Sammlung Krusch in Dinslaken

Horst-Günther Krusch sammelt „Das junge Rheinland“ - warum?

Horst-Günther Krusch - Teile seiner Sammlung sind derzeit im Museum Voswinckelshof in Dinslaken zu sehen.

Horst-Günther Krusch - Teile seiner Sammlung sind derzeit im Museum Voswinckelshof in Dinslaken zu sehen.

Foto: Posca

Horst-Günther Krusch aus Duisburg sammelt Kunst – mit Vorliebe Arbeiten der Künstlergruppe “Das junge Rheinland“. Zu sehen jetzt in Dinslaken.

Dinslaken. Phänomenal, welche Geschichten der Duisburger Kunstsammler Horst-Günther Krusch hinter der großen Kunstgeschichte kennt. Stoff für Stunden spannendes Zuhören ist das, empathisch erzählt. Über das 1919 gegründete „Junge Rheinland“, das er und seine Frau Else Heiermann zum Herzen ihrer Kollektion zählen, über Künstler wie Otto Pankok, Gabriele Münter oder Wassily Kandinsky. Dass Horst-Günther Krusch das „Junge Rheinland“ besonders sammlungswürdig findet, davon wiederum erzählt ein 75-Arbeiten dichter Ausstellungsparcours im Museum Voswinckelshof in Dinslaken.

Herr Krusch, wie wird man Kunst-Sammler?

Die Geschichte ist Folgende: Alljährlich wurde bei uns ein Kunstkalender angeschafft, den vornehmlich meine Frau ausgesucht hat. Aber wie das so ist mit Kalendern – nach einem Monat war das schöne Motiv weg, nach einem Jahr wanderte der Kalender in die Schublade. Irgendwann wollte ich etwas Bleibendes, vor allem aber etwas Originäres haben. In einer kleinen Duisburger Galerie entdeckte ich dann Grafiken von Salvatore Dalí und Max Ernst, von denen ich zuvor eine Ausstellung im Wilhelm Lehmbruck-Museum gesehen hatte. Wenn man so will, ist das die Geburtsstunde meines Sammlertums.

Sind Sie und Ihre Frau sich über Neuankäufe immer einig?

Das ist eine schöne Frage. (lacht) Es kam schon mal vor, dass ich unabgesprochen etwas mitgebracht habe und es dann…

… Ärger gab?

Naja, es gab Stirnrunzeln. (lacht) Dabei ist ja meine Frau diejenige gewesen, die mich zur Kunst gebracht hat. Heute allerdings muss sie mich tatsächlich manchmal bremsen. Bei mir hat sich das Sammeln verselbstständigt. Ja, das Sammeln ist ein Selbstläufer geworden.

Was fasziniert Sie an der 1919 gegründeten Düsseldorfer Künstler-Interessengemeinschaft des „Jungen Rheinland“?

Unser Fokus liegt auf der Klassischen Moderne, also auf der Zeit zwischen 1900 bis 1933, dem Jahr, in dem die Nationalsozialisten viele progressive Künstler mit einem Mal- und Berufsverbot belegten. Mich interessieren Künstler, die in irgendeiner Weise gesellschaftspolitisch aktiv waren, mitunter sogar hochpolitisch agiert haben. Das imponiert mir sehr.

Können Sie das präzisieren?

Es ist dieses Engagement der Künstler, mit Kunst Opposition und nicht bloß l’art pour l’art zu betreiben, mit Kunst Stellung zu beziehen. In der klassischen Moderne gilt das für sehr viele Künstler. Weshalb ja auch so viele von den Nazis verfemt wurden.

Ist es deshalb gerade in diesen Tagen wichtig, das Junge Rheinland zu zeigen?

Zunächst einmal drängt sich dieses Jahr auf, weil sich das Junge Rheinland vor 100 Jahren gegründet hat.

Aber natürlich kann man neben dem Jubiläum auch aktuelle Bezüge herstellen. Da haben Sie vollkommen recht. Wir haben gerade die Europawahl gehabt. Und wir müssen aufpassen, dass die rechte Szene nicht europaweit erstarkt. An vielen Biografien von Künstlern, die dem Jungen Rheinland angehörten, z.B. Karl Schwesig oder Peter Ludwigs, kann man ablesen, wohin eine reaktionär-repressive Politikentwicklung führt, welche Auswirkungen das auf Gesellschaft und Kultur hat. Karl Schwesig wurde von den Nazis gefoltert, Peter Ludwigs starb an den Folgen der Zwangsarbeit.

Zum Jungen Rheinland gehört nahezu automatisch der Name Johanna Ey, die Mutter Ey genannt wurde. Worauf würden Sie mit ihr einen Sekt trinken?

Zuallererst auf ihre gelungene Arbeit als Galeristin. Ich habe gerade einen VHS-Vortrag zu ihr gehalten. Sie war eine faszinierende Persönlichkeit und hat sich trotz vieler Schicksalsschläge durchgebissen. Zwölf Kinder hat sie geboren, von denen nur vier überlebt haben. Verheiratet gewesen war sie mit einem Alkoholiker, der sie und die Kinder prügelte.

Trotzdem hat sie es geschafft, eine kleine Bäckerei neben der Düsseldorfer Akademie zu eröffnen. Und sie hat Bilder der Studierenden in Zahlung genommen, wenn diese kein Geld fürs Brot hatten. Sie hat sich um ‘ihre’ Künstler gekümmert. Psychologen würden vielleicht sagen, dass sie versucht hat, an den jungen Künstlern wieder gut zu machen, was sie ihren eigenen Kindern nicht hat geben können, weil sie so früh verstorben sind.

Verraten Sie, was Ihr teuerstes Bild ist?

Eigentlich will ich nicht über Preise reden. Aber es gibt Arbeiten in unserer Sammlung, die liegen im fünfstelligen Bereich.

Herr Krusch, Sie sind Betriebswirt. Sehen Sie Parallelen zwischen Beruf und Kunst?

Abgesehen davon, dass die Kunst natürlich auch eine ökonomische Komponente hat, die nicht zu unterschätzen ist…

…die aber nicht der Grund fürs Sammeln ist?

Nein. Das nicht. Aber es ist die einzige Klammer zwischen meinem Beruf und der Kunst. Jedenfalls hat kein Werk Eingang in die Sammlung gefunden, ohne dass ich gehandelt hätte.

Und das sehr erfolgreich. Über 400 Werke fasst ihre Sammlung. Gibt es zu Hause noch Platz?

Da sagen Sie etwas. In der Tat haben wir ein Platz-Problem.

Macht das keine Angst? Inzwischen denken Sammler und Künstler laut über das Entsammeln zu Lebzeiten nach, weil sich kein dauerhafter Platz für ihre Kollektionen findet.

Diese Überlegungen sind angestellt. Zu einer Lösung bin ich noch nicht gekommen. Ich weiß allerdings, dass ich nicht der Typ bin, unsere Sammlung meistbietend zu verkaufen. Dann hätte ich mir nicht diese viele Arbeit machen brauchen.

Also haben Sie noch ein Wunsch-Bild?

Eins? (lacht). Wo fange ich an, wo höre ich auf? Da gibt es jede Menge Bedarfe, die unerfüllt bleiben. Träumereien.

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