Bildungsmesse

Didacta: Von digitalen Lernwelten und realem Schulalltag

Sonderschau „Digitale Innovationen“ auf der Didacta – in diesem Lernprogramm wurde ein digitales Weltraummonster erschaffen.

Sonderschau „Digitale Innovationen“ auf der Didacta – in diesem Lernprogramm wurde ein digitales Weltraummonster erschaffen.

Foto: Oliver Berg

Köln.   Notebooks, die fallen können und Geodreiecke zum Abheften – die Didacta in Köln präsentiert bis Samstag alles über Bildung, Lehren und Lernen.

Gongschlag zehn Uhr haben sich am Dienstag bereits lange Schlangen vor dem Eingang Nord der Messe Köln gebildet, geduldig lassen sich die vielen Frauen und etwas weniger Männer jeglichen Alters von den Sicherheitskräften durchchecken.

Das dauert, denn die Besucher sind gut gerüstet – Stoffbeutel und Taschen, Rucksäcke und jede Menge Trollis, selbst Rollkoffer sind darunter, und die wollen gefüllt werden mit Info-Material, Büchern und Broschüren.

Es geht auf die „Didacta“, die Internationale Leitmesse in Sachen Bildung, kurz Lehrermesse. In den nächsten Tagen werden hier rund 100.000 Besucher erwartet. So, wie sie hier erwartungsvoll anstehen, hat es etwas von Aufbruch.

QR-Codes sind bereits Standard

Offiziell ist, wie schon im vergangenen Jahr, die Digitalisierung der Schulen das Hauptthema der Messe. Die großen Schulbuchverlage haben sich längst digital aufgestellt und stehen ungeduldig in den Startlöchern, seitdem die Länder den Digitalpakt des Bundes für die Schulen mit der dazugehörigen Finanzspritze zunächst auf Eis gelegt haben.

„Click and teach“, für Lehrer, oder „click and study“, für Schüler weiterführender Schulen heißt es beispielsweise beim Bamberger C.C. Buchner Verlag. Digitales Lehr- und Lernmaterial mit QR-Codes für weiterführende Links oder Erklär-Videos sind bereits Standard, sagt Sprecherin Dr. Maren Saiko.

Nun gehe es in die nächste Runde – für den Politikunterricht beispielsweise steht neuerdings Lehr- und Lernmaterial in drei Sprachniveaus zur Verfügung – leicht, mittel und schwer. Und wer eine Matheaufgaben auf deutsch nicht versteht, kann sie sich in einer anderen Sprache erklären lassen.

Die robuste Technik ist auf Grundschüler zugeschnitten

Gunther Heitz von Indikon (Individuelles Digitalisierungs Konzept für Lehrende und Lernende) nimmt ein Notebook und wirft es vor den Augen der erstaunten Zuschauer auf den Boden. Die robuste Technik sei auf Grundschüler zugeschnitten, die ja auch mal was fallen lassen.

Ein Koffer mit 15 Notebooks, installierter Voreinstellung, wartungsfrei, mit bunten Unterrichtsmaterialien bestückt und garantiert „lehrerfreundlich“ kostet zwischen 10.000 und 15.000 Euro: „Hier muss ein Lehrer kein Technik-Freak sein“, versichert Heitz.

Da sagt er was. Inoffiziell nämlich winkt der eine oder die andere auch schon mal ab, wenn am nächsten Stand schon wieder ein riesiger Bildschirm angeworfen wird und greift lieber zur Lektüre. Da blättert man gerne in den Broschüren über Mobbing, Drogen oder gesunde Lebensweise der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, lässt sich von Greenpeace den Klimawandel erklären oder plant mit „Super Klassenfahrt“ den nächsten Ausflug.

„So leben Lehrer leichter“

Am Stand von „So leben Lehrer leichter“ wühlt man sich durch Kisten und Kästen mit so praktischen Dingen wie Belohnungs-Klebebuttons mit Daumen-Hoch-Zeichen oder Geodreiecke zum Abheften(!).

An manchem Stand wird doziert, gezaubert, auch experimentiert. Gestandene Lehrerinnen und Lehrer staunen, wie aus zwei zerschnittenen Papierringen das rätselhafte Möbius Band entsteht und erfahren, warum sich ein Siebenjähriger eine Blume namens Gerbera nicht merken kann, es sei denn, er kann etwas für ihn Wesentliches damit verknüpfen.

Gender hin, Gender her – vor allem die jungen Lehrerinnen sind entzückt über die hübschen Stunden- oder Andenken-Büchlein des Verlags an der Ruhr, die beispielsweise „Meine unvergesslich zauberhafte Klasse“ heißen und unter dem Motto „Live-love-teach“ den oft grauen Schulalltag etwas mehr pastellig einfärben.

Es geht um aggressives Verhalten der Schüler

Nebenan im Forum Unterrichtspraxis ist es rappelvoll, die Zuhörer sitzen sogar auf dem Boden. Es geht um „herausforderndes/aggressives Verhalten“ von Schülern, und das trifft den Nerv des Publikums.

Referent Karsten, Lehrer, Karatemeister, erfahren in der Brennpunktarbeit, meint es gut und ernst mit seinen Kollegen: „Ich weiß, dass viele von euch sich gerne zurückziehen würden; nur noch als Wissensvermittler fungieren wollen. Aber das geht nicht. Man hat euch längst die Verantwortung zugeschoben – ihr seid nun mal auch die Speerspitze des sozialen Lernens!“

Manchmal gibt es eben doch noch Wichtigeres in den Schulen als Digitalisierung.

>>>>>Das Schulbuch des Jahres

Zwei Schulbücher sind am Dienstag auf der „Didacta“ als „Schulbuch des Jahres 2019“ ausgezeichnet worden. In der Kategorie Sprachen habe das Englisch-Lehrwerk „Camden Town“ aus dem Westermann Verlag die Jury durch die gelungene Integration digitaler Elemente überzeugt.

In der Kategorie Gesellschaft wurde das Buch „Zeit für Geschichte“, ebenfalls aus dem Westermann Verlag, für seine gegenwartsorientierte Konzeption ausgezeichnet.

Die Bildungsmesse Didacta in Köln läuft noch bis Samstag mit 889 Unternehmen aus 55 Ländern. Die Messe ist für Besucher täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

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