NRZ-Klimaserie

Ein Start-Up aus NRW produziert nachhaltige Kindermode

Nachhaltige und modische Kinderkleidung, wie diesen Pullover, verkauft das Start-Up „Millitomm“ aus Solingen.

Nachhaltige und modische Kinderkleidung, wie diesen Pullover, verkauft das Start-Up „Millitomm“ aus Solingen.

Foto: Julian Wohlgemuth

Solingen.   Eine Mutter aus Solingen hat ein Label gegründet, das klimafreundliche und faire Kinderkleidung herstellt. Das ist nicht nur für die Umwelt gut.

Der Inhalt von Kinder-Kleiderschränken ist von Natur aus nicht besonders nachhaltig. Das gilt auch für den Kleiderschrank des eigenen Kindes. Manchmal wachsen die Kleinen so schnell, dass sie innerhalb von wenigen Wochen plötzlich zwei Kleidergrößen übersprungen haben. Die gerade erst gekauften Pullover und Hosen müssen dann schon wieder aussortiert werden und es muss etwas Neues her. Viele Eltern greifen dann oft zu möglichst billiger Kleidung. Verständlich, wenn man bedenkt, wie kurz die Zeit ist, in der die Kinder sie tragen können und wie begrenzt das Budget vieler Familien.

Kleidung ist heutzutage so günstig und austauschbar wie nie zuvor. Laut des Fachverbandes Textilrecycling verbrauchen die Deutschen pro Kopf etwa 26 Kilogramm Kleidung im Jahr. Das widerspricht dem Grundsatz der Nachhaltigkeit, findet auch die Solinger Firmengründerin Stefanie Krausen. Die Geburt ihres Kindes war der Anlass für die 35-jährige, in Sachen Kinderkleidung umzudenken. Sie änderte aber nicht nur ihr persönliches Konsumverhalten, sondern gründete gleich ein eigenes Label für nachhaltige Kindermode: „Millitomm“.

Mehr als Slow-Fashion und Nachhaltigkeit fördern

Mit ihrem Start-Up will Stefanie Krausen nicht nur „Slow Fashion“, also nachhaltige Mode, fördern. Sie möchte Kindern und vor allem deren Eltern auch Sicherheit für gute Qualität und faire Kleidung geben, sagt sie. „Man hört schließlich immer wieder, wie viel Schadstoffe sich in der Kleidung der Kinder befinden.“

Also fängt sie an, eigene Ideen zu entwickeln, informiert sich, holt sich Inspiration und Anregungen. Im vergangenen Jahr ist es dann soweit: Ihr Online-Shop „Millitomm“ geht an den Start. Für ihr eigenes Unternehmen gibt die gelernte Bankkauffrau alles auf und konzentriert sich ganz auf das Start-Up. „Meine Freunde haben mich natürlich für verrückt erklärt“, sagt Krausen. „Aber wenn man wirklich was verändern möchte, dann muss man auch einfach mal anfangen.“

Sozial verantwortliche Herstellung

Die Kinderkleidung von „Millitomm“ wird entsprechend der Standards des GOTS-Labels (Global Organic Textile Standard) produziert. Das heißt, die gesamte Produktionskette wird kontrolliert: Alle Textilien müssen zu mindestens 70 Prozent aus biologisch erzeugten Naturfasern bestehen und es gibt strenge Regeln für die Verwendung von Chemikalien und Farbstoffen.

Aber nicht nur Umweltfreundlichkeit spielt beim GOTS-Label eine wichtige Rolle, auch soziale Aspekte werden begutachtet. So müssen die Betriebe, in denen produziert wird, bestimmte soziale Mindestkriterien erfüllen. „Eine faire Herstellung und beispielsweise keine Kinderarbeit sind mindestens genauso wichtig wie eine umweltfreundliche Herstellung“, erklärt Stefanie Krausen.

Einsparung von Co2 durch kurze Transportwege

Auch beim Vertrieb achtet die Jung-Unternehmerin auf eine positive Ökobilanz. Die Kleidung wird nicht am anderen Ende der Welt, sondern in Portugal hergestellt – wieder ein Pluspunkt für das Klima, meint Stefanie Krausen, denn: „Durch die kurzen Transportwege sparen wir Co2.“

Und sogar für die Schwierigkeit, dass die Kleinen so schnell aus allen Kleidungsstücken herauswachsen, hat Stefanie Krausen eine Lösung gefunden. Ihre Schnitte passen den Kindern länger, Ärmel haben Bündchen und lassen sich gut umkrempeln. „Ich fasse immer zwei Größen zusammen, damit die Eltern nicht so schnell etwas neues kaufen müssen“, sagt Krausen. Denn auch sie weiß: Nachhaltige Kleidung ist teuer.

Trotzdem, sogenannte „Slow Fashion“ zu kaufen oder bei der Auswahl zumindest auf gute Qualität zu achten, lohnt sich. Denn anders als viele billige Kleidungsstücke, die qualitativ oft spätestens nach einigen Waschgängen nicht mehr überzeugen, kann man hochwertige Kleidungsstücke guten Gewissens noch weiter verkaufen, wenn das eigene Kind nicht mehr hinein passt. Denn gebraucht gekaufte Kleidung ist in Sachen Nachhaltigkeit natürlich unschlagbar. Öfter mal auf den Flohmarkt gehen ist also auch gut für die persönliche Ökobilanz.

>>>INFO: Kindermode mit dem GOTS-Siegel

Auch andere deutsche Kindermode-Labels produzieren Kinderkleidung nach den Standards des GOTS-Siegel:

Zum Beispiel diese: „People Wear Organic“ aus Darmstadt, „Band of Rascals“ aus Lübeck, „Lana Organic“ aus Aachen (auch Herren- und Damenmode) und „Sense Organics“ aus Frankfurt.

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