Mängel

NRW-Polizei verbot 2018 fast 1000 Lkw die Weiterfahrt

Zwei Polizisten stehen bei einer LKW-Kontrolle an einem Fahrzeug. In NRW wurden im vergangenen Jahr fast 82.000 Laster von der Polizei kontrolliert.

Zwei Polizisten stehen bei einer LKW-Kontrolle an einem Fahrzeug. In NRW wurden im vergangenen Jahr fast 82.000 Laster von der Polizei kontrolliert.

Foto: dpa

An Rhein und Ruhr.   Polizisten überprüften in NRW im letzten Jahr 81.832 Nutzfahrzeuge über 3,5 Tonnen. Gewerkschaft fordert mehr Kontrollen abseits der Autobahn.

Etwa jeder 20. von der Polizei in Nordrhein-Westfalen überprüfte Lkw hat technische Mängel. „Unsere Polizei nimmt bereits seit Längerem die rollenden Zeitbomben auf unseren Autobahnen ins Visier“, sagte Innenminister Herbert Reul (CDU) dieser Redaktion. Reul versicherte, dass man mit den Kontrollen auch künftig nicht nachlassen werde: „Wir erleben doch fast täglich, welche schlimmen Folgen Unfälle mit Lastwagen haben.“

Wie das NRW-Innenministerium auf Anfrage mitteilte, war im vergangenen Jahr für 984 dieser Lkw die Fahrt nach der Polizeikontrolle beendet – sie waren nicht verkehrssicher. Insgesamt überprüften die Beamten 81.832 sogenannte Nutzfahrzeuge, die schwerer als 3,5 Tonnen waren. Bei 4.139 wurden technische Mängel festgestellt. Die meisten Mängel gab es bei Licht und Elektrik (788), gefolgt vom Fahrgestell (761), Achsen, Reifen und Räder (715) sowie den Bremsen (624).

Spezialisten für die Polizeibehörden

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert mehr Lkw-Kontrollen auch abseits der Autobahnen. „Wir müssen den Kontrolldruck auf den Schwerlastverkehr aufrechterhalten“, sagte Landeschef Michael Mertens im Gespräch mit der Redaktion. Dazu benötigten die Polizeibehörden in der Fläche Spezialisten. Die Gewerkschaft wirbt auch dafür, dass die Polizei ausgebildete Mechatroniker einstellt, die diese Kontrollen begleiten.

Ein aktueller Fall aus dem Märkischen Kreis: Am Dienstag (7. Mai 2019) kontrollierte der Verkehrsdienst der Polizei Lüdenscheid auf einer Straße einen 40-Tonner aus Polen, der 15 Tonnen Aluminium geladen hatten. „Die Beamten entdeckten Mängel, die einen sprachlos machen“, so ein Polizeisprecher. Der Lkw sei eine „rollende Bombe“ gewesen.

Ohne Bremsscheibe weitergefahren

Am dreiachsigen Sattelauflieger seien zwei Bremsscheiben gerissen gewesen und drohten abzubrechen. Damit aber nicht genug – „an der hintersten Achse war auf der rechten Seite schon keine Bremsscheibe mehr vorhanden“, offenbar irgendwann abgebrochen, trotzdem

weitergefahren. Und ein hinzugezogener Sachverständiger stellte fest, dass keine der insgesamt sechs Bremsen des Aufliegers ordnungsgemäß funktionierte. Auch die Sattelzugmaschine wurde als verkehrsunsicher eingestuft. „Der luftgefederte Fahrersitz war derart defekt, dass er bei der kleinsten Fahrbahnunebenheit den Fahrer in Richtung Fahrzeugdach katapultierte“, heißt es bei der Polizei. Der Fahrer rutsche dann von Gas- und Bremspedalen, so dass er keine Kontrolle mehr über den Lkw gehabt habe.

300 Euro Bußgeld für den Spediteur

Kurzum: Der 40-Tonner wurde umgehend stillgelegt, Kennzeichen und Fahrzeugscheine sichergestellt. Der Fahrer musste 210 Euro als Sicherheitsleistung für das anstehende Bußgeldverfahren hinterlegen. Der polnische Spediteur hat laut Polizei ein Bußgeld von 300 Euro zu erwarten, auf ihn komme zudem die teure Rückholung des Sattelschleppers per Tieflader aus Deutschland zu.

GdP-Chef Mertens plädiert dafür, gegen solche Speditionen - auch im Ausland - mit Gewinnschöpfung vorzugehen. Solche Firmen kalkulierten rücksichtslos, mit welchen Fahrzeugen sie am billigsten unterwegs sind: „Durch Gewinnabschöpfung trifft man sie am meisten.“

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