem Rollator zur Tür gekommen, habe ihm aufgemacht und nicht reden wollen. Stattdessen habe der Rentner den Diebstahl-Vorwurf wiederholt und ihm gedroht, so die Aussage des Angeklagten. „Er würde aus seiner Zeit als Discjockey Leute kennen, die würde er mir auf den Hals hetzen.“

In dem Moment sei er „ausgetitscht“, habe seinen Nachbarn umgeschubst, „ein auf dem Wohnzimmertisch liegendes Messer gegriffen und habe einfach immer wieder zugestochen“. Der Angeklagte hatte in seinen Vernehmungen bestritten, aus der Wohnung eine Geldbörse mit 600 Euro gestohlen zu haben. Die Tat sei nicht geplant gewesen. „Ich wollte dem nur einen Denkzettel verpassen, ihn aber nicht töten“, so seine bisherige Aussage. „Ich hatte wohl einen Blackout.“

Staatsanwältin geht von Mord aus Habgier aus

Das sieht die Staatsanwältin völlig anders: Sie geht von einer geplanten Tat aus. Laut Anlage hatte der 60 Jahre alte frühere Gebäudereiniger an dem Sonntagabend bei dem Nachbarn geklopft und als der die Wohnungstür öffnete, ohne Vorwarnung auf den Rentner eingestochen. Und das, um dem Opfer die kurz zuvor abgehobenen 600 Euro zu stehlen. Aus Habgier.

Nachbarn hatten den Toten zwei Tage später in seiner Erdgeschosswohnung entdeckt, als sie durch ein Fenster blickten. Der Rentner lag in einer Blutlache am Boden. Wiederholt soll es zwischen den beiden Männern Streit ums Geld gegeben haben. Der Angeklagte war offenbar verschuldet und soll sich überall Geld geliehen haben, hatten Ermittler kurz nach der Tat berichtet.

Das Opfer soll auch schon früher dem 60-Jährigen vorgeworfen haben, Geld von ihm gestohlen zu haben. Für den Prozess sind bis Ende des Monats noch drei weitere Verhandlungstage angesetzt. (dpa)

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