Extremismus

Neue rechte Szene formiert sich in Düsseldorf

Teilnehmer des Pegida-Ablegers Dügida zogen 2015 unter zahlreichen Deutschlandfahnen durch die Stadt.

Teilnehmer des Pegida-Ablegers Dügida zogen 2015 unter zahlreichen Deutschlandfahnen durch die Stadt.

Foto: Marius Becker

Düsseldorf.   Rechte Straftaten in NRW steigen seit Jahren stetig an. Auch in Düsseldorf formiert sich eine rechte Szene. Prävention wurde vernachlässigt.

Nachdem es auf einer Düsseldorfer Demo am 17. November zu mehreren Gewaltausbrüchen von rechtsextremen Hooligans gekommen war – bei denen sogar ein Messer geworfen worden sein soll – und sich immer mehr rechtsgerichtete Bürgerwehren in NRW hervortun, fragen sich viele Bürger, wie groß eigentlich die rechtsextreme Szene mittlerweile ist.

Zuletzt hatten nicht nur der rechtspopulistische Pegida-Ableger Dügida für Schlagzeilen gesorgt, auch an der Heinrich-Heine-Uni schlugen Studenten wegen rechtsextremistischer Vorfälle Alarm (NRZ berichtete). „Wir erleben derzeit, dass sich in Düsseldorf eine neue rechte Bewegung zusammenbraut“, sagt Rechtsextremismus-Experte Alexander Häusler von der Fachhochschule Düsseldorf.

3764 Straftaten in 2017

Das Phänomen erstarkender rechter Bewegungen ist kein Düsseldorfer Einzelfall, auch andere Städte in NRW – wie etwa Dortmund – haben mit Neonazis, Reichsbürgern und rechtsextremen Hooligans zu tun. 4700 rechts motivierte Straftaten wurden 2016 registriert. 2017 waren es mit 3764 Straftaten weniger, doch bewegten sich die Zahlen weiter über dem Niveau von 2014, so die NRW-Landesregierung.

Bei rechten Gruppierungen, auch in Düsseldorf, zeichnet sich immer wieder ab: „Es gibt eine starke Durchmischung bei den Protesten. Dort laufen AfD-Wähler mit Neonazis und rechten Hooligans an einer Seite“, so Häusler. Mittlerweile gäbe es eine übergreifende rechte Szene, die sich aus Rockern, Hooligans, Rechtsextremen und auch Kampfsportlern zusammensetzt.

Düsseldorfer Brennpunkte im Süden

Republikaner und NPD sind dabei nicht mehr die einzigen rechtsextremen Parteien, die in Düsseldorf antreten, erst Anfang dieses Jahres hatte die Partei „der III. Weg“ einen Ableger in Düsseldorf eröffnet. Neben den Parteien sind es aber auch gewaltbereite Schlägertrupps, wie an der Düsseldorfer Demo am 17. November, die sich neben den Parteien organisieren: „Davon sind einige im Düsseldorfer Süden präsent, etwa die Bruderschaft Garath, die sich mittlerweile in Bruderschaft Deutschland umbenannt hat“, so der Rechtsextremismus-Experte.

Brennpunkte sind dabei immer wieder Stadtteile wie Reisholz und Garath. In Garath sind derzeit Rechtsextreme mit Sticker-Kampagnen unterwegs: „Es hat etwa Ende des Sommers im Hauptzentrum sowie an verschiedenen Straßen angefangen“, sagt Uwe Sandt, Leiter der Garather Bezirksverwaltung. Immer wieder haben er und städtische Mitarbeiter Aufkleber von rechtsextremen Gruppierungen auf Laternen, Ampeln und Mülltonnen gesehen. „Derzeit gehen wir explizit durch den Stadtteil auf die Suche, um politische Aufkleber zu entfernen“, sagt Sandt.

Vernachlässigte Präventionsarbeit

Dass rechtsextreme Gruppen erstarken konnten, liegt auch an mangelnder Präventionsarbeit: „Mittlerweile hat sich die Szene schon stark verfestigt. Wir reden hier nicht mehr von jugendlicher Gewalt, sondern von einer neuen rechten Bewegung. Leider ist die Präventionsarbeit, dass es erst gar nicht zu Verfestigungen kommt, im Vorfeld sträflich vernachlässigt worden“, sagt Alexander Häusler.

Gerade durch die Reduzierung von Jugend- und Sozialarbeit in benachteiligten Stadtteilen, habe man sich in der Hinsicht keinen Gefallen getan, so Häusler.

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