Kinderbücher

„Lesefest“: Kinderbuchausstellung IKiBu startet in Duisburg

Zur Eröffnung der IKiBu im vergangenen Jahr kam Komödiant und Schauspieler Bernd Stelter.

Zur Eröffnung der IKiBu im vergangenen Jahr kam Komödiant und Schauspieler Bernd Stelter.

Foto: krischerfotografie

Duisburg.  Zum 48. Mal schon öffnet die IKiBu, die Internationale Kinderbuchausstellung, in Duisburg ihre Pforten. 100 Veranstaltungen zum Abenteuer Lesen.

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November-Tristesse? Von wegen. Frag’ doch mal das Buch. Am Montag, 18. November, startet in Duisburg die 48. Ausgabe der Internationalen Kinderbuchausstellung „IKiBu“. Der Eintritt ist kostenfrei. Über die Leseförderung als Arbeit an der Bildung von morgen sprach Claudia Posca mit dem Leiter der Zentralbibliothek Duisburg, Dr. Jan-Pieter Barbian.

Herr Dr. Barbian, die IKiBu knapp vorgestellt, ist…

… ein besonderes Lesefest für Kinder mit Mitmachaktionen vom Theater bis zur Puppenspiel-Aufführung, mit Autoren-Fragestunden, Konzerten, Lesungen. Auch Original-Bilderbuchillustrationen werden gezeigt, neben Ausstellungen mit aktuellen Kinderbüchern. Ein Sonderprogramm gibt es für Grundschulen.

Mit Spaß fürs Leben und fürs Lesen begeistern

Das Ganze findet nicht nur in der Zentralbibliothek Duisburg und den Stadtteilbibliotheken statt, sondern auch im Kultur- und Stadthistorischen Museum am Johannes-Corputius-Platz. Es geht darum, mit Spaß für den Spaß am Lesen zu begeistern. Ein No-Go ist der erhobene Zeigefinger. Die Kinder sollen sich wohlfühlen, in bildreichen Geschichten und Sprach-Aktionen die Welt entdecken.

Diesmal geht es auf eine „erlesene Zeitreise“.

Dahinter steckt die Absicht, Geschichten aus der Geschichte zu erzählen. Kinder beschäftigen sich gern mit Erzählungen aus der Vergangenheit. Mit „Zebra Franz auf Zeitreise“ gehen oder mit „Ritter Rost“ einen ungewöhnlichen Urlaub in Schottland verbringen – das sind kindgerechte Angebote. So wird spielerisch gelernt, dass Geschichte das Leben prägt, dass der Mensch eine gewachsene, historische Persönlichkeit ist. Das Konzept der IKiBu 2019 fußt auf der Überzeugung, dass die Historie Teil der Identität von Großen und Kleinen ist.

Hier gibt es mehr Informationen zur IKiBu und zur Zentralbibliothek Duisburg

Was macht ein gutes Kinderbuch aus?

Eine spannende Handlung, die fasziniert. Eine gute Sprache, die die Bilderwelt von Kindern anregt, die ihre Phantasie beflügelt. Und ein Thema, das aus dem unmittelbaren kindlichen Empfinden und dem Lebensumfeld kommt. Oder aber, dass ein extrem phantastisch besetztes Thema aufgeblättert wird: Galaxien, fremde Welten, der Weltraum, Schatzinseln, Expeditionen.

Zeigt sich eine Tendenz, wohin sich das Kinderbuch entwickelt?

Das ist schwer zu fassen. Erfreulicherweise führen inzwischen nahezu alle Verlage die Sparte Kinder- und Jugendliteratur. Das war bis in die späten 1980er Jahre eine Nische. Nur wenige Verlage hatten sich darauf spezialisiert. Als 1971 die erste IKiBu startete, war das etwas absolut Neuartiges. Heute ist das Angebot großartiger Kinderbuchautoren*innen riesig. Spannend ist auch, dass Sachbuch-Reihen sehr beliebt sind.

Harry Potter ist nach wie vor ein Renner

Nennen Sie uns einige beliebte Autoren*innen?

