Alte Bücher

Gegen den Geschichtszerfall

Uwe Franzen rettet die Zeugnisse der Vergangenheit. Er ist Buchbindermeister.

Foto: Jörg Schimmel

Uwe Franzen rettet die Zeugnisse der Vergangenheit. Er ist Buchbindermeister. Foto: Jörg Schimmel

Duisburg.   Im Stadtarchiv Duisburg warten viele historische Dokumente auf ihre Restaurierung.

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Zwischen Papierbögen, Schneidemaschinen, Pressen, Pinseln, Leim und Scheren stapeln sich vergilbte Papier- und Pergamentseiten auf Tischen. Einige per Hand in einer geschwungenen Sütterlinschrift verfasst, andere in eine Akte eingelegt und von den Lettern einer Schreibmaschine beschriftet.

Zwischen Seidenpapier

Uwe Franzen steht irgendwo dazwischen und schlägt gerade eine der alten und an den Ecken etwas angerissenen Seiten in Japanpapier. Dann pinselt er Methylcellulose auf das Blatt, legt einen weiteren Bogen Japanpapier obendrauf und beginnt, die Rückseite ebenso zu bearbeiten. „Mit dieser Technik kann ich das Original, dessen Papier bereits bricht, wenn man es knickt, so erhalten, dass man es weiter anschauen und auch nutzen kann, ohne es zu beschädigen“, sagt der 57-Jährige. „Aber es gibt sehr viele verschiedene Verfahren, um alte Dokumente oder auch Siegel, Urkunden, Ledereinbände, Karten und Bücher vor dem Verfall zu schützen.“

Seit mehr als 30 Jahren arbeitet der Buchbindermeister im Stadtarchiv Duisburg, dessen Restaurierungswerkstatt er heute leitet. Und deren einziger Mitarbeiter er gleichzeitig ist. In Uwe Franzens Händen liegt also ein wichtiger Teil des Erhalts der Duisburger Geschichte. Die wertvollen Bestände zu reparieren und restaurieren, um sie für die Nachwelt zu erhalten, ist seine verantwortungsvolle Aufgabe. Eine leichte ist es nicht.

„Man muss bei jedem Papier genau abwägen, welche Technik am besten geeignet ist. Aber eine Garantie gibt es nie.“ Welches Verfahren der Buchbindermeister zum Schutz der alten Archivalien anwendet, hängt aber natürlich auch ganz von den Schäden ab, die sie aufweisen: „Feuchtigkeit, Trockenheit, Hitze oder Kälte, natürlich auch Feuer und Wasser, aber auch Pilze, Bakterien, intensive Lichtbestrahlung, allgemeine Verschmutzungen und auch Fraßschäden durch Insekten beispielsweise – da gibt es ganz viele Ursachen“, weiß der Restaurierungsexperte.

Dann holt er eine handschriftliche Akte auf Pergament von 1710 hervor. „Damals gab es ja noch den Beruf des Schreibers“, erklärt Uwe Franzen. „Und jeder von ihnen mixte seine eigene Tinte. Deshalb kann man solche Dokumente am besten trocken reinigen.“ Und schon wischt er mit einem speziellen Schwamm über das Papier, von dem der Jahrhunderte alte Dreck so quasi wegradiert wird. Auch das ist Restaurierung.

Der Leiter der Restaurierungswerkstatt zeigt eine lange Pergamentrolle mit Fraß- und Brandschäden. „Das ist eine Rechnungsrolle von 1561“, erklärt er. „Die habe ich mit Papier so angefasert, dass man sie nun wieder ganz normal ausrollen kann“, sagt er nicht ohne Stolz. Denn sicht- und fühlbar ist davon für den Laien nicht viel. Mit Papier und wie man es erhält, kennt sich Uwe Franzen einfach aus. Aber welche städtischen Finanzschwindeleien finden sich denn nun möglicherweise auf der historischen Rolle? „Für den Inhalt bin ich nicht zuständig“, sagt er. „Dafür gibt es ja die Archivare.“

Im Stadtarchiv Duisburg, Karmelplatz 5, am Innenhafen, werden rund 3000 mittelalterliche Urkunden, aber auch städtische Rechnungen, Amtsbücher und Akten seit Beginn der Frühen Neuzeit aufbewahrt. Darunter: etwa 4000 Standesamtsregister, circa 50 000 Fotos zur Geschichte der Stadt Duisburg, eine nahezu lückenlose Sammlung Duisburger Tageszeitungen ab Mitte des 19. Jahrhunderts, rund 80 Nachlässe bedeutender Duisburger Persönlichkeiten, Überlieferungen von Vereinen und Verbänden, 4000 Karten, 13 000 Baupläne und 4000 Plakate sowie eine umfangreiche Bibliothek zur Stadt- und Regionalgeschichte mit etwa 5000 Bändern. Weitere Infos gibt es im Netz unter: www.duisburg.de/stadtarchiv

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