Standort Niederrhein

Der Niederrhein ist spannend für Investoren, Herr Gaiser?

Gut besucht. Der „Standort Niederrhein“ auf der Expo Real in 2018 – das Interesse des Fachpublikums war auch im vergangenen Jahr groß.

Gut besucht. Der „Standort Niederrhein“ auf der Expo Real in 2018 – das Interesse des Fachpublikums war auch im vergangenen Jahr groß.

Foto: Berns, Lothar (lber)

Am Niederrhein.  Mehr als 70 Projekte vom Niederrhein hat Bertram Gaiser im Koffer, wenn er die Region auf der Fachmesse Expo Real in München präsentiert.

In wenigen Tagen öffnet die Expo Real in München, die internationale Fachmesse für Immobilien und Investitionen, wieder ihre Tore. Bertram Gaiser ist seit Juli 2011 Geschäftsführer der Standort Niederrhein GmbH und natürlich auch auf der Expo für den Standort Niederrhein am Ball.

Herr Gaiser, Sie werden den Niederrhein auf der Expo Real wieder vertreten? Was haben Sie im Gepäck?

Allein mit den überwiegend kommunalen Grundstücken und Projekten haben wir für die diesjährige Expo Real mehr als 70 Projekte und Investitionsmöglichkeiten im Gepäck. Die Bandbreite der präsentierten Projekte ist sehr groß: von Wohn-, Stadt- oder Quartiersentwicklungen über Büro und Gewerbe bis hin zu Projekten in Industriegebieten, auf Konversionsflächen, in Sondergebieten oder auch mit spezifischen Nutzungen wie beispielsweise dem Tourismus- oder Freizeitbereich.

70 Projekte und Investitionsmöglichkeiten im Gepäck

Hinzu kommen die verschiedensten Projekte, die unsere privaten Standpartner für die Messetage in München mit dabei haben. Insgesamt also ein bunter Strauß an Möglichkeiten am Standort Niederrhein.

Sie versuchen, den Rest der Welt davon zu überzeugen, dass der Wirtschafts-Standort Niederrhein für Investoren, Projektentwickler Unternehmer d e r Standort ist. Lohnt sich die Mühe?

Seit vielen Jahren präsentiert sich der Standort Niederrhein gemeinsam in München als eine Region mit wettbewerbsfähigen Standortfaktoren, interessanten Gewerbeflächen und Projekten. Der Auftritt bei der Messe in München ist dabei ein Baustein von vielen verschiedenen beim gemeinsamen Standortmarketing mit den Partnern aus der Region.

„Die Mühe lohnt sich!“

Die Mühe lohnt sich. Viele Projekte und Flächen konnten in den vergangenen Jahren von den Städten und Kreisen vermarktet werden – teilweise mit jährlich steigenden Umfängen oder Bestmarken im Hinblick auf den Umfang der vermarkteten Fläche. Bei den Arbeitsplätzen, die beispielsweise durch ausländische Direkt-Investitionen entstanden, liegt der Niederrhein in einer Publikation der Landeswirtschaftsförderung NRW.INVEST auf Platz 3 – und das obwohl ein Teil der Region aus statistischen Gründen gar nicht beim Niederrhein mitgezählt wird.

Duisburg gehört der „Standort Niederrhein GmbH nicht an. Düsseldorf auch nicht...Investoren tragen ihr Geld lieber in die großen Zentren als aufs flache Land?

Das muss man aus meiner Sicht differenziert betrachten. Verschiedene Investoren fokussieren unter Umständen ausschließlich die sog. A-Städte in Deutschland, darunter beispielsweise die Landeshauptstadt Düsseldorf. Andere Investoren, Immobilienakteure oder Unternehmen wiederum werden mit ihren spezifischen Investitionswünschen und individuellen Anforderungen an Standorten wie dem Niederrhein besser fündig.

Hier spielen dann unter anderem Stichworte wie Flächenverfügbarkeiten, Preis-Leistungs-Verhältnis, Nutzerstrukturen und vieles mehr eine Rolle. Insofern muss hierbei immer der jeweilige Einzelfall bzw. die jeweilige Anforderung des Investors betrachtet werden. Die räumliche Nähe zu den größeren Städten, in unserem Fall dann beispielsweise Düsseldorf, Köln oder auch Duisburg sind hierbei sicherlich ein Vorteil.

Was hat der Standort Niederrhein, das andere nicht haben?

Der Standort Niederrhein punktet mit einer sehr interessanten Mischung unterschiedlichster Faktoren: zum einen die Lage im Rheinland als einem der wirtschaftskräftigsten metropolitanen Ballungsräume, die unmittelbare Nähe zur Landeshauptstadt Düsseldorf, der Stadt Köln und dem Ruhrgebiet.

Im Umkreis von 100 Kilometern lassen sich vom Niederrhein aus etwa 16 Millionen Menschen erreichen. Hinzu kommt der grenzübergreifende Aspekt zu den europäischen Nachbarn mit den bestehenden intensiven wirtschaftlichen Verflechtungen. Zu den Nordseehäfen in Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen und Zeebrügge, die eine wichtige Rolle in der globalisierten Weltwirtschaft spielen, sind es vom Niederrhein aus meist nicht mehr als 200 Kilometer.

Gleiches gilt für Brüssel als politisches Zentrum der Europäischen Union. Der Rhein als größte europäische Wasserstraße prägt zugleich die Landschaft. Urbanität trifft auf Natur mit hoher Lebensqualität und das bei interessanten Investitionskonditionen.

