Sicherheitsrisiko

Kölner Polizei zieht maroden Sprinter aus dem Verkehr

Völlig marode: Der aus dem Verkehr gezogene Sprinter wurde von einem Gutachter untersucht.

Völlig marode: Der aus dem Verkehr gezogene Sprinter wurde von einem Gutachter untersucht.

Foto: Polizei Köln

An Rhein und Ruhr.  Schrottreife Transporter sind auf den Straßen in NRW immer wieder eine Gefahr. Ein Fahrzeug in Köln hatte eine außergewöhnlich lange Mängelliste.

Die Rücklichter kaputt, Rost allerorten (mal mehr, mal weniger) – und die Windschutzscheibe gleich mehrfach gerissen: Diesen Mercedes Sprinter wollten Polizisten im Kölner Stadtteil Kalk dann doch mal näher anschauen. Wenig später zogen sie das komplett marode Fahrzeug aus dem Verkehr, wie die Kölner Polizei an diesem Dienstag (25. Juni 2019) berichtet.

Die Beamten und ein beauftragter Gutachter stellten fest, dass sich zu den offenkundigen Mängeln noch zahlreiche weitere gesellten. So war zum Beispiel die Lenkhilfe ausgefallen. „Das Fahrzeug ließ sich ausschließlich durch Muskelkraft lenken“, berichtete die Polizei in einer Mitteilung. Die Reifen waren teilweise komplett blank, Profil nur noch zu ahnen. Die Antriebsachse sei so locker gewesen, dass sie bei einer Vollbremsung womöglich herabgefallen wäre. Aus Motor und Getriebe tropften Öl und Benzin. Und ein Auspuff, der war gar nicht mehr vorhanden.

Kilometerzähler blieb bei 999.999 stehen

Unklar ist, wieviel der gewerblich genutzte Sprinter insgesamt schon gefahren war, denn: Der Kilometerzähler war offensichtlich auch kaputt. „Die Anzeige schien bei ‘999.999’ stehengeblieben zu sein“, berichtete ein Polizeisprecher auf Nachfrage der Redaktion. Der Wagen war den Papieren zufolge in Deutschland erstmals im Jahr 2008 zugelassen worden. Die Beamten vermuten gleichwohl, dass das Fahrzeug vorher schon im Ausland unterwegs war.

Laut Polizei wird ein saftiges Bußgeld fällig, zudem gehen die Kosten der Begutachtung auf den Fahrer. Dem 36-Jährigen wurde den Angaben zufolge die Weiterfahrt untersagt, die Zulassungsbescheinigung wurde eingezogen.

Marode Transporter auch anderer Hersteller sind auf den Straßen in Nordrhein-Westfalen ein Problem. Der Verkehrsdienst der Kölner Polizei hat es den Angaben „nahezu täglich“ mit mindestens einem solchen Fahrzeug zu tun, die Mängelliste ist nicht immer so lang wie in diesem Fall. „Zum Teil sind da aber echte Gurken unterwegs“, sagte der Polizeisprecher.

Extremfälle auch in anderen Städten

Andere Polizeibehörden melden ebenfalls Extremfälle: Die Beamten im Märkischen Kreis etwa entdeckten an einem Sprinter Anfang des Monats insgesamt 44 Mängel und an dessen Anhänger noch einmal 22 weitere Mängel. An dem angeblich erst vor vier Wochen in Bulgarien zugelassenen Fahrzeug waren große Rostlöcher waren mit Spachtelmasse „gestopft“, der Anhänger hatte den angaben zufolge überhaupt keine Stoßdämpfer. In Hilden im Kreis Mettmann kam ein Gutachter im Frühjahr auf 40 Mängel bei einem solchen Kleintransporter, u. a. zeigte die Feststellbremse keinerlei Wirkung. Und in Dortmund stellten Polizisten ebenfalls im Frühjahr bei einem solchen Fahrzeug fest, dass „alle tragenden Teile“ durchgerostet waren – Rahmen, Querlenker und Achsaufnahmen. Der Transporter fand sich den Angaben zufolge „schon bedenklich in Schieflage“ und war mit Tempo 56 in einer 30-er Zone aufgefallen.

GdP regt Pflicht zu automatischen Bremssystemen an

„Aus der polizeilichen Erfahrung weiß man: Kontrollen solcher Fahrzeuge finden selten ohne Mängel statt“, sagte Michael Mertens, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), gegenüber der Redaktion. Nicht nur der Zustand der Fahrzeuge sei oft ein Problem, sondern auch ungesicherte Ladung: „Da wird Werkzeug einfach reingeworfen, und wenn es dann mal zu einem Unfall kommen sollte, fliegt das umher.“ Mertens erinnert auch daran, dass solche Transporter vergleichsweise häufig an Auffahrunfällen beteiligt seien: „Man sollte deshalb auch über eine Pflicht für automatische Bremssysteme nachdenken, wie sie schon für größere Lkw vorgeschrieben sind.“

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