Zwischen Rhein und Maas

Hier geht’s Rhein: Wo die Maas in die Waal mündet

Von rechts fließt die Maas in die Waal, also den Rhein, kurz vor Stromkilometer 953 in Woudrichem.

Von rechts fließt die Maas in die Waal, also den Rhein, kurz vor Stromkilometer 953 in Woudrichem.

Foto: Ingo Plaschke / pla

Am Niederrhein.  Bei Stromkilometer 953 mündet die Maas in die Waal. Ein Besuch zwischen Heusden und Woudrichem. Holland wie aus dem Bilderbuch – also fast.

Also von den vielen Hundehaufen auf dem Deich in Heusden steht in dem Reiseführer natürlich nichts geschrieben. „Die Befestigungswälle, die im Mittelalter als Bollwerk gegen die Spanier errichtet wurden, bieten herrliche Blicke auf den Flusslauf der Maas einerseits und die Stadt andererseits“, heißt es.

Stimmt. Die 1.500-Einwohner-Stadt mitten in den Niederlanden, knapp 15 Kilometer nordwestlich von ‘s-Hertogenbosch, wirkt auf den ersten, oberflächlichen Blick wie ein Stück Holland aus dem Bilderbuch.

„Hinter den Stadttoren warten enge kopfsteingepflasterte Gassen mit gelblich-rötlichen Backsteinhäusern, deren Giebel von steinernen Blumen geziert werden. Dunkelgrüne und dunkelrote Türen sorgen für Farbtupfer. Der Marktplatz ist von malerischen Bauwerken mit schicken Giebelkonstruktionen umgeben… Am kleinen Hafenbecken faszinieren die weiß getünchte Klappbrücke… und die drei erhabenen (rekonstruierten) Holzmühlen in dunklem Schwarz.“

Ja doch, Dirk Sievers schwärmt in seinem Niederlande-Buch zurecht von diesem Ort, an dem früher die Maas in Richtung Norden abknickte – und zum Rhein rüber floss, der hier, kurz vor Stromkilometer 953, längst Waal heißt.

Vater Rhein, Mutter Maas

Mit den Mündungen von Flüssen ist es ein bisschen wie mit ihren Quellen: Es sind Stellen, die Menschen anziehen, aus den unterschiedlichsten Gründen. Auch der Autor dieser Zeilen wollte einmal selbst sehen, wo genau Maas und Rhein erstmals ihr Wässerchen trüben.

Ein weiteres Motiv für diesen Tagesausflug; von Kleve aus sind übrigens bloß knapp 100 Kilometer bis dorthin: Wenngleich die Maas, wie natürlich auch der Rhein, die Tiefebene zwischen beiden Wasserströmen prägt, wird dieser Fluss hierzulande oft noch unterschätzt; völlig zu Unrecht. Zum Beispiel ist der Fernradweg entlang der Maas eine interessante Alternative zum Rhein.

Bekanntlich hat es der mehr als 900 Kilometer lange Wasserlauf, der nahe der Vogesen im Osten von Frankreich entspringt, einst bis ins „Lied der Deutschen“ geschafft: „Von der Maas bis an die Memel...“.

Obwohl die berühmt-berüchtigten erste Strophe der späteren Nationalhymne zum Glück längst verpönt ist, schadet eine geschichtliche Auseinandersetzung damit nicht, im Gegenteil. Und wer sich mit beiden Wasserstraßen beschäftigt, entdeckt viele Unterschiede, mehr noch Gemeinsamkeiten – und zum Schluss ihre Vereinigung.

Cornelis Lely, der Baumeister

Bis ins Jahr 1904 mündete die Maas keine 20 Kilometer nördlich von Heusden entfernt in die Waal: auf Höhe von Woudrichem.

Dann bauten die ständig von Hochwasser geplagten Niederländer mal wieder an einer neuen Wasserlinie, um die Gefahr von Überschwemmungen zu verringern. Nach Plänen des großen Bauingenieurs Cornelis Lely buddelten sie von Heusden aus die Bergsche Maas in die Landschaft.

Die Verlängerung des Flusses reicht ungefähr 30 Kilometer weiter westwärts – bis in den heutigen Nationalpark De Biesbosch. Das sumpfige Biotop verwässert sich im Hollandsch Diep, eine bis 1970 offene Bucht der Nordsee; seitdem ein Fluss-Delta, in dem die vielen Ströme des Rheins enden, auch der Hauptabfluss der Maas.

Das klingt jetzt etwas unübersichtlich, ist es auch. Wer an der Grenze zwischen Brabant und Gelderland unterwegs ist, sieht ziemlich viel Wasser, dazwischen sattgrüne Weiden mit allerlei Schwarzbunten darauf. Bilderbuch-Holland, wie bereits erwähnt.

Zurück zur alten Maas – obwohl: Die Oude Maas ist noch ein weiterer, anderer Flussarm der Maas, der bei Dordrecht beginnt und in Richtung Rotterdam fließt.

Jetzt aber: An die Maas, die über Roermond und Venlo entlang der deutsch-niederländischen Grenze fließt; mindestens einen Kanonenschuss weit davon entfernt, wie es 1815 beim Wiener Kongress festgelegt wurde; zu jener Zeit noch mit Blick auf Preußen.

Die Räucherbude am Radweg

Kurz vor Nimwegen kurvt die Maas in Richtung Osten ab und schlängelt sich parallel zur Waal durch Felder und Wiesen . Bei Sint Andries in der Provinz Gelderland kommen sich beide Flüsse sichtbar nahe. Früher traten sie in dieser Gegend regelmäßig über ihre Ufer und vermengten sich dabei.

Ein paar Kilometer stromabwärts nun knickt die Afgedamde Maas ab, die immerhin doch für Schubschiffe und Freizeitkapitäne zu befahren ist. Von Heusden aus mäandert sie bis dann nach Woudrichem. Ein Fleckchen Erde, das am schönsten mit dem Rad zu erfahren ist.

Auch Woudrichem, ein 4.500-Einwohner-Städtchen, früher eine Festung mit Zollstation, wirkt wie ein Bilderbuch-Ort. Von den Giebeln, Grachten, Mühlen und Wällen schwärmt selbstverständlich auch Herr Sievers in seinem Niederlande-Reiseführer – und weist auf das Fischereimuseum sowie die Aaken, Klipper und Tjalken hin, die im kleinen, pittoresken Hafen vertäut vor sich hin dösen.

Auch empfiehlt er einen Abstecher zum Slot Loevenstein, das mit einer kleinen Fähre zu erreichen ist. In der Burg aus dem 14. Jahrhundert saß einst der philosophische Aufklärer Hugo Grotius ein; der Schlaumeier flüchtete in einer Bücherkiste übers Wasser.

Fehlt zum Schluss allein ein Tipp, der nicht in dem Reiseführer steht: die mobile Räucher-Bude am Radweg der Maas nahe Heusden, auf der anderen Uferseite, wo die Afgedamde Maas abzweigt (Adresse: Kromme Nol 4, Wijk en Aalburg). Hier parkt ab und zu der Wagen der Palingrokerij ‘t Tonnetje. Der Aal und Salm, mmmh, echt lekker!

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