Was unterscheidet Ihre Arbeit von der der lokalen oder kreisweit agierenden Wirtschaftsförderer?

Als regionale Gesellschaft der beiden Städte Krefeld und Mönchengladbach, der vier Kreis Kleve, Viersen, Wesel und dem Rhein-Kreis Neuss sowie der IHK Mittlerer Niederrhein bündeln wir die Art von Projekten und Aktivitäten im Standortmarketing, die sich für eine gemeinsame Umsetzung anbieten.

http://www.invest-in-niederrhein.de/de/

Das kann beispielsweise die Organisation regionaler Gemeinschaftsstände bei ausgesuchten Messen im In- und Ausland, die Beteiligung an verschiedensten Fach- oder Branchenveranstaltungen zur Bewerbung der heimischen Region oder bei weiteren Projekten des nationalen und internationalen Standortmarketings der Fall sein. Dabei stellen wir durch eine enge Abstimmung der Aktivitäten natürlich auch immer sicher, dass sich keine Doppelarbeiten oder Parallelaktivitäten ergeben und lokale oder kreisweit agierende Wirtschaftsförderungen aktiv eingebunden sind.

Welche Rolle hat der Niederrhein in der Metropolregion Rheinland?

Die Idee des Metropolregion Rheinland e.V. ist es, aktuelle und zukünftige Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen und das Rheinland als Wohn- und Wirtschaftsstandort gemeinsam noch attraktiver zu gestalten.

Auch vom Niederrhein sind alle kreisfreien Städte und Kreise, die Handwerks-- sowie Industrie- und Handelskammern beteiligt. Hinzu kommen viele weitere Institutionen und Akteure, die sich aktiv in die Arbeit in den Gremien und Arbeitsgruppen der Metropolregion mit einbringen und zusammen mit den Vereinsmitgliedern dem Niederrhein in diesem Verbund eine starke Stimme geben.

Mit etwa 2,5 Millionen Menschen leben im nord-westlichen Teil der Metropolregion mehr als ein Viertel der insgesamt etwa 8,5 Millionen Menschen im Rheinland.

https://www.exporeal.net/index-2.html

Der Niederrhein hat noch Platz?

Ja und nein. Einerseits werden wie erwähnt allein über 70 überwiegend kommunale Grundstücke und Projekte in München beworben. Andererseits können seit einiger Zeit einige, teilweise sehr große und interessante, Flächen- und Investitionsanfragen von Unternehmen wegen fehlender Flächenangebote am Standort Niederrhein nicht mehr bedient werden. Mit der Verabschiedung des Regionalplans Düsseldorf sind neue Potenzialflächen für die Region definiert, es bleibt jedoch abzuwarten, welche dieser Flächen dann letztendlich auch für eine wirtschaftliche Nutzung zur Verfügung stehen werden. Ähnliches gilt für den Teil des Kreises Wesel, der bei der laufenden Regionalplanung des Regionalverbands Ruhr eingebunden ist.

Für welche Branchen eignet sich der Standort Niederrhein?

Charakterisierende Branchen für den gesamten Standort Niederrhein sind Logistik, Chemie, Agribusiness, Maschinenbau, Energie, Elektrotechnik, Textil- und Bekleidung sowie der Tourismus. Der Niederrhein bietet somit eine sehr gute Basis für unterschiedlichste Branchen. Ein Umstand, den übrigens auch ausländische Unternehmen zu schätzen wissen. Fast zehn Prozent der Unternehmen hier haben ausländische Eigentümer – Top-Herkunftsland sind dabei die Niederlande als unsere direkte Nachbarn.

Welche Bedeutung haben die Flughäfen Weeze und Mönchengladbach und die Rheinhäfen?

Die Infrastrukturen der beiden Flughäfen und der überwiegend trimodal angebundenen Häfen entlang des Rheins von Dormagen bis Emmerich spielen auch zukünftig eine wichtige Rolle als Standort- und Wirtschaftsfaktor für die Region. Mit 40 Prozent abreisenden Flughafenkunden aus den Niederlanden und 130 Hektar für Handel, Gewerbe und Logistik in der Airport City Weeze hat der Flughafen Weeze eine grenzüberschreitende Bedeutung.

Am Flughafen Mönchengladbach eröffnet die Übernahme der Mehrheitsanteile durch die Stadt neue Potenziale: Die Zahlen bei Flugbewegungen und Arbeitsplätzen steigen, ansässige Firmen expandieren aktuell mit neuen Hallen- und Bürokapazitäten.

Eine aktuelle Studie zeigt weitere Perspektiven für das Flughafenareal auf

Eine aktuelle Studie zeigt weitere Perspektiven für das Flughafenareal auf. Hierzu gehören unter anderem die weitere Ansiedelung luftaffinen Gewerbes, die Erweiterung des Angebotes von Hangarstellplätzen oder der Ausbau von Event- und Freizeitangeboten. Auch innovative Themen sollen langfristig neue Geschäftsfelder erschließen. Hierzu trägt beispielsweise ein gemeinsames Forschungsprojektes mit der FH Aachen bei, das sich mit der Entwicklung von elektrischen Flugtaxis beschäftigt.

Bei den Rheinhäfen verfügt insbesondere die kommunal getragene Hafengesellschaft DeltaPort im Kreis Wesel über ein mittelfristiges Entwicklungspotenzial von 60 Hektar. Ein Umstand, der vor dem Hintergrund stark wachsender Gütermengen und der Funktion des Niederrheins als „European Gateway“ in der Logistik von großem Vorteil ist.

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