Unbedingt ist da die Comic-Roman-Reihe „Gregs Tagebuch“ von Jeff Kinney zu nennen. Oder „Mein Lotta-Leben“ von Alice Pantermüller. Und natürlich Joanne Rowlings „Harry Potter“. Auffällig ist diesem Jahr ist außerdem eine große Nachfrage nach Erich Kästner-Büchern.

Verdrängen digitale Medien das Kinderbuch?

Diesen Eindruck habe ich ganz und gar nicht. Im Gegenteil. Es gibt sehr viele Eltern/Großeltern die mit ihren Kindern/Enkeln in die Bibliothek kommen, um vor Ort gemeinsam zu lesen, oder um vorzulesen. Aber: Wir bieten auch die „tigerbooks“ an. Das sind rund 2000 interaktive Bücher, E-Books und Hörbücher für Kinder zwischen zwei und zehn Jahren, gesammelt in einer App, herunterladbar auf Tablets und Smartphones.

Nach derzeitigem Forschungsstand beeinflusst die Bildschirmzeit die kindliche Hirnentwicklung. Das Lesen eines Buches ist von anderer Qualität als das Lesen am Monitor. Das Bücherlesen ermöglicht ein vertieftes, intensiveres Lernen, fördert den Verbleib von Wissen im Langzeitgedächtnis. Dazu hat die Kognitions- und Literaturwissenschaftlerin Maryanne Wolf das Anfang des Jahres erschienene Buch „Schnelles Lesen, langsames Lesen“ publiziert. Ein hochinteressantes Buch.

Haben Sie Tipps, wie Kinder zum Buch kommen?

Wichtig ist natürlich das Vorlesen. Und das Vorbild der Eltern. Mögen die Eltern nicht gern lesen, fördert das nicht die kindliche Leselust. Trotzdem: Beides allein reicht nicht aus. Extrem wichtig ist, dass ein kreativer Schulunterricht Bücher als fabelhafte Freunde, als phantastischen Spiegel des Lebens nahe bringt. Das hat mit Emotionen zu tun.

Wenn Kinder und Jugendliche merken, dass das, was sie lesen, sie selbst betrifft, dass der Inhalt sie packt, dass sie sich darin wiederfinden können, dann steigen sie in Literatur ein. Die kann nämlich tatsächlich so eine Art Lebensberatung sein. Und darüber hinaus schult sie ganz nebenbei die kulturelle Kompetenz, insofern man von den Erfahrungen fremder Menschen, Gebräuche und Sichtweisen erfährt. Die Schule sitzt da am Schalthebel das in Büchern steckende Wissen Kind- und Jugendgerecht spannend zu vermitteln.

Nimmt das Interesse an der IKiBu eher ab oder zu?

Es macht natürlich einen Unterschied, ob so eine Unternehmung volle zwei Wochen in der großen Mercatorhalle Duisburg stattfindet – anfangs ist das so gewesen, bis 1983 – oder einwöchig in den Bibliotheken. Trotzdem ist das Interesse groß. Im letzten Jahr kamen über 5000 Besucher zur IKiBu. Gerade Schulen nutzen das Angebot im Rahmen ihres Sprach- und Leseförderungsauftrags – was besonders wichtig ist in einer Stadt wie Duisburg mit hohem Migrantenanteil und vielen sozial schwachen Familien.

Da ist die Bibliothek ein umfassender Lebens-Lern-Ort, ein Platz, wo soziales Miteinander und interkulturelle Freundschaften entstehen können.

Das Haus der Bücher als social meeting-point?

Ja. Diese sozial-kommunikative Funktion der Bücherei hat sich in den letzten zehn Jahren durchgesetzt. Auch die innenarchitektonische Gestaltung unserer Zentralbibliothek mit Lese-Inseln, Ruhezonen, Themen-Häusern für die Kleinen etc. zeigt das. Die Bibliothek ist ein Platz der Begegnung.

Und die IKiBu ist eine herzliche Einladung dazu. Duisburg kann stolz sein, eine solche Internationale Kinderbuchausstellung erfunden zu haben.

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