Klimaprotest

Nach Coronapause: Fridays for Future protestiert wieder

Fridays for Future Demo im August in Mülheim. Beim globalen Klimastreik wollen in ganz NRW junge Klimaschützer auf die Straße gehen.

Fridays for Future Demo im August in Mülheim. Beim globalen Klimastreik wollen in ganz NRW junge Klimaschützer auf die Straße gehen.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

An Rhein und Ruhr.  Fridays for Future ruft am Freitag erneut zum globalen Klimastreik auf. Auch in NRW sind Proteste geplant – unter besonderen Bedingungen.

Als im Frühjahr 2019 Hunderttausende mit grünen Fahnen und bunten Schildern durch die Straßen zogen, da war Corona noch kein Thema. Fridays for Future (FFF), die große soziale Klima-Bewegung, die größtenteils von Schülerinnen und Schülern und auch einigen Studierenden getragen wurde, hatte damals das Thema Klimawandel groß auf die Agenda gebracht.

Während die Jugendlichen demonstrierten und dafür auch mal die Schule schwänzten, debattierten Lehrer, Eltern und Politiker. Die Bewegung wuchs kontinuierlich: Als in Aachen im Juni 2019 fast 40.000 Menschen für mehr Klimaschutz auf die Straße gingen, sprachen die Veranstalter von der größten Klimademo, die Deutschland je gesehen hat.

Corona-Pandemie hat Klimakrise in den Hintergrund gerückt

Nun, mehr als ein Jahr später, ist der Klimawandel in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich in den Hintergrund gerückt. Stattdessen Corona. Und der Klimawandel? „Die Klimakrise macht keine Pause“, warnen die jungen Klimaschützer und wollen das Augenmerk wieder stärker auf die teils gravierenden Auswirkungen des Klimawandels lenken. Deswegen wollen sie am morgigen Freitag wieder auf die Straßen gehen. Ein globaler Klimastreik ist angekündigt, und auch an Rhein und Ruhr sind in vielen Städten Protestaktionen geplant. Man will auf die Dringlichkeit und die globale Ungleichheit der Krise aufmerksam machen, heißt es in einer Ankündigung.

„Wir stecken mitten in der Klimakrise und müssen besser heute als morgen aus der Kohle aussteigen, die hier und weltweit Lebensgrundlagen und Zukunftsperspektiven zerstört“, sagt Christina Schliesky, die morgen in Düsseldorf auf die Straße gehen will. „Das beschlossene Kohleausstiegsgesetz ist ein Skandal, auch deshalb gehen wir am 25.9. auf die Straßen.“ In der Landeshauptstadt treffen sich die Klimaaktivisten zu ihrer Demonstration erst um 16.30 Uhr vor dem Landtag und vermeiden so den Vorwurf, nur am Schulschwänzen interessiert zu sein. Und auch in Mülheim und . „Wir haben gemerkt, dass die Resonanz am Nachmittag größer ist“, betont ein Sprecher der Mülheimer Gruppe.

Gemeinsame Forderung: Senkung der CO2-Emissionen

Die vielen Protestaktionen in den Städten der Region vereinen gemeinsame Forderungen, wie Hannah Schauer für Fridays for Future Duisburg betont: „Wir fordern Klimagerechtigkeit und damit insbesondere die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels.“ Eng verbunden damit seien die Forderungen nach dem „Nettonull“ bis 2035 – also dass Deutschland klimaneutral wird und nur so viel CO2-Emissionen produziert werden, wie auch kompensiert werden können – und der Kohleausstieg bereits im Jahr 2030 vollzogen werden sollen.

Daneben gibt es viele lokale Forderungen. In Duisburg etwa setze sich die Bewegung für eine Verkehrswende ein, wie Schauer betont. „Wichtiger Bestandteil ist ein Verkehrskonzept, das weniger auf den Autoverkehr und mehr auf ÖPNV, Fahrrad- und Fußverkehr setzt. Dazu gehören ein massiver Ausbau des ÖPNV, ein kostenloser ÖPNV, sowie eine umfassende Verbesserung der Fahrradinfrastruktur.“

Klimaaktivisten kritisieren Energiekonzern RWE

In Essen wollen die Klimaschützer besonders auf die Firma RWE aufmerksam machen. Der Energiekonzern, der in der Stadt seinen Sitz hat, wird von der Klimabewegung für den Kohleabbau im Rheinischen Revier besonders kritisiert. In Mülheim verlangen die Aktivisten von der Stadt, dass diese ihre RWE-Aktien verkauft.

Ganz gleich ob ein Protestzug zu Fuß, eine Fahrraddemo wie in Kleve oder eine Menschenkette wie in Oberhausen: Die Aktionen sind die ersten größeren Proteste der Klimabewegung seit dem Beginn der Corona-Pandemie. Die Ortsgruppen betonen einhellig, dass alles strikt Corona-konform ablaufen werde. „Wir waren uns von Anfang an unserer Verantwortung bewusst, auch die Corona-Pandemie als Krise ernst zu nehmen“, sagt Schauer. Während der Pandemie hatten viele Ortsgruppen ihre Aktivitäten zurückgefahren oder ins Netz verlegt. In Oberhausen etwa wurde das Gesprächsformat „Talk for Future“ gestartet, was seitdem online verfügbar ist. Bei aller Digitalisierung wolle man aber nun endlich wieder auf die Straße und dort protestieren, so die Aktivisten.

In Kleve eröffnet NRWs erstes FFF-Büro

Auch im Kreis Kleve wird am Freitag protestiert. Demos sind u.a. angemeldet in Geldern, Kevelaer, Rees und Kleve. Gemeinsames Thema: die Verkehrswende am Niederrhein.

Die Demo in Kleve beginnt um 16.30 Uhr am Klever Bahnhof und soll von dort über Umwege in die Van-den-Bergh-Straße führen, wo die Aktivisten ein Büro eröffnen wollen.

Das Büro, das durch einen Spender ermöglicht wurde, sollte bereits im Frühjahr eröffnen, was wegen Corona nicht möglich war. Es ist nach eigenen Angaben das erste Büro der Bewegung in NRW.

Alle lokalen Protesttermine für die Städte an Rhein und Ruhr sind hier auf der Homepage der Klimabewegung gesammelt.

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