Fußball

Polizeieinsatz bei Kreisligaspiel zwischen Kurden und Türken

Das Kreisligaspiel zwischen einem kurdischen und einem türkischen Team musste abgebrochen werden.

Das Kreisligaspiel zwischen einem kurdischen und einem türkischen Team musste abgebrochen werden.

Foto: Symbolbild: FUNKE Foto Services

Neuss.  Bei einem Kreisligaspiel in Neuss spielte ein kurdisches gegen ein türkisches Team. Ein Spieler salutierte, dann wurde das Spiel abgebrochen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die politischen Konflikte zwischen Türken und Kurden in Syrien wirken sich auch auf sportliche Ereignisse in NRW aus. So musste am Donnerstagabend ein Fußballspiel der Kreisliga zwischen der türkischen Mannschaft der SG Erfttal und dem kurdischen Verein Mesopotamia aus Grevenbroich im Neusser Ortsteil Erfttal abgebrochen werden – trotz Polizeipräsenz.

Wie eine Polizeisprecherin am Freitagmorgen auf Nachfrage der Redaktion erklärte, hatte die Polizei bereits vorab „mehrere Hinweise auf verschiedenen Wegen“ erhalten, dass das Spiel ein gewisses Risikopotenzial aufweise. Daraufhin sicherten neben lokalen Beamten auch eine extra angeforderte Hundertschaft den Sportplatz.

Polizei geht von 300 Zuschauern aus

Die erste Halbzeit sei nach Aussage der Sprecherin noch ruhig verlaufen. Nachdem aber die Heimmannschaft nach der Pause das dritte Tor geschossen und ein Spieler salutiert habe, sei es zu verbalen Auseinandersetzungen auf dem Platz und den Rängen gekommen. Die Gastmannschaft habe das Feld verlassen, das Spiel wurde abgebrochen – allerdings nicht von der Polizei.

Die Beamten hätten die beiden Lager voneinander trennen können, ohne dass es zu Verletzungen kam. Anzeigen lägen derzeit nicht vor. Nachdem die rund 300 Zuschauer und alle Spieler den Heimweg angetreten hätten, sei der Polizeieinsatz gegen 22 Uhr beendet gewesen.

Erste Stellungnahme der SG Erfttal

Die türkische Mannschaft SG Erfttal, die sich auch als Team Anadolu 98 bezeichnet, hat sich auf Facebook zu den Vorfällen geäußert. In der Stellungnahme heißt es: „Die Spieler unter sich sind sehr fair miteinander umgegangen. Beide Zuschauerseiten haben sich vor allem in der zweiten Halbzeit gegenseitig provoziert, vergleichbar mit einer Derby-Stimmung.“

Nachdem das Spielergebnis klar gewesen sei, habe sich jedoch Mesopotamia zurückgezogen. „Hatte eine Mannschaft die Absicht, die Lage zu eskalieren?“, fragt der Verein. Das Salutieren eines eigenen Spielers thematisiert er nicht – zitiert aber diskriminierende Rufe aus der gegnerischen Fanseite, die gefallen sein sollen. „Im Anschluss sollte man sich nicht wundern, dass auch die Türken-Seite provoziert.“

Zum Abschluss betont der Klub: „Wir als Anadolu möchten Fußball spielen und diese Plattform nicht für politische Auseinandersetzungen anbieten.“ Daher habe er auch die Polizei kontaktiert – „damit jeder in Ruhe das Spiel verfolgen kann.“

Der kurdische Verein Mesopotamia hat sich bisher noch nicht öffentlich zu den Vorfällen geäußert. (mit dpa)

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (3) Kommentar schreiben