Firmenbesichtigung

Nappo vom Niederrhein: Wie süße Rauten zum Klassiker wurden

Lisa Pinker nascht selbst nach vier Jahren als Verkäuferin im NappoLand noch gerne Süßes.

Lisa Pinker nascht selbst nach vier Jahren als Verkäuferin im NappoLand noch gerne Süßes.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Kempen.  Das Familienunternehmen produziert seit fast hundert Jahren das schokoladenüberzogene Nougat – das so manche Kindheitserinnerungen weckt.

Süßes liegt in der Luft und lässt einem das Wasser schon vor Betreten des Fabrikverkaufs von NappoLand im Mund zusammenlaufen. Kaum verwunderlich, dass drinnen der Einkaufskorb von Hildegard Schuster und ihrem Mann bereits nach kurzer Zeit gut gefüllt ist. „Das ist natürlich alles für die Enkelkinder und Kinder“, sagt sie und lacht. Natürlich. Immerhin sind die beiden extra aus dem Weserbergland angereist, um ihre Familie in Tönisvorst zu besuchen und mit Leckereien aus der Region zu versorgen.

Wobei die Oma beim Schlendern entlang der bunt gefüllten Regale selbst schnell ins Schwärmen gerät: „Das ist einfach zu verführerisch hier.“ Denn das holländische Nougat in Rautenform ruft bei ihr lebhafte Kindheitserinnerungen hervor: „Früher habe ich mir Nappo immer in der Badeanstalt für fünf Pfennig von meinem Taschengeld gekauft.“

Das einzig wahre Original von Nappo

Tatsächlich gehört Nappo zu den ältesten Süßigkeiten in Deutschland. Seit 1920 gibt es die Firma, seit 1925 ist das harte Nougat mit Zartbitterschokolade überzogen auf dem Markt. „Bis heute ist diese Version das Original“, betont Eigentümer und Geschäftsführer Berndt Bleser. „Wenn man nach Nappo fragt, dann denkt jeder direkt daran.“

Das könnte unter anderem daran liegen, dass sich weder Rezeptur noch Form in den fast hundert Jahren verändert haben. Die größeren Rauten mit Haselnuss und Puffreis gibt es dagegen erst seit den 1980er Jahren, die softe Variante hat das Unternehmen vor rund zehn Jahren mit ins Sortiment genommen.

Nougat und Eiskonfekt vom Niederrhein

Doch es geht eben nichts über das Original, findet der Chef selbst. Kann er denn überhaupt noch seine eigenen Süßigkeiten sehen, geschweige denn naschen? Die Antwort kommt schnell: „Klar! Wir haben immer Nappo zuhause.“ Das wisse auch die Nachbarschaft. „An Sankt Martin stehen bei uns immer Kinder vor der Haustür Schlange, um zu singen.“

In den Beuteln der Kinder landen dann aber sicher nicht nur die bunt verpackten Nougatrauten, sondern auch das ebenfalls im NappoLand produzierte Eiskonfekt. Die zart schmelzenden und ziemlich süßen Schokoladenpralinen stellt die Firma bereits seit 1935 her, doch erst mit der Übernahme des Hamburger Süßwarenherstellers im Jahr 1994 auch unter dem allseits bekannten Namen „Moritz“.

4.000 Tonnen Nappo und Moritz

Insgesamt 4.000 Tonnen Nappo und Moritz laufen jährlich über das Fließband in der Produktionsstätte, die direkt neben dem Fabrikverkauf liegt. Von dort weht auch der süßliche Geruch, der Schleckermäuler schon von Weitem anzieht. Damit sie ihren Süßhunger stillen können, stellen die rund 120 Mitarbeiter täglich 1,5 Millionen kleine Nappos her.

Ungefähr anderthalb Stunden dauert es, bis aus der kochenden Masse schokoladenüberzogene Rauten in bunter Verpackung entstehen. Von hier aus geht es dann mit Lastwagen zu den großen Supermärkten Deutschlands und der Benelux-Länder. Denn während das Eiskonfekt selbst in Kanada, China oder in den USA einen Absatz findet, bleibt der Hauptmarkt von Nappo in Deutschland. „Vielleicht ist die Süßigkeit fürs Ausland zu speziell“, vermutet Bleser.

Familienunternehmen mit Zukunftsaussichten

Beschweren kann er sich aber trotzdem nicht. „Der Absatz steigt minimal und ist insgesamt in den vergangenen Jahren relativ gleichmäßig geblieben.“ Die im Jahr 2006 beschlossene Vergabe der Vertriebsrechte an die Wawi-Gruppe sowie die Verlagerung der Produktion von Krefeld nach Kempen seien somit die richtigen Entscheidungen gewesen.

Bis heute ist das Familienunternehmen eigenständig und dessen Zukunft bei drei Kindern quasi auch schon „familiär geregelt“, wie Bleser sagt. Dass seine Süßigkeiten irgendwann nicht mehr dem Geschmack der Kunden entsprechen könnten, glaubt er ebenfalls nicht. „Die Marke hat sich einfach etabliert.“ Und als solche verschwinde sie nicht so leicht aus den Köpfen.

Das bestätigt nicht zuletzt Ehepaar Schuster, das mit seinem vollen Einkaufskorb langsam zur Kasse geht. „Was Süßes braucht man doch immer irgendwann mal“, sagt sie. Und so kann sie sich nicht so richtig wehren, als ihr Mann schnell noch was in den Korb packt. Nur für die Enkelkinder und Kinder natürlich.

>>> Zu Besuch im NappoLand

  • Der Fabrikverkauf in NappoLand, Heinrich-Horten-Straße 26-30, öffnet immer montags bis freitags zwischen 10 und 18 Uhr sowie samstags zwischen 9.30 Uhr und 13 Uhr.
  • Neben verschiedenen Nappo-Sorten finden sich hier außerdem viele Produkte der Wawi-Gruppe wieder. Dazu zählen unter anderem Saisonprodukte wie Osterhasen oder Weihnachtsmänner, aber auch der bekannte Schoko-Reis.
  • Vor allem Karnevalsverein e decken sich derzeit im Fabrikverkauf mit Kamelle ein, denn auch verschiedene Bonbons gibt es hier im Angebot – und Nappos im 1000er-Pack.
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