Auto-Messe

Motorshow macht Essens Messe-Chef kein schlechtes Gewissen

Leichtbekleidete Frauen gehören seit und je zur Essen Motorshow

Leichtbekleidete Frauen gehören seit und je zur Essen Motorshow

Foto: Kai Kitschenberg

Essen.  Die Essen Motorshow wird gut besucht, obwohl sie wegen des Anti-Auto-Klimas wie eine Provokation wirkt. Messe-Chef Kuhrt über Gründe des Erfolgs.

Die Motorshow in den Essener Messehallen - sie läuft und läuft und läuft. Scheinbar unbeeindruckt von Umwelt- und Moraldebatten rund ums Auto zieht diese Eigen-Veranstaltung der Messe Essen nun seit über 50 Jahren die Freunde der kuriosen und lauten Mobilität nach Essen-Rüttenscheid. Bremsspuren in Form zurückgehender Besucherzahlen sind bisher auf breiter Front nicht zu sehen, für die am Samstag, 1. Dezember beginnende Veranstaltung werden wieder rund 350.000 Besucher erwartet. Brachiales Motto diesmal: „Das PS-Festival“. Ein Gespräch mit Messe-Geschäftsführer Oliver P. Kuhrt.

Herr Kuhrt, die Essen Motorshow kommt einem in Zeiten der E-Mobilität, des Dieselverbots und eines generell zunehmend autounfreundlichen Klimas vor wie ein Relikt aus früheren Zeiten, wie ein Anachronismus...

Rein inhaltlich haben Sie recht. Die Darstellung des Autos geschieht nicht mehr so selbstverständlich und bedenkenlos, wie es einmal üblich war. Die großen Autoproduktmessen wie die IAA in Frankfurt und der Genfer Autosalon kämpfen alle mit Problemen. Genau das aber, eine Messe für neue Produkte, ist die Essen Motorshow eben gerade nicht. Sie ist weit mehr eine Event-Plattform mit vielen Aktivitäten, die Besucher dürfen nicht nur schauen, sie können mitmachen, etwas anfassen. Die Motorshow bedient in einer zunehmend antiseptischen und digital geprägten Autowelt die Sehnsucht nach etwas Authentischem. Hier stellen ja unter anderem auch Leute aus, die in ihrer Garage etwas kreieren und es dann in unsere Messehallen rollen.

Dennoch sprechen wir über Motoren, die in der Regel unbeleckt sind von Umweltdiskussionen und über eine Szene, die das vollkommen in Ordnung findet. Haben Sie da als Messe-Chef kein schlechtes Gewissen?

Nein, absolut nicht. Wenn Sie die Gesamtbilanz der Umweltbelastung sehen, dann handelt es sich bei der Motorshow um eine Nischengruppe, die einen homöopathisch geringen Anteil daran hat. Außerdem ist das Auto ja auch ein Stück Kultur. So wie wir Denkmalschutz betreiben und akzeptieren, dass alte Gebäude in Sachen Energieeffizienz gegenüber Neubauten das Nachsehen haben, so sollten wir auch weiterhin Oldtimer dulden, aber auch den Motorsport, Classic Cars oder die Tuning-Szene tolerieren. Wobei Tuning ja durchaus bei umweltfreundlichen Autos möglich ist. Und es geht bei weitem nicht nur um die Motoren.

Um was geht es noch?

Es gibt bei uns Autos, in denen jeder freie Zentimeter mit Lautsprechern gefüllt ist, um den perfekten Sound zu bekommen. Oder nehmen Sie das Thema Licht, das mittlerweile ein eigener Tuning-Zweig ist. Was sich mit LED-Lampen im und am Auto machen lässt, ist phantastisch.

Hat die Motorshow keine Nachwuchsprobleme? Außenstehende stellen sich die Veranstaltung wie ein Treffen alter, weißer Männer vor.

Das wäre falsch. Zur Motorshow kommen ganze Familien, und gerade die Tuning-Szene besteht überwiegend aus jüngeren Leuten. Der Altersdurchschnitt ist eher niedriger als bei anderen Messen. Was uns natürlich hilft, ist die geografische Nähe zu den Niederlanden und zu Belgien. Dort gibt es sehr viele Auto-Verrückte. Wir sehen schon an den Vorverkäufen, dass wir in diesem Jahr voraussichtlich wieder um die 350.000 Besucher haben werden. Die Faszination Motorshow ist ungebrochen, das zeigt auch unsere Facebook-Seite, die mehr als 228.000 Freunde hat und in der intensiv Themen diskutiert werden.

Aber das eigene Auto hat bei jungen Leuten doch eher einen geringeren Stellenwert als bei der Generation 50 plus.

Das ist so. Aber wir haben es hier eben mit einer speziellen Fan-Gemeinde zu tun, die eine Leidenschaft miteinander teilt, die wir gern bedienen. Wir in Essen sind die Heimat des Motor-Kultes. Das kann man besonders schön bei unserer chinesischen Tochterveranstaltung sehen, die doppelt soviele Besucher hat wie die Mutter. Der Name der Stadt Essen und das Wort Motorshow sind miteinander verschmolzen. „Essen Motorshow“ ist in China ein feststehender Begriff und in den allgemeinen Sprachgebrauch einer bestimmten Szene übergegangen.

Kennzeichen der Motorshow war immer auch das Spiel mit erotischen Reizen. Klassiker sind die spärlich bekleideten Frauen, die sich auf einer Motorhaube räkeln. Auch da stellt sich die Frage: Kann man das noch machen?

Sie meinen in Zeiten, wo der Sexismus-Vorwurf schnell erhoben ist?

Ja.

Ich stelle fest, dass solche Szenen auf der Messe zumindest seltenen sind als früher. Da sind wir in Deutschland offensichtlich konservativer geworden, aus Gründen, die man nachvollziehen kann. Es kommt aber noch vor, und ich finde es in gewissen Grenzen auch nicht verwerflich.

Es fällt auf, dass die Messe Essen sehr auf das Thema Auto setzt, etwa mit der Oldtimer-Messe Techno-Classica, einigen Zulieferer-Messen und eben auch der Motorshow. Um die Zukunft ist Ihnen aber dennoch nicht bange?

Nein, dazu sind unsere Konzepte zu vielschichtig und auch anpassungsfähig an die sich ändernden Wünsche unseres Publikums. Die Motorshow ist und bleibt die mit Abstand größte Veranstaltung ihrer Art in Europa. Und auch die Techno-Classica ist längst eine Leitmesse, weil Oldtimer ein Faszinosum bleiben und nicht zuletzt eine gute Geldanlage sind. Ich bin optimistisch, dass es diese Veranstaltungen noch sehr lange gibt.

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