Eklat

Das Duisburger Straßenverkehrsamt versinkt im Chaos

Die Leiterin des Straßenverkehrsamtes, Evelyn Buchner, warb vor einiger Zeit für die Online-Anmeldung: „Vorbei an der Warteschlange.“

Die Leiterin des Straßenverkehrsamtes, Evelyn Buchner, warb vor einiger Zeit für die Online-Anmeldung: „Vorbei an der Warteschlange.“

Foto: EICKERSHOFF, Stephan

Duisburg.   Die Duisburger Zulassungsstelle hat wegen Überlastung keine Wartemarken mehr ausgegeben. Sicherheitsdienst und Polizei mussten für Ruhe sorgen.

Seit Tagen bereits häuften sich die Klagen und Beschwerden über zu lange Wartezeiten bei Autozulassungen. Am Donnerstag gab die Stadt auf. Es wurden keine Wartemarken mehr ausgegeben – ohne Online-Termin konnten Autos deshalb nicht angemeldet werden. Am Donnerstagmorgen eskalierte die Situation. Die Polizei musste kommen.

Der Ausgabestopp war nach Einschätzung der Stadt offenbar eine unvermeidbare Entscheidung. Am Mittwoch, hieß es in einer Mitteilung, „waren die Kolleginnen und Kollegen zwölf Stunden im Dienst und konnten 250 Vorgänge bearbeiten“. Außerdem habe man noch Händleranträge in gleicher Zahl abarbeiten müssen. Deshalb könnten am Donnerstag „leider keine Wartemarken ausgegeben werden“. Schnelle Abhilfe ist offenbar nicht in Sicht. Kunden, die gestern Fahrzeuge anmelden wollten, bekamen den Rat, es frühestens Mitte nächster Woche wieder zu versuchen. Vorher sei es zu voll. Für den Freitag jedenfalls wird es nur wenige Wartemarken geben, gab die Stadt gestern bekannt und empfahl, die Behörde nur „im absoluten Notfall“ aufzusuchen.

Bearbeitungszeiten sorgen seit Jahren für Unmut

Die Probleme auf dem Duisburger Straßenverkehrsamt sind nicht neu. Lange Warte- und Bearbeitungszeiten sowie zu wenig Personal sorgen schon seit Jahren für großen Unmut. Auch am Donnerstag sind gerade einmal vier von 21 Schaltern besetzt. Von 20 Beschäftigten in der Zulassung, entschuldigt sich die Stadt, seien derzeit neun Personen erkrankt; drei weitere befinden sich im Urlaub.

Die Stimmung unter den Kunden wird dadurch nicht besser. Im Gegenteil: So kritisch wird die Situation, dass die Stadt seit Mittwoch Sicherheitsleute am Haupteingang einsetzt. So soll die Lage beruhigt, der Besucherstrom besser gesteuert und alles entzerrt werden – bislang ohne Erfolg.

Sechs Stellen ausgeschrieben – niemand will sie haben

Arwin Fitz, ein Autohändler aus Rheinhausen, steht am Donnerstagmittag vor der Behörde und schüttelt nur noch mit dem Kopf. „Seit vergangenen Dienstag versuche ich, ein Fahrzeug anzumelden. Erst habe ich keine Wartemarken mehr bekommen, die Ersten sind ja schon um 4 Uhr morgens da.“ Auch ein Duisburger Unternehmer aus der Betonbranche ist sauer. Er will sein Firmenfahrzeug anmelden. Keine Chance. „Das ist eine Katastrophe“, sagt er. „Ich bin selbstständig, hab’ nicht jeden Tag Zeit. Der Betrieb muss ja irgendwie laufen. Wenn ich könnte, würde ich das Fahrzeug am liebsten in einer anderen Stadt anmelden, aber das geht ja leider nicht.“

Die Gewerkschaft Verdi kennt die Problematik. „In der Vergangenheit wurde immer mehr Personal abgebaut, die Ausbildung zurückgefahren. Heute fehlt der Nachwuchs an allen Ecken und Enden“, bestätigt Martin Nees vom Landesbezirk NRW.

Nun kündigt Ordnungsdezernent Paul Bischof Entlastung für das Amt an. Kurzfristig haben sich fünf Kolleginnen und Kollegen bereiterklärt, das Team zu verstärken. Sie hätten in der Vergangenheit bereits dort gearbeitet, „so dass eine schnelle Einarbeitung möglich ist“. Sechs freie Stellen gibt es auch, sehr beliebt aber scheint der Job nicht zu sein. Alle waren bereits mehrfach ausgeschrieben, ohne dass es Bewerber gegeben hätte.

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