Öffentlicher Dienst

NRW-Beamtenbund: Öffentlicher Dienst muss attraktiver werden

In der Justiz aber auch bei Spezialisten etwa aus dem IT-Bereich ist die Lohnspanne zur Privatwirtschaft besonders groß. Der Beamtenbund-Chef betont jedoch: „Es geht nicht nur ums Geld.“

In der Justiz aber auch bei Spezialisten etwa aus dem IT-Bereich ist die Lohnspanne zur Privatwirtschaft besonders groß. Der Beamtenbund-Chef betont jedoch: „Es geht nicht nur ums Geld.“

Foto: Volker Hartmann

An Rhein und Ruhr.   Im Kampf gegen den Fachkräftemangel fordert NRW-Beamtenbund-Chef Roland Staude eine „Attraktivitätsoffensive für den Öffentlichen Dienst“.

Der frisch im Amt bestätigte NRW-Vorsitzende des Deutschen Beamtenbundes, Roland Staude, fordert eine Attraktivitätsoffensive für den Öffentlichen Dienst. „Fachkräftemangel ist ein sehr ernstes Problem“, sagte Staude gegenüber der Redaktion und kündigte Gespräche mit der Landesregierung an. Auf Landesebene seien 10.000 Stellen nicht besetzt, obwohl im Haushalt dafür Geld bereitstehe. Geeignete Leute fehlten.

Finanzverwaltung, Polizei, Justiz, aber eben auch Kommunalbeamte: Die Probleme, Fachkräfte zu rekrutieren, zögen sich durch viele Bereiche. Besonders schwierig werde es, wenn es um Spezialisten gehe – IT-Fachleute etwa, Ingenieure oder eben Juristen. Die Lohnspanne zur Privatwirtschaft sei enorm. „Ein guter oder sehr guter Jura-Absolvent startet in einer Kanzlei mit einem Einstiegsgehalt von 100.000 Euro aufwärts“, sagte Staude. Als Richter lege man mit 49.000 Euro Jahresgehalt los.

DBB-Landeschef Staude verweist darauf, dass der jüngste Tarifabschluss gut gewesen sei: „Ich glaube aber, hier muss man noch mal Geld in die Hand nehmen.“ Ein weiterer Faktor sei die Arbeitszeit, die in NRW bei 41 Stunden liege: „In zwölf anderen Bundesländern ist sie kürzer, liegt zum Teil bei 39 Stunden.“ Dem Beamtenbund schwebt vor, dass man eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit mit den ohnehin angekündigten Lebensarbeitszeitkonten kombiniert werden könnte.

„Eine Menge Luft nach oben“

Es gehe aber nicht nur um Geld und Arbeitszeit, wie Staude betonte. Der Öffentliche Dienst müsse mehr für seine Mitarbeiter tun, etwa über familienfreundliche Arbeitszeitmodelle, gendergerechte Beurteilung von Teilzeitkräften und ein aktives Gesundheitsmanagement. „Vor allem junge Leute fragen nach solchen Aspekten, wenn sie sich für einen Arbeitgeber entscheiden“, sagte der DBB-Landeschef.

Besuch ärztlicher Vorsorgeuntersuchungen

Beim Gesundheitsmanagement seien nicht nur frischer Salat in der Kantine wichtig, sondern eben auch Angebote wie eine aktive Mittagspause zum Beispiel mit einer von einem Physiotherapeuten begleiteten Rückenschule, Zeitgutschriften für den Besuch ärztlicher Vorsorge-Untersuchungen oder Gutscheine fürs Fitnessstudio.

Wenige Behörden wie das Landesamt für Besoldung und Versorgung oder einzelne Kommunen seien hier schon vorbildhaft unterwegs: „Im Öffentlichen Dienst insgesamt ist da aber noch eine Menge Luft nach oben“, so Staude.

>>> HINTERGRUND: 40 GEWERKSCHAFTEN, 185.000 MITGLIEDER

Zum NRW-Beamtenbund gehören gut 40 Gewerkschaften und Verbände mit rund 185.000 Mitgliedern. Der Bielefelder Roland Staude (53) wurde beim Gewerkschaftstag am Dienstag mit 99,1% der Delegiertenstimmen im Amt bestätigt.